Romney und die Frauen – keine Erfolgsstory

Romney und die Frauen – keine Erfolgsstory

Die Krankenschwester Tricia Taske lebt in Painesville im Bundesstaat Ohio, einem der sogenannten Swing States, deren Ergebnisse traditionell den Ausschlag für Demokraten oder Republikaner geben. Gut zwei Wochen vor der Wahl hat sie noch immer nicht entschieden, wem sie am 6. November ihre Stimme geben wird. Als Frau wird ihr beim Obama-Herausforderer Romney aber etwas mulmig zumute.

"Viele Frauen wählen auf einer emotionalen Basis", sagt Taske. "Romney kommt distanziert rüber. Obama zeigt dagegen mehr Einfühlungsvermögen, wenn er spricht." Neben dem Bauchgefühl hat die Mutter einer kleinen Tochter auch bei politischen Fragen Bedenken. "Ich persönlich bin gegen Abtreibung, aber Romney will Frauen hier vorschreiben, was sie zu tun haben", sagt sie. Außerdem stehe er nicht für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen ein. Schließlich sei da noch dieser Kommentar Romneys über die "Ordner voller Frauen", der dem republikanischen Kandidaten bei der TV-Debatte am Dienstag herausrutschte.

Romney hatte im Rennen um das Weiße Haus von Beginn an Probleme mit der weiblichen Wählerschaft. Im Vorwahlkampf der Republikaner ließ sich der frühere Gouverneur von Massachusetts unter dem Druck des erzkonservativen Flügels seiner Partei in gestrig anmutende Debatten um Verhütungsmittel verstricken und präsentierte sich als entschiedener Abtreibungsgegner. Nach seinem starken Auftritt im ersten Fernsehduell Anfang Oktober konnte Romney in Umfragen gerade auch bei Wählerinnen dazugewinnen - doch dann unterlief ihm jene unbedachte Aussage beim zweiten Schlagabtausch mit Obama.

Eigentlich wollte sich der Republikaner bei der Debatte damit brüsten, dass er sich für die Belange von Frauen in der Arbeitswelt eingesetzt habe. Romney erzählte, wie er vor seinem Amtsantritt als Gouverneur Anfang 2003 nach weiblichen Bewerbern für sein Kabinett gefahndet habe. Er berichtete von "konzertierten Bemühungen, auszuschwärmen und Frauen zu finden, die qualifiziert sein könnten". Dann folgte die Formulierung, die ihm Häme und Spott einbringen sollte: "Ordner voller Frauen" seien ihm damals vorgelegt worden, sagte Romney.

"Abwertend gegenüber Frauen"

"Das zeigt, dass er sehr altmodisch denkt", sagt Taske. Mit dieser Wortwahl werte Romney Frauen ab - "als ob er einen Katalog durchblättert und sich eine aussucht". Wie Taske werden sich unentschlossene Wählerinnen in Colorado, Virginia oder anderen umkämpften Bundesstaaten gefragt haben, ob sie einen Präsidenten wollen, der offenbar so wenig Fingerspitzengefühl für ihre Interessen besitzt.

Auch Romneys Privatleben liefert Aufschlüsse über sein Verständnis von der Rolle der Frau. Seine Gattin Ann hat sich selbst zur "Hausfrau und Mutter aus Überzeugung" erklärt. Als ihr Mann einst an die Eliteuni Harvard wechselte, unterbrach sie ihr Studium an der Mormonen-Universität Brigham Young in Utah. Erst später holte sie den Bachelor-Abschluss nach. Während Mitt Romney Karriere machte, kümmerte sie sich daheim um die fünf Söhne.

Für Obama, der seinen Vorteil mit einer mauen Leistung in der ersten Debatte verspielte, kommt Romneys Patzer gelegen. "Ich muss Ihnen sagen, dass wir keine Ordner sammeln müssen, um kompetente, motivierte und talentierte junge Frauen zu finden", schlachtete Obama die Aussage bei einem Wahlkampfauftritt aus.

Romney versucht Wählerinnen dagegen mit dem Argument zu überzeugen, dass die schlechte Wirtschaftslage unter Obama vor allem Frauen und Familien getroffen habe. "Dieser Präsident hat Amerikas Frauen im Stich gelassen", erklärte der Republikaner jüngst bei einem Wahlkampfauftritt in Virginia.

Tricia Taske sagt, dass Frauenrechte für sie am Ende nicht das entscheidende Thema seien. Die Krankenschwester sorgt sich um die Gesundheitspolitik - und darum, dass der Lebensstandard ihrer jungen Familie gesichert bleibt.

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