"Sie werden uns und unser Land um hunderte Jahre zurückwerfen"

"Sie werden uns und unser Land um hunderte Jahre zurückwerfen"

Der Nachrichtenagentur AFP berichten sie am Telefon von ihrem Alltag in dem von zahlreichen Verboten geprägten neuen Leben, das ihnen aufgezwungen wird.

"Diese Militanten werden uns und unser Land um hunderte Jahre zurückwerfen, ihre Gesetze widersprechen den Menschenrechten und dem Völkerrecht", sagt Um Mohammed. Die 35-jährige Lehrerin beklagt die "ständige Angst vor neuem Druck". Die Frauen befürchteten, nicht mehr arbeiten und nicht mehr zum Aufbau der Gesellschaft beitragen zu dürfen.

Mossul mit seinen zwei Millionen Einwohnern war bis zum Beginn des US-geführten Irakkriegs 2003 bekannt für seine historischen Stätten und seine Parks. Im Zuge des Krieges wurde die Stadt zeitweise zu einer Hochburg blutiger Gewalt. Doch danach war wieder ein großstädtisches Leben aufgeblüht, dem nun ISIS ein abruptes Ende setzt.

Seit die in Kampfanzügen oder ganz in Schwarz gekleideten Islamisten die Herrschaft über die Stadt und die Provinz Ninive übernommen haben, ist vieles verboten, was bis vor Kurzem erlaubt oder wenigstens geduldet wurde. Die neuen Herrscher, deren Ziel die Errichtung eines neuen Kalifats ist, veröffentlichten sogleich ein Dokument mit neuen Regeln.

Nach dem 16-Punkte-Katalog sind seither der Konsum und der Verkauf alkoholischer Getränke und von Drogen verboten. Das gilt auch für das Rauchen. Versammlungen sind ebenso wenig erlaubt wie das Tragen von Waffen - eine Regel, unter die die ISIS-Kämpfer nicht fallen. Frauen müssen züchtig-bedeckende Kleidung tragen und zu Hause bleiben.

Dennoch gibt es auch Frauen, die die neue ISIS-Herrschaft begrüßen. "Die Bewaffneten sind höfliche Leute", sagt Um Abdullah, die trotzdem aus Mossul floh - aber nicht, wie sie sagt, wegen der Islamisten, sondern wegen der Bombenangriffe der Regierungsarmee auf die Stadt und wegen der Strom- und Wassersperren. Um Abdullah sagt: "Ehrlich gesagt bin ich froh, dass sie die Kontrolle über Mossul übernommen haben. Für mich sind sie Rebellen, keine Bewaffneten, und ich denke, sie werden die Stadt verbessern." Mit ihrer Art der Verbesserung haben die Islamisten gleich angefangen. Nach ihrer Weltsicht verwerfliche Götzen-Bildnisse entfernten sie aus dem Stadtbild. Denn "Schreine" sind nach dem 16-Punkte-Katalog auch verboten. Statuen von Dichtern mussten weichen. Vor einer Kirche wurde eine Marien-Statue zerstört, wie Abu Ramsi, einer der wenigen in der Stadt verbliebenen Christen, berichtet. "Noch haben wir keine Drohungen von irgendjemandem erhalten", sagt Ramsi. "Wir werden unser Haus und die Stadt nicht verlassen, auch wenn sie uns abschlachten."

Die Meinungs- und Redefreiheit kassierten die ISIS-Leute gleich mit. In Moscheen darf künftig nichts mehr verlautbart werden, was nicht vorher durch die Zensur gegangen ist. Eine ausgewählte Moschee wurde zur zentralen Anlaufstelle für "reuige Abtrünnige" auserkoren. Und für gesellschaftliche Überwachung sorgen eigens bestimmte Nachbarschaftsvertreter.

Ein Mossul-Flüchtling erzählt, dass ein Nachbar ihm berichtet habe, wie Bewaffnete sein leer stehendes Haus aufgesucht hätten, um Informationen über ihn zu erhalten. "Sie stellten Fragen über mein Haus, meine Konfession und meine Telefonnummer." Dann hätten sie die Nachricht hinterlassen, dass sein Haus niedergebrannt werde, sollte er nicht binnen zwei Tagen zurückkehren und sich vom schiitischen Glauben lossagen.

In Mossul, der multiethnischen und multireligiösen Stadt mit ihrer arabischen, kurdischen, assyrischen, turkmenischen und jesidischen Bevölkerung, in der Christen verschiedener Konfessionen und Muslime zusammenleben, die in einer jahrtausendealten Kulturregion liegt, hat sich mit einem Schlag vieles verändert. Viele Einwohner haben den Eindruck, die Zeit sei zurückgedreht worden, um Jahrhunderte. Oder wie der 40-jährige Einwohner Abu Ali sagt: Die Militanten stülpen uns einen "neuen Lebensstil" voller neuer Restriktionen über.

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