Schwacher Jobmarkt dämpft Obamas Wiederwahlchancen

Schwacher Jobmarkt dämpft Obamas Wiederwahlchancen

Die US-Wirtschaft schuf im August nur 96.000 neue Stellen und damit deutlich weniger als von Experten erwartet, die rund 125.000 mehr Beschäftigte prognostiziert hatten. Die Arbeitslosenquote sank zwar von 8,3 auf 8,1 Prozent, vor allem aber, weil viele Amerikaner die Jobsuche aufgaben.

Damit verharrt sie seit gut drei Jahren über der Marke von acht Prozent - das hat es seit der Großen Depression in den 1930er Jahren nicht mehr gegeben. "Dies kommt dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney eher zugute als Obama", sagte Analyst Jacob Oubina von RBS Capital Markets.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist kein Präsident bei einer Arbeitslosigkeit von mehr als acht Prozent wiedergewählt worden. Kritiker lasten die schwache Wirtschaft Obama an. Dieser bat auf dem Nominierungsparteitag seiner Demokraten um mehr Zeit zur Lösung der Wirtschaftskrise. "Sie haben mich gewählt, damit ich die Wahrheit sage. Und die Wahrheit ist, dass es mehr als nur ein paar Jahre dauern wird, um die Herausforderungen zu bewältigen, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben", sagte Obama in North Carolina.

Eine Million mehr Industriejobs

Der Präsident warf den Republikanern vor, keine konkreten Pläne für die Umsetzung ihrer Ziele genannt zu haben. Obama selbst betonte, bis 2016 sollten eine Million Arbeitsplätze in der Industrie geschaffen, bis 2020 die Öl-Importe halbiert und bis 2022 100.000 Lehrer für Mathematik und Naturwissenschaften eingestellt werden. Romney hatte zwölf Millionen mehr Jobs in den nächsten vier Jahren versprochen. Er nutzte die schwachen Zahlen, um Obama vor der November-Wahl eins auszuwischen. "Wenn die vergangene Nacht noch eine Party war, herrscht an diesem Morgen Katerstimmung", sagte Romney. "Es ist offensichtlich, dass Präsident Obama sein Versprechen nicht erfüllt und sein politischer Kurs nicht funktioniert hat. Wir stehen nicht besser da als vor vier Jahren". Auch Paul Ryan, Romneys Vize-Kandidat, blies ins gleiche Horn. "Das ist nicht mal nahe an dem dran, wie eine Erholung aussehen sollte", sagte er CNBC.

Seit Jahresanfang entstanden monatlich im Schnitt nur 139.000 neue Jobs - 2011 waren es noch 153.000. Der schwache Arbeitsmarkt gilt als größte Hürde für ein stärkeres Wirtschaftswachstum. Die US-Konjunktur hatte im Frühjahr mit einer Jahresrate von 1,7 Prozent zugelegt, aber zum ersten Quartal an Fahrt verloren. Auch der Rückgang der Arbeitslosenquote ist nach Ansicht von Postbank-Experte Heinrich Bayer "nicht unbedingt ein gutes Zeichen". Denn es signalisiere vielmehr, "dass Arbeitslose in verstärktem Maße die aktive Suche nach einer Beschäftigung einstellten." Sie fallen damit aus der Statistik. Die prekäre Lage unterstreicht auch eine andere Zahl: Die Quote für die Teilhabe am Arbeitsmarkt - also der Anteil der Amerikaner, die einen Job haben oder einen suchen - fiel auf 63,5 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert seit September 1981.

Neues Anleihenkaufprogramm am Donnerstag

Der maue Arbeitsmarkt dürfte Ökonomen zufolge auch die US-Notenbank Fed dazu bringen, der Wirtschaft mit einem neuen Programm zum Anleihenkauf (QE) unter die Arme zu helfen. "Diese schwachen Daten sind wahrscheinlich der letzte Mosaikstein, den die Fed braucht, bevor sie nächste Woche eine neue Runde QE einläutet," sagte Joseph Trevisani von Worldwide Markets. Fed-Chef Ben Bernanke hatte jüngst die Stagnation am Arbeitsmarkt als "große Sorge" bezeichnet und bekräftigt, dass die Zentralbank "bei Bedarf" die Wirtschaft stützen werde. Die Fed entscheidet am Donnerstag wieder über ihre Zins- und Geldpolitik.

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