"Spanien wird 2013 nicht mehr in der Lage sein, sich aus eigener Kraft zu finanzieren"

"Spanien wird 2013 nicht mehr in der Lage sein, sich aus eigener Kraft zu finanzieren"

Die Regierung in Madrid ringt darum, den Anstieg des Haushaltsdefizits einzudämmen und ein Gesuch um internationale Hilfe zu vermeiden. Doch die anstehenden Konjunkturdaten könnten untermauern, dass Wirtschaft und Verschuldung eine weitere Zuspitzung der Lage anzeigen, während das Land die größten Einsparungen seit Rückkehr zur Demokratie vor drei Jahrzehnten vornimmt.

Der Einzelhandelsumsatz ist im September saisonbereinigt um elf Prozent gefallen, teilte das staatliche Statistikamt am Montag mit. Am Dienstag werden Zahlen zur Lage der öffentlichen Haushalte, zur Entwicklung der Verbraucherpreise und zum Bruttoinlandsprodukt erwartet. Spaniens Notenbank schätzte in der Vorwoche, dass das Bruttoinlandsprodukt im Quartal bis Ende September zum fünften Mal in Folge rückläufig war.

Die Statistiken aus Spanien werden Investoren veranlassen, die Lage mit noch größerer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Daten vom Arbeitsmarkt belegten in der vergangenen Woche eine rekordhohe Arbeitslosenquote in Spanien im dritten Quartal. Einer von vier Arbeitnehmern im Land sucht Arbeit. Trübt sich der Wachstumsausblick weiter ein, könnte sich die Prognose der Regierung, dass der Einbruch nachlässt, als Makulatur erweisen und den Druck auf Spanien, Hilfen in Anspruch zu nehmen, weiter erhöhen.

“Was wir jetzt sehen, ist, dass sich die Wirtschaftslage weiter verschlechtert”, sagte Yannick Naud, Portfoliomanager bei Glendevon King Ltd. in London. “Wir haben einen markanten Rückgang bei den Renditen zehnjähriger Anleihen gesehen, der durch die Wirtschaftslage nicht gerechtfertigt ist. Das ist nur angesichts der Erwartung einer Intervention vonseiten der Europäischen Zentralbank geschehen.”

Höhere Inflation und Rezession

Die Verbraucherpreise in Spanien sind im Oktober voraussichtlich um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, zeigt die Prognose der sieben von Bloomberg befragten Analysten. Im September lag die Preissteigerung bei 3,5 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im dritten Quartal um 0,4 Prozent geschrumpft sein, lautet die Median-Prognose der zehn von Bloomberg befragten Analysten. Damit läge die Kontraktion auf dem Niveau des zweiten Quartals und entspräche der Schätzung der spanischen Notenbank vom 23. Oktober.

Alle diese Daten werden am Dienstag erwartet, ebenso die Zahlen der Notenbank zum Haushaltsdefizit für September. Sie werden zeigen, ob das Defizit seit Jahresbeginn mit 50 Mrd. Euro auf über 4,77 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt geklettert ist. Dieser Wert liegt bereits höher als die Schätzung der Regierung für das Gesamtjahr.

Spanien stemmt sich internationalem Druck entgegen und hat bislang nicht um Hilfen vom Europäischen Rettungsschirm ESM nachgesucht. Dann wäre der Weg frei für EZB-Käufe spanischer Bonds am Sekundärmarkt. Die Aussicht darauf hatte zuletzt die Finanzierungskosten des Landes gedrückt.

"Glaubwürdigkeit der Haushaltsziele"

Von Bloomberg befragte Ökonomen gehen von einer Schrumpfung der Volkswirtschaft um 1,4 Prozent im nächsten Jahr aus. Die Prognose der spanischen Regierung lautet auf ein Minus von 0,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote wird der Prognose zufolge bis 2014 auf über 27 Prozent ansteigen, während Ministerpräsident Mariano Rajoy für kommendes Jahr einen Rückgang voraussagt.

“Je eher Spanien ein Programm erhält und damit einer Aufsicht näherrückt, desto rascher wird die Glaubwürdigkeit der Haushaltsziele zunehmen”, sagte Ricardo Santos, Ökonom bei BNP Paribas SA in London in einem Telefoninterview. “Die Aufsicht wird strikter sein als im laufenden Jahr. Unter Beteiligung der Europäischen Kommission und des Internationalen Währungsfonds werden Korrekturmaßnahmen zeitnäher umgesetzt werden.”

Die Rendite 10-jähriger spanischer Bonds, die seit dem Hoch für die Zeit seit der Euro-Einführung mit 7,75 Prozent am 25. Juli um mehr als 200 Basispunkte gefallen ist, wies in der Vorwoche die schlechteste Entwicklung seit August aus. Auch am Montag hielt der Abgabedruck an, die Rendite stieg um fünf Basispunkte auf 5,60 Prozent.

Untragbar

“Ich kann nicht wirklich sehen, dass das Wachstum in Spanien ausreichend stark sein wird, um sie in absehbarer Zeit in eine tragfähige Situation zu bringen”, sagte Arif Husain, Direktor Festverzinsliche Europa bei AllianceBernstein Ltd. in London.

Die Sorgen im Hinblick auf die Kreditwürdigkeit des Landes könnten vor diesem Hintergrund erneut Auftrieb bekommen, denn die Inflation verstärkt möglicherweise den Druck auf die öffentlichen Kassen. Die Ratingagentur Standard & Poor’s stuft die spanischen Staatsanleihen eine Stufe über “Ramsch” ein, Fitch Ratings hat sie zwei Stufen darüber eingeordnet.

Die Regierung muss im November darüber entscheiden, ob sie ein Gesetz anwendet, dass die Indexierung der Renten und Pensionen an die Inflation vorsieht. Diese lag im September bei 3,5 Prozent. Spaniens Notenbankgouverneur Luis Maria Linde sagte am 4. Oktober, die Zusage würde rund 3 Mrd. Euro kosten. Dabei seien bereits jetzt Korrekturen am Budget erforderlich, um die Haushaltsziele einhalten zu können.

Defizitziele für 2012 und 2013 abschreiben

“Spanien wird das Ziel für das Haushaltsdefizit im laufenden Jahr verfehlen. Damit wird es sehr unwahrscheinlich, dass die Ziele für nächstes Jahr erreicht werden”, sagte Justin Knight, Zinsstratege bei UBS AG in London in einem Telefoninterview. “Spanien zehrt die Barreserven auf und wird 2013 voraussichtlich nicht in der Lage sein, sich aus eigener Kraft zu finanzieren, wie es dieses Jahr der Fall war.”

Nach Einschätzung von Knight wird Spanien mit Blick auf kommendes Jahr die Emissionstätigkeit verstärken müssen, während die Investorenbasis geschrumpft ist. Der Anteil ausländischer Gläubiger bei spanischen Bonds lag im September bei 35,4 Prozent. Zum Vergleich: Ende Dezember 2012 waren noch 50 Prozent der spanischen Staatspapiere in den Händen ausländischer Investoren.

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