Reportage: Spanien zerfällt

Reportage: Spanien zerfällt

Spanien, das Land von Don Quixote und El Cid, das von Politikern und in der Bevölkerung gerne verklärt wurde, ist von der aktuellen Wirtschaftskrise besonders stark betroffen.

Vor allem Andalusien wurde gerne gefeiert, mit seinen Stierkämpfen und dem Flamenco, die als einzigartig spanisch gelten. In Ecija, einer Stadt mit 40.000 Einwohnern im südlichen Andalusien, kann die wachsende Verzweiflung an den steigenden Scheidungszahlen und der Abwanderung der Jugendlichen gemessen werden.

Der Stolz auf das vier Jahrzehnte anhaltende Wachstum ist mittlerweile der Bitterkeit über den Zusammenbruch der Wirtschaft gewichen. Der Bauboom und die Immobilien- Spekulationen, die dieses Wachstum angetrieben haben, ließen nach dem Platzen der Blase das spanische Landesinnere in Trümmern zurück.

“Das spanische Wachstums-Wunder war nichts als Science Fiction”, sagt Javier Madero Garfias, ein Architekt, der seit 1973 Hunderte von Wohnungen in Ecija entworfen hat. “Ich glaube nicht, dass es jemals wieder so wird wie es war. Es ist das erste Mal, dass es den Kindern in Spanien schlechter geht als ihren Eltern.”

Rezession und Massenarbeitslosigkeit

Spanien durchläuft gerade die zweite Rezession seit 2009, und Prognosen zufolge wird die Wirtschaft 2013 um weitere 1,3 Prozent schrumpfen. Die Industrieproduktion ist bereits zwölf Monate in Folge gesunken. Am 27. September kündigte die Regierung das fünfte Sparpaket in neun Monaten an, das Steuererhöhungen und Haushaltskürzungen im Volumen von 13 Mrd. Euro umfasst. Zuvor bereits hatte die Regierung Arbeitslosengeld und Beamtenbezüge gekürzt und gleichzeitig die Mehrwertsteuer angehoben.

In Ecija schnellte die Arbeitslosenquote auf 30 Prozent hoch, nachdem Fabriken für Matratzen und Möbel die Tore schlossen, sagt Juan Wic Moral, der von 2003 bis 2011 Bürgermeister der Stadt war. “Noch vor vier Jahren wollten wir für 3 Mio. Euro ein öffentliches Schwimmbad, ein neues Rathaus und drei Brücken bauen”, sagt er. “Jetzt geht es nur noch um eine neue Suppenküche.”

Die Geschichte der Stadt mit ihren weiß getünchten Häusern und eng verwinkelten Sträßchen lässt sich bis ins antike Rom und die Zeit davor zurückverfolgen. Auch die Kultur der Stadt ist bereits Hunderte von Jahren alt. Vor 600 Jahren wurde mit der Pferdezucht in der Region begonnen, elf Barock-Kirchen dominieren die Skyline.

In Ecija, der “Bratpfanne Andalusiens”, werden im Sommer häufig die heißesten Temperaturen Spaniens gemessen. Wenn das Quecksilber im August 44 Grad Celsius steigt, bleiben die Straßen tagsüber meist leer. Wer kann, flieht ans Meer oder zieht sich in eine klimatisierte Wohnung zurück.

Hilfe für die Armen

In der Iglesia de Santa Maria aus dem 18. Jahrhundert, deren Renovierung Architekt Madero beaufsichtigte, leitet Pfarrer Antonio Jesus Rodriguez Baez die katholischen Kirchen der Stadt. Die Nachfrage nach Unterstützung der Gotteshäuser wächst stetig, sagt er. Familien erhalten auf unterschiedliche Weise Hilfe: Essen, Bekleidung und Unterstützung bei der Bezahlung von Rechnungen.

Als der Boom endete, blieb Ecija nichts, auf das die Stadt hätte zurückgreifen können. Während in Spanien 2006 noch 60.000 Häuser pro Monat gebaut wurden, sind es in diesem Jahr weniger als 5000. Im Jahr 2004 hat die Firma von Madero Gebäude mit 500 bis 600 Appartements entworfen, in diesem Jahr dürften es weniger als 25 Einheiten sein, erwartet er. In der Blütezeit hatte die Firma insgesamt 15 Mitarbeiter - jetzt bleiben noch drei. Madero, seine Tochter und der Schwiegersohn. Er musste seinen eigenen Bruder feuern.

“Ich hätte nie gedacht, dass der Bauboom so abrupt aufhören würde”, sagt Madero. “Eines Tages hat das Telefon einfach aufgehört, zu läuten.”

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