Spanien – Banken ziehen den Stecker bei tausenden Zombie-Baufirmen

Spanien – Banken ziehen den Stecker bei tausenden Zombie-Baufirmen

Die spanischen Banken ziehen den Stecker bei Tausenden von Baukonzernen, die über die letzten fünf Jahre künstlich am Leben erhalten wurden, obwohl sie eigentlich nichts mehr gebaut haben, sagt Mikel Echavarren, der Vorstandschef der Beratungsfirma Irea, die Refinanzierungen im Volumen von 22 Mrd. Euro betreut hat.

Im vergangenen Jahr hatte die spanische Regierung die Kreditinstitute dazu verpflichtet, Rückstellungen für die Entwickler zu bilden - den Banken bleibt also kein Anreiz, sie weiter zu finanzieren.

“Die Banken haben eine Menge einstecken müssen, die Zeit für Verlängerungen und Schönreden ist also vorbei”, sagt Echavarren. “Es besteht keine Motivation, Unternehmen zu refinanzieren, die nicht überlebensfähig sind und über keine Liquidität oder künftige Einnahmen verfügen. Wir werden über die nächsten zwei Jahre einen regelrechten Tsunami an Entwickler- Insolvenzen sehen.”

Der endgültige Zusammenbruch der Branche, die in Boom-Zeiten bis zu 18 Prozent zum Wachstum Spaniens beigetragen hat, wird die Arbeitslosenquote weiter hochtreiben, erwartet Raj Badiani, ein Volkswirt bei IHS Global Insight in London. Dabei ist sie schon auf dem Rekordhoch von 26 Prozent. Auch die Verbraucherausgaben dürften darunter leiden, was wiederum die Erholung der Wirtschaft ausbremse, sagt er. Die Preise für Wohnimmobilien, die seit 2007 bereits um 30 Prozent abgesackt sind, werden Badiani zufolge auch weiter nach unten gedrückt.

Abwärtsbewegung auf dem Arbeitsmarkt wird sich verstärken

Die Arbeitsplatzverluste in der Baubranche seien angesichts des Ausmaßes der Talfahrt in den vergangenen Quartalen unerwartet gering geblieben, sagt Badiani. “Nachdem die Banken jetzt die Reißleine bei vielen Entwicklern ziehen, können wir damit rechnen, dass sich die Abwärtsbewegung auf dem Arbeitsmarkt verstärken wird.” Er rechnet mit einer Arbeitslosenquote von mehr als 27 Prozent in diesem Jahr und einem Hauspreis-Einbruch um 50 Prozent vom Höhepunkt bis 2015.

Mehr als die Hälfte der 67.000 Entwickler des Landes werden als “Zombies” eingestuft - ihre Verbindlichkeiten übersteigen ihre Vermögenswerte und ihre Einnahmen reichen nur zur Zahlung der Zinsen auf ihre Kredite, wie aus Daten des Immobilien- Beraters R.R. de Acuna & Asociados hervorgeht.

Überleben werden diesen Kahlschlag lediglich diejenigen, die über ausreichend Miet-Einnahmen aus Gewerbeimmobilien verfügen, um ihre Schulden abzuzahlen, sagt Echavarren. Auch für Konzerne, die Häuser in Regionen bauen, wo sie noch mit Gewinn verkauft werden können, sieht er Chancen. Insgesamt schätzt er den Anteil dieser Gesellschaften allerdings auf lediglich fünf bis zehn Prozent der Branche.

Seit 2008 haben Iberinform zufolge bereits mehr als 19.000 Immobilien- und Baukonzerne den Betrieb eingestellt, das entspricht 14 Prozent der Gesamtzahl.

Jährlich 675.000 neue Häuser

In den Jahren 1997 bis 2006 wurden in Spanien jährlich 675.000 Häuser gebaut, zeigen Daten der Sparkasse Cajamar. Das sind mehr als in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen. Das hat mit dazu beigetragen, dass in dem Land mittlerweile rund drei Millionen Häuser leer stehen, wie eine Regierungssprecherin erklärte, die nicht namentlich genannt werden wollte.

Beim aktuellen Kahlschlag werden auch die Banken nicht ohne Blessuren davon kommen. Sie müssen wohl weitere Abschreibungen auf angeschlagene Entwickler vornehmen, erwartet Fernando Rodriguez de Acuna Martinez, ein Partner bei Acuna & Asociados.

“Die Kreditinstitute haben das Problem auf die lange Bank geschoben, können die Verluste jetzt aber gestaffelt und kontrollierbar absorbieren”, sagt er. “Aber wenn es beispielsweise keinen Markt für Land gibt - und glauben Sie mir, es gibt keinen - dann muss die Risikovorsorge dafür 100 Prozent betragen. Es stimmt, dass für einen Teil der Verluste schon Rückstellungen gebildet wurden, aber die Kreditinstitute werden in Zukunft mehr Risikovorsorge betreiben müssen.”

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa