Solarstreit EU vs. China – Strafzölle "light" sind Realität

Solarstreit EU vs. China – Strafzölle "light" sind Realität

Handelskommissar Karel De Gucht kündigte am Nachmittag zunächst 11,8 Prozent auf Solarprodukte aus China ab Donnerstag an, sollte China nicht einlenken, erhöht sich der Satz ab 6. August auf 47,6 Prozent. Ins Rollen gebracht wurde das ganze mit einer Beschwerde der Allianz der europäischen Solarhersteller, EU Pro Sun, die durch das chinesische Dumping 30.000 Jobs in der Branche in Gefahr sieht.

Betroffen ist aber ausschließlich die Photovoltaikbranche. Im Bereich Solarwärme fürchtet die Industrie dagegen keine Konkurrenz. "Bei der Solarwärme haben wir keinen spürbaren Import aus China", erklärte der Geschäftsführer des österreichischen Branchenverbands Austria Solar, Roger Hackstock, der APA am Dienstag. Wenngleich Anbieter aus China zunehmend auf europäischen Messen präsent seien.

Dass es den Herstellern von Solarwärmeanlagen in einigen Jahren gleich gehen könnte wie der Photovoltaikindustrie, glaubt er nicht. Während bei Solarmodulen (Strom aus Sonne) mittlerweile mehr oder weniger weltweit die gleiche Technologie eingesetzt werde, sei das im Wärmebereich nicht der Fall. "In der Thermie haben wir in Europa vor allem Flachkollektoren. In China werden Vakuumröhren eingesetzt", erläuterte Hackstock. Die Röhren gebe es zwar auch in ein paar südlichen europäischen Ländern wie Griechenland oder Spanien, jedoch seien sie dort schon so billig, dass Konkurrenz aus China nicht zu fürchten sei. Der Kostenvorteil sei nämlich gering: "Es kommen nur leere Glasröhren nach Europa. Die sind zwar billig, machen aber nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten der Anlage aus."

Im Gegensatz dazu entfalle bei Photovoltaik-Anlagen der Großteil der Gesamtkosten auf die Module. Diese würden mehr oder weniger fixfertig für den Verkauf nach Europa geschifft. Dass diese in China so günstig produziert werden können und in der Folge den europäischen Herstellern arg zusetzen, liegt nicht an den unterschiedlichen Lohnkosten. "Der Arbeitskostenanteil bei einem Photovoltaik-Modul beträgt nur 6 bis 7 Prozent", so Hackstock. Das Gros also sind Materialkosten. "Auch die Chinesen müssen auf dem Weltmarkt einkaufen und kriegen es nicht billiger."

Dumpingpreise durch staatliche Stützung

Die Dumpingpreise kämen fast allein durch die staatliche Stützung der Branche zustande. Erneuerbare Energien bzw. Photovoltaik stünden ganz oben auf der Agenda des Fünf-Jahres-Plans aus Peking. Hersteller kämen dadurch an billige Kredite von der staatlichen Entwicklungsbank, erhielten jahrelange Lohnsteuerstundungen und gratis Strom.

Bedingungen, mit denen Europas Hersteller nicht mithalten können. Sie haben sich deshalb bei der EU-Kommission beschwert. Ob die Verhängung von Strafzöllen das richtige Instrument ist, um dies hintanzuhalten, ist aber innerhalb der EU mehr als strittig. Deutschland und 17 weitere Staaten sind dagegen, vor allem Berlin warnte mehrmals vor einem Handelskrieg. Österreich hatte sich bisher "neutral" verhalten.

Pro und Kontra

Selbst im Branchenverband Photovoltaic Austria zeigt man sich diplomatisch-zurückhaltend. "Es gibt für beide Standpunkte Pros und Kontras", sagte PVA-Präsident Hans Kronberger zur APA. Der Verband vertritt sowohl Hersteller als auch Händler. Während erstere Strafzölle befürworten dürften, fürchten Händler wohl, dass dadurch die Preise steigen würden. Es stellt sich für sie auch die Frage, was passiert, wenn die Strafzölle auslaufen oder wer für etwaige Preisdifferenzen aufkommt.

Die Preise für Photovoltaik-Anlagen sind in den vergangenen Jahren massiv gefallen. Derzeit kostet 1 Kilowatt/peak installierte Leistung rund 2.000 Euro, vor vier Jahren war das Vier- bis Fünffache zu berappen.

In Österreich waren Ende des Vorjahres 362 Megewatt/peak an PV-Leistung installiert, heuer sollen noch einmal mehr als 250 MW/peak dazukommen, erwartet Kronberger. Weltweit liefern Photovoltaikanlagen 96,7 Gigwatt/peak an Leistung, davon entfallen 70 GW/peak auf Europa.

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