"Sandy" kostet US-Wirtschaft bis zu 50 Milliarden Dollar

"Sandy" kostet US-Wirtschaft bis zu 50 Milliarden Dollar

Millionen Arbeitnehmer konnten nicht zu ihrem Arbeitsplatz gelangen. Geschäfte, Restaurants und Raffinerien blieben in der bevölkerungsreichsten Region des Landes für Tage geschlossen.

Die Leistung der weltgrößten Volkswirtschaft wurde durch den Sturm im vierten Quartal wohl um 25 Mrd. Dollar reduziert, schätzt Gregory Daco, ein US-Volkswirt von IHS Global Insight. Dadurch könnte die Wachstumsrate auf ein bis 1,5 Prozent schrumpfen, sagt er. Die Gesellschaft ging zuvor von 1,6 Prozent Zuwachs aus.

Sandy tobte in einer Region mit 60 Millionen Einwohnern - etwa so vielen wie in Italien - auf die ein Viertel der US-Wirtschaftsleistung entfällt, sagt Eric Lascelles, Chef-Volkswirt bei RBC Global Asset Management Inc. Die Finanzmärkte mussten geschlossen werden, auch der Flug- und Bahnverkehr wurde gestoppt. “Wenn die Leute nicht mehr in Broadway-Shows, Restaurants und Hotels gehen, dann ist das ein harter Schlag für all diese Bereiche, die davon leben, dass Menschen Geld ausgeben”, sagt Stephen Bronars, ein leitender Volkswirt bei Welch Consulting in Washington. “Die Menschen werden auch weiterhin ausgehen oder Autos kaufen - nur nicht diese Woche. Es wird Gewinner und Verlierer geben.”

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) könnte durch den Sturm in diesem Quartal um 0,2 Prozent geringer ausfallen, erwartet Mark Vitner, ein leitender Volkswirt bei Wells Fargo & Co. Er schätzt die Kosten für die entgangene Produktion auf 30 Mrd. Dollar. “Die US-Wirtschaft wird etwas ramponiert”, sagt Lascelles. “Diese Region ist überaus dicht besiedelt, auf sie entfällt ein überproportional großer Anteil an der wirtschaftlichen Leitung der USA.”
Bei Einzelhändlern wird der flächenbereinigte Umsatz im November wohl um bis zu drei Prozent geringer ausfallen, nachdem Läden an der Ostküste geschlossen werden mussten, erwartet Oliver Chen, ein Analyst von Citigroup Inc. in New York. Gleichzeitig dürften Supermärkte und Baumärkte jedoch profitieren.

Physischer Schaden mehr als 20 Milliarden Dollar

Der physische Schaden von Sandy wird voraussichtlich mehr als 20 Mrd. Dollar betragen, nachdem Wohnhäuser und Büros beschädigt und das New Yorker U-Bahn-System überflutet wurde. In der Summe enthalten sind versicherte Schäden im Volumen von 7 Mrd. Dollar bis 8 Mrd. Dollar, sagt Charles Watson, Director bei Kinetic Analysis Corp. in Silver Spring, Maryland.

“Gewöhnlich sind die Unterbrechungen der Geschäftsaktivitäten geringer als die Infrastrukturschäden, wie das auch bei Sturm Irene im vergangenen Jahr war”, erläutert Daco. “Dieser hat uns aber am Anfang der Woche getroffen, und deswegen werden die Unterbrechungen voraussichtlich noch die ganze Woche weitergehen.” Aufgrund solcher Unterbrechungen dürften sich die gesamten wirtschaftlichen Verluste auf 30 Mrd. Dollar bis 50 Mrd. Dollar belaufen, schätzen Daco und sein Kollege Nigel Gault von IHS.
Nicht ganz so pessimistisch ist allerdings Mike Englund, Chef-Volkswirt bei Action Economics LLC. Er rechnet damit, dass ein Teil der Einbußen in der wirtschaftlichen Aktivität im Rahmen des Wiederaufbaus wieder wettgemacht werden. Nach Tagen mit verlorener Produktivität und Zerstörung der Infrastruktur dürfte es einen Aktivitätsschub durch die Reparaturarbeiten geben, erwartet er.

Diese Ansicht vertritt auch die Mehrheit der von Bloomberg News dazu befragten Volkswirte. Sie rechnen im Median damit, dass die US-Wirtschaftsleistung im vierten Quartal durch Sandy um 0,02 Prozentpunkte geringer ausfallen wird. Dafür dürfte sie im ersten Quartal 2013 um 0,08 Prozentpunkte höher sein.

Die Analysten von JP Morgan blieben bei ihrer Prognose, dass das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2,0 Prozent zulegt. Die Fachleute verwiesen darauf, dass der verheerende Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 das Wirtschaftswachstum zwar erheblich verlangsamte, vor allem weil Ölraffinerien ausfielen und zwei Monate lang das Benzin deutlich teurer war. Allerdings erholte sich damals die Konjunktur auch wieder sehr rasch. "Sandy" habe zwar auch einige Raffinerien in Mitleidenschaft gezogen, schrieben die Analysten weiter. Aber die Auswirkungen auf den Benzinpreis seien vermutlich nur kurzfristig.

Noch sechs Millionen Menschen ohne Strom

Zwei Tage nach Wirbelsturm "Sandy" sind nach wie vor sechs Millionen Amerikaner ohne Strom. Zwei Drittel der Geschädigten lebe in den Staaten New York und New Jersey, teilte das Energieministerium in Washington am Mittwoch (Ortszeit) mit. Präsident Barack Obama betonte, die Wiederherstellung der Stromversorgung habe Priorität. Er nannte aber keine Daten.

Zugleich gab das Ministerium bekannt, dass weiterhin drei Kernkraftwerke in den Unwettergebieten außer Betrieb seien. Lediglich der Reaktor Indian Point im Staat New York solle in den nächsten Tagen wieder ans Netz gehen, gab ein Sprecher der Atomaufsichtsbehörde NRC in Pennsylvania, Neil Sheehan, bekannt.

Sheehan betonte, es gebe keinerlei Ähnlichkeiten mit dem Reaktorunglück im japanischen Fukushima. "Diese Reaktoren, die abgeschaltet worden waren, haben keinerlei Komplikationen aufgewiesen."

Unter anderem war im ältesten Atomkraftwerk der USA Alarm ausgelöst worden, weil der Pegel im Kühlwasser-Reservoir durch die reguläre Flut, die Windrichtung und das Hochwasser extrem anstieg.

Welle der Hilfsbereitschaft

Nach "Sandy" und seinen verheerenden Folgen rollt nun eine Welle der Hilfsbereitschaft los. Mehr als elf Millionen Dollar hat das Rote Kreuz schon erhalten. Auch Prominente und Firmen geben eifrig - und ein anonymer Großspender in New York. Sein Unternehmen habe den betroffenen Familien in New York und New Jersey eine Million Dollar zur Verfügung gestellt, teilte Medienmogul Rupert Murdoch per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Der Autoproduzent Ford kündigte eine Spende in Höhe von 50 000 Dollar an, Konkurrent Toyota von einer Million. Die Baseball-Mannschaft der New York Yankees versprach 500 000 Dollar.

Der bisher größte bekannte Einzelspender wollte aber zunächst anonym bleiben: Der Unbekannte habe der Stadt New York 2,5 Millionen Dollar für die Wiederaufbaumaßnahmen geschenkt, sagte Bürgermeister Michael Bloomberg am Mittwoch.

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