Reportage: Bei deutschen Landesbanken brennt's

Reportage: Bei deutschen Landesbanken brennt's

Manche Beobachter fühlen sich angesichts der bedrohlichen Nachrichten aus dem Norden Deutschlands bereits an die Finanzkrise 2008 erinnert, als eine Landesbank nach der anderen beim Staat um Hilfe betteln musste.

Als Paul Lerbinger am Mittag des 20. September einen kleinen Sitzungssaal im Kieler Landtag betritt, ist die Welt für die Parlamentarier im hohen Norden noch in Ordnung. Der Chef der HSH Nordbank rattert zunächst ruhig und emotionslos eine Powerpoint-Präsentation mit den Zahlen der Landesbank herunter, doch seine abschließenden Worte haben es dann in sich: Das Institut benötige möglicherweise neue staatliche Garantien von seinen Mehrheitseignern Hamburg und Schleswig-Hoststein, warnte Lerbinger. Zudem sei das Risiko gestiegen, dass die Länder am Ende tatsächlich Milliarden in das Geldhaus pumpen müssten.

Die Abgeordneten sind schockiert. Viele fürchten, dass die EU-Aufseher das Institut dichtmachen, falls es erneut Staatshilfe benötigt, erzählt SPD-Finanzexperte Thomas Rother, der den Finanzausschuss für Unternehmensbeteiligungen in Kiel leitet. "Das drohende Szenario einer Abwicklung der Bank ist ein Alptraum." Wenige Wochen später feuert die HSH ihren Vorstandschef und räumt offiziell ein, dass sie wegen drohender Kreditausfälle in der Schifffahrt ab 2019 bis zu 1,3 Milliarden Euro von ihren Eigentümern braucht.

Nicht nur in Kiel geht seitdem die Angst um, dass Landesbanken wieder in Bedrängnis geraten, wenn es mit der Wirtschaft bergab geht und die Lage in der Bankenbranche angespannt bleibt. "Ein Aufflammen der Krise und die erneute Schieflage von Landesbanken ist durchaus möglich", sagt Banken-Analystin Katharina Barten von der Ratingagentur Moody's. "Die deutschen Unternehmen sind sehr robust, das Bankensystem vergleichsweise schwach."

Manche Beobachter fühlen sich angesichts der bedrohlichen Nachrichten aus dem Norden bereits an die Finanzkrise 2008 erinnert, als eine Landesbank nach der anderen beim Staat um Hilfe betteln musste. Die WestLB tat dies nicht zum ersten mal und wurde Mitte 2012 auf Druck der EU-Kommission zerschlagen. Die SachsenLB, die als erste milliardenschwere Hilfen benötigte, wurde an die Landesbank Baden-Württemberg notverkauft. Die LBBW selbst, die Münchner BayernLB und die HSH Nordbank überlebten nur dank staatlicher Finanzspritzen. Insgesamt erhielten die Landesbanken nach Daten der EU-Kommission 70 Milliarden Euro an Staatshilfen.

Langweilig und Altbacken

Seitdem sind die Institute auf Schrumpfkurs, stoßen Tochtergesellschaften ab und fahren Risiken zurück. "Wie keine andere Bankengruppe arbeiten die Landesbanken entschlossen und erfolgreich an der Umsetzung der Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise", sagt Georg Fahrenschon, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Von Ende 2008 bis Juni 2012 hätten die Landesbanken die Risiken in ihrer Bilanz um über ein Drittel abgebaut - um satte 276 Milliarden Euro.

Zudem geloben die Institute, sich künftig ganz auf das Geschäft mit Sparkassen, Privatkunden und Unternehmen in ihrer Region zu konzentrieren. Vorstandschefs von Landesbanken, die einst am Kapitalmarkt das große Rad drehen wollten, bezeichnen ihr Geschäftsmodell heute als "altbacken" und "langweilig" - und wollen das als Kompliment verstanden wissen. "Bescheidenheit ist unser Markenzeichen geworden", sagte BayernLB-Chef Gerd Häusler kürzlich beim 40-jährigen Jubiläum des Instituts, das die Bank ganz schlicht in einer Kundenhalle der Tochter DKB feierte. "Wir wissen, dass es unsere Bank ohne die Unterstützung des Freistaats Bayern im Jahr 2008 nicht mehr geben würde."

Die neue Bescheidenheit kommt in der Öffentlichkeit und in der Politik gut an, über den Berg sind die Landesbanken mit dieser Strategie aber noch lange nicht. "Wenn es mit der Konjunktur bergab geht und die Europäische Zentralbank irgendwann die Liquidität wieder abzieht, wird sich zeigen, wer ein tragfähiges Geschäftsmodell hat", sagt Oxford-Ökonom Clemens Fuest voraus. "Dann folgt der Lackmustest für schwächelnde Institute." In London mutmaßen angelsächsische Investoren, dass bei den Landesbanken dann einige "tickende Zeitbomben" zum Vorschein kämen, die der Musterschüler Deutschland bisher unter den Teppich gekehrt habe. Auch hierzulande will man noch keine Entwarnung geben. "Einige Landesbanken machen im Ausland immer noch zielmlich riskante Geschäfte", sagt der Vorstand einer großen deutschen Bank. "Verschwunden sind die nicht."

Droht ein neuer Flächenbrand unter den Landesbanken? Wo liegen die Probleme, aber auch die Chancen für die Institute? Und wie viele Häuser werden am Ende übrig bleiben? Diese Fragen hat Reuters in den vergangenen Wochen mit zahlreichen Personen diskutiert, die es wissen müssen: mit Politikern, Aufsehern, Sparkassen-Managern, Rating-Analysten sowie mehreren aktuellen und ehemaligen Landesbankenchefs. Herausgekommen ist ein differenziertes Bild über die Institute, die sich zwar stark unterschieden, aber doch mit ähnlichen strukturellen Problemen zu kämpfen haben. Gut vier Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers sind viele Landesbanken immer noch nicht in sicherem Fahrwasser, aber sie werden anders als 2008 wohl nicht mehr das gesamte Finanzsystem ins Wanken bringen.

Viel Mist gekauft

Wer die aktuelle Lage der Landesbanken verstehen will, muss zunächst in die Vergangenheit blicken. Viele Jahrzehnte ging es den Banken der Bundesländer und der Sparkassen vergleichweise gut. Da die Länder die Haftung für die Geschäfte ihrer Institute übernahmen, konnten die Geldhäuser zu extrem günstigen Konditionen Geld aufnehmen. Die Landesbanken verliehen dieses Geld mit einem kleinen Aufschlag an Kommunen und Unternehmen weiter und unterstützten mit den Krediten nebenbei die industriepolitischen Ziele der jeweiligen Landesregierung. Der langjährige WestLB-Chef Friedel Neuber wurde so zu einem der einflussreichsten Bankmanager der Bundesrepublik.

Die große Wende kam am 17. Juli 2001, als die EU-Kommission die aus ihrer Sicht wettbewerbsverzerrenden Staatsgarantien für die Landesbanken verbot - allerdings erst nach einer vierjährigen Übergangsphase. Diesen Zeitraum nutzten viele Institute, um sich noch einmal nach Herzenslust mit Liquidität vollzusaugen. Das Kapital legten sie zu großen Teilen in riskanten Papieren an oder suchten im Ausland nach neuen, lukrativen Geschäftfeldern.

Die Expansion endete für die meisten Institute im Fiasko. Egal ob am US-Immobilienmarkt oder in schwächelnden osteuropäischen Ländern - wo immer eine neue Krise hochkochte, die Landesbanken waren schon da. "Dass den Instituten das Image von Versagern anheftet, haben sie sich zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben", sagt ein hochrangiger Landesbanker. "Sie haben in der Vergangenheit viel Mist gekauft, von dem sie nichts verstanden. Das Risikomanagement war grottenschlecht."

Seit der Finanzkrise 2008, in der mehrere Landesbanken vom Staat gerettet wurden, entfernen die Institute die giftigen Papiere nun wieder aus ihrer Bilanz - doch Schrott einzukaufen ist einfacher als Schrott loszuwerden. "Die meisten Institute haben sich gegen einen harten Schnitt entschieden und bauen die Portfolien jetzt peu à peu innerhalb der Bank ab, was ein sehr mühsamer, unbequemer Weg ist", erklärt Moody's-Analystin Barten. "Die Hoffnung, dass sich die Krise schnell auflöst und die Papiere beziehungsweise Kredite leichter zu verkaufen sind, hat sich bislang nicht erfüllt."

Wie die Lemminge

Die Suche nach einem neuen Geschäftsmodell, das weniger riskant ist, aber trotzdem solide Gewinne abwirft, gestaltet sich ebenfalls schwierig. Nahezu alle Landesbanken reißen sich nun etwa darum, Kredite an deutsche Mittelständler zu vergeben. Hans-Dieter Brenner, Chef der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), erinnert das an den Herdentrieb von Lemmingen: "Selbst in Deutschland - dem Mutterland des Mittelstands - gibt es nicht so viel Mittelstandsgeschäft, um alle Kreditinstitute geschäftlich zu alimentieren, die sich jetzt in ihren Geschäftsmodellen auf das regionale Mittelstandgeschäft konzentrieren."

Auch Spitzenmanager und Kontrolleure wissen, dass alleine die Fokussierung auf den Mittelstand nicht des Rätsels Lösung ist. "Wenn eine Bank derzeit von einer Offensive im Mittelstandsgeschäft redet, ist das für mich ein Synonym dafür, dass sie sich über ihr Geschäftsmodell noch nicht so viele Gedanken gemacht hat", spottet ein Bankenaufseher. Jahrelang hätten sich viele Landesbanken nicht besonders für kleine und mittelgroße Firmen interessiert, räumt ein ehemaliger Landesbanken-Vorstand ein. "Das rächt sich nun. Wenn Banken jetzt beginnen, ein Mittelstandsgeschäft aus dem Boden zu stampfen, dauert es etwa fünf Jahre, ehe sich das nennenswert in der Bilanz bemerkbar macht."

In anderen klassischen Geschäftsfeldern von Landesbanken sind die Aussichten ebenfalls mau. Das Service-Geschäft für die Sparkassen werfe kaum Gewinn ab, klagt ein hochrangiger Landesbanker. Auch im Firmen- und Privatkundengeschäft sowie bei der Finanzierung von Immobilien und Flugzeugen seien in den nächsten Jahren keine großen Sprünge zu erwarten.

Einlagen entscheiden den Krieg

Aus Sicht von Experten und Top-Managern wird es deshalb künftig vor allem darauf ankommen, wo und zu welchem Preis Landesbanken Geld für ihre Geschäfte aufnehmen können. "Die Refinanzierung wird die entscheidende Rolle für die Zukunft der Landesbanken spielen und maßgeblich über ihre Ergebnisse entscheiden", sagt ein hochrangiger Landesbanker. Einer seiner Kollegen drückt es etwas martialischer aus. "Langfristig wird der Krieg auf der Passiv-Seite entschieden."

Die Landesbanken selbst haben - mit kleinen und größeren Ausnahmen - keine Kundeneinlagen und sind darauf angewiesen, dass die Sparkassen ihnen die Gelder der Sparer weiterreichen. Die Einlagen sind als Sicherheit auch wichtig, damit Landesbanken die restlichen Mittel am Kapitalmarkt zu guten Konditionen aufnehmen können.

Viele Landesbanker halten die Trennung von Wholesale-Banken (Landesbanken) und Retail-Banken (Sparkassen) für einen der Hauptgründe, warum die öffentlich-rechtlichen Institute oft schlechter abschneiden als die private Konkurrenz. Privatbanken könnten Synergien zwischen Retail- und Wholesale-Abteilungen herstellen, Landesbanken und Sparkassen nicht, betont ein öffentlich-rechtlicher Banker. "Das führt zu Kostenblöcken, die den Unterschied ausmachen." Die Landesbanken müssten deshalb damit leben, dass sie auch in guten Zeiten weniger profitabel seien als Privatbanken. "Die Eigenkapitalrendite liegt grob geschätzt ein bis zwei Prozentpunkte tiefer."

Das "V-Wort"

Viele Landesbanker und Experten wie Finanz-Professor Jan Pieter Krahnen von der Goethe Universität in Frankfurt plädieren deshalb seit Jahren für eine Verschmelzung von Sparkassen und Landesbanken, eine sogenannte vertikale Integration. Offen aus spricht das "V-Wort" bei den Landesbanken jedoch niemand, schließlich wollen sie die Sparkassen - ihre Miteigentümer und wichtigsten Geldgeber - nicht vor dem Kopf stoßen. Außerdem haben sich die meisten Landebank-Vorstände inzwischen damit abgefunden, dass die Chancen auf eine Verschmelzung mit den Sparkassen in der Realität nahe null liegen.

"Das Thema vertikaler Zusammenschlüsse von Landesbanken und Sparkassen ist eine Diskussion von gestern", findet Sparkassen-Präsident Fahrenschon. Die Finanzmarktkrise habe gezeigt, wie wichtig und stabilisierend die dezentrale Struktur der deutschen Kreditwirtschaft sei. "Die Entscheidungen müssen vor Ort in der Sparkasse und nicht in einer fernen Zentrale getroffen werden." Durch die Trennung von Sparkassen und Landesbanken würden die öffentlich-rechtlichen Institute bereits eine Art Trennbankensystem praktizieren und damit sicherstellen, dass Sparer nicht für riskante Zockergeschäfte in Haftung genommen werden, sagt ein anderer einflussreicher Sparkassen-Funktionär. "Die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen wären heute pleite, wenn man sie - wie vor einigen Jahren diskutiert - mit der WestLB verschmolzen hätte."

Zudem weisen die Sparkassen darauf hin, dass ihre überschüssigen Einlagen - bundesweit beläuft sich der sogenannte Passiv-Übergang nach DSGV-Angaben auf 100 Milliarden Euro - nicht ausreiche, um alle Landesbanken zu finanzieren. Auch die Politik stehe einer Verschmelzung kritisch gegenüber, sagt ein Insider in Berlin. "Eine desaströse Wholesale-Bank dadurch zu stabilisieren, in dem man sie mit Retail-Banken zusammenschließt, ist keine gute Idee."

Unstrittig ist jedoch, dass es für Institute ohne nennenswerte Kundeneinlagen seit der Finanzkrise deutlich schwieriger geworden ist, sich am Markt zu behaupten. "Die geringere Diversifizierung und größere Abhängigkeit von Refinanzierung am Markt macht Landesbanken grundsätzlich krisenanfälliger als Banken mit einem Mix aus Privat- und Firmenkundengeschäft", betont Analyst Stefan Best von Standard & Poors. Auch das starke Engagement der Institute in schwankungsanfälligen Branchen wie der Schifffahrt oder dem Immobiliensektor mache die Institute im Abschwung verwundbar.

WestLB 2.0

Nach Einschätzung von Best haben nur die Hälfte der sechs größeren deutschen Landesbanken eine erkennbare Perspektive. Die LBBW profitiert von ihrer soliden Kundenbasis im Firmen- und Privatkundengeschäft im wohlhabenden Baden-Württemberg. Die Helaba ist tief im Sparkassensektor verankert und fährt dank ihres konservativen Geschäftsgebarens solide Gewinne ein. Und die LBB besteht im Wesentlichen aus der stabilen Berliner Sparkasse. "Für alle anderen Landesbanken bleibt die Zukunft unklar, und sie sind damit noch stärker von der impliziten Unterstützung der Länder abhängig", sagt Best. "Und es gibt durchaus Zweifel, ob die öffentliche Hand mittelfristig weiter bereit ist, alle Gläubiger der Banken bedingungslos zu unterstützen, falls es erneut zu Schieflagen kommt."

Die EU könnte sich ebenfalls querlegen, falls eine Landesbank erneut auf Geld vom Steuerzahler angewiesen ist. "Sollten LBBW, BayernLB oder HSH erneut Staatshilfen benötigen, könnte die EU-Kommission noch schärfere Auflagen machen oder wie bei der WestLB auf eine Abwicklung der Institute drängen", ist S&P-Experte Best überzeugt. "Es wäre nämlich schwer, die EU von der Tragfähigkeit eines Geschäftsmodells zu überzeugen, wenn Banken innerhalb von wenigen Jahren ein zweites Mal Hilfe benötigten."

Auch die Aufsichtsbehörden haben die Landebanken genau im Blick. "Die größte Gefahr für das Finanzsystem geht nicht von ganz großen oder ganz kleinen Banken aus, sondern tendenziell von mittelgroßen Banken", sagte kürzlich Elke König, die Präsidentin der Finanzaufsicht BaFin, ohne Institute beim Namen zu nennen. "Skeptisch und kritisch bin ich zudem bei Banken, denen ein Geschäftsmodell fehlt oder die ganz plötzlich ihr Geschäftsmodell über den Haufen werfen."

Giftpfeile aus Brüssel

In Brüssel sind die Landesbanken nach den zähen Verhandlungen über die Zerschlagung der WestLB für viele Politiker und Beamte ein rotes Tuch. "Die Verfahren wurden immer länger, der Hass auf beiden Seiten war groß", erinnert sich ein beteiligter Anwalt. Auch bei den Landesbanken denken viele mit Grauen an stundenlange Diskussionen in fensterlosen Zimmern der EU-Kommission in Brüssel zurück. "Verhandlungen mit der EU sind nicht vergnügungssteuerpflichtig", scherzt ein Manager, der viele Monate lang in Brüssel verhandelte.

Ein Streitpunkt zwischen Landesbanken und EU-Aufsehern waren jahrelang deutsche Besonderheiten wie Stille Einlagen - stimmrechtsloses Kapital, auf das meist feste Zinsen bezahlt werden. Inzwischen haben die Landesbanken und ihre Eigentümer kapituliert und die meisten Stillen Einlagen in hartes Kernkapital umgewandelt, das die Aufseher in Brüssel und London als Puffer für schlechte Zeiten anerkennen. Dennoch wurde in Brüssel zuletzt wiederholt das Gerücht gestreut, die Bundesregierung bremse bei der Einführung einer zentralen europäischen Bankenaufsicht durch die EZB, um eine härtere Kontrolle ihrer Landesbanken zu verhindern.

Aus Sicht von Politikern und Aufsehern in Deutschland ist dieser Vorwurf abstrus. Sie weisen darauf hin, dass Deutschland mit der WestLB bereits eine große Landesbank in Eigenregie abgewickelt hat - und betonen, dass anderen Instituten ohne tragfähiges Geschäftsmodell das gleiche Schicksal drohe. Dank des in der Finanzkrise 2008 gegründeten Bankenrettungsfonds SoFFin sei heute eine Abwicklung von Instituten möglich, ohne das gesamte Finanzsystem ins Wanken zu bringen. Der SoFFin kann Banken bis Ende 2014 mit Garantien oder Kapitalhilfen stützen. Zudem können Institute und dem Dach des SoFFin toxische Papiere in einer Bad Bank auslagern.

Nord-Mitte-Süd-Süd

Dass die Finanzexperten der Bundesregierung derzeit andere Themen mehr umtreiben als die Landesbanken, hat eine Reihe von Gründen. Das Aus einer Landesbank wäre aus Berliner Sicht kein großer Rückschlag für die deutsche Volkswirtschaft. Zwar stammt etwa jeder fünfte Unternehmenskredit in Deutschland von den Landesbanken, die Kreditversorgung werde jedoch nicht zusammenbrechen, wenn ein oder zwei Landesbanken dichtmachten.

Zudem ist der Einfluss der Bundesregierung auf die Landesbanken vergleichsweise gering, da die Geldhäuser mehrheitlich den Bundesländern oder den Sparkassen gehören. Forderungen, den Sektor zu bereinigen, sind aus der Bundesregierung deshalb seit einiger Zeit kaum noch zu vernehmen. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will das jedoch ändern, falls er die Bundestagswahl im kommenden Jahr gewinnt. Die Regierung müsse den Konsolidierungsprozess zusammen mit den Bundesländern und den Sparkassen vorantreiben, fordert Steinbrück in seinem Konzept zur Neuordnung des Finanzsektors. "Ziel sollte ein öffentlich-rechtlicher Bankensektor sein mit zwei oder drei Landesbanken als Spitzeninstituten mit dauerhaft tragfähigem Geschäftsmodell."

Auch Helaba-Chef Brenner und viele andere Branchenvertreter gehen davon aus, dass nicht alle Landesbanken die nächsten Jahre überleben werden. Die meisten Insider rechnen jedoch damit, dass mittelfristig drei bis vier große Landesbanken übrig bleiben werden: die NordLB im Norden, die Helaba in der Mitte sowie die LBBW und gegebenenfalls die BayernLB im Süden. "Ob es am Ende die Aufteilung 'Nord-Mitte-Süd' oder 'Nord-Mitte-Süd-Süd' geben wird, werden die Eigentümer und der Markt entscheiden", sagt ein hochrangiger Branchenvertreter. "Aus meiner Sicht sind im Süden beide Lösungen denkbar, zumal Bayern und Baden-Württemberg zwei sehr große Wirtschaftsräume sind."

"Es Reicht!

Im hohen Norden, wo die wirtschaftliche Lage nicht erst seit der Schifffahrtskrise schwieriger ist, besteht aus Sicht von Experten dagegen akuter Handlungsbedarf. Die HSH hat Kredite über 29 Milliarden Euro an die Schifffahrt vergeben, die wegen Überkapazitäten und gestiegener Treibstoffkosten in einer tiefen Krise steckt. Besserung ist Experten zufolge nicht in Sicht. Die Kreditqualität sei bei der HSH so schlecht wie bei kaum einer anderen deutschen Bank, erklärt die Ratingagentur Moody's in ihrer jüngsten Studie. Das Volumen der ausgegebenen HSH-Kredite, deren Rückzahlung ungewiss ist, sei zuletzt auf atemberaubende 14,3 Milliarden Euro gestiegen.

"Die HSH ist aus unserer Sicht das schwächste Institut unter den Landesbanken", betont Moody's-Analystin Barten. "Die Bank ist weiterhin auf Unterstützung durch ihre Eigentümer angewiesen." Für Politiker in Hamburg und Schleswig-Holstein, die gemeinsam rund 85 Prozent an der HSH halten, muss sich das anhören wie eine Drohung. Denn sie wissen, dass eine weitere milliardenschwere Finanzspritze für das kriselnde Geldhaus in der Öffentlichkeit kaum zu vermitteln wäre.

Kurz nach Warnung der HSH, in einigen Jahren erneut Staatshilfen zu benötigen, haben Unbekannte die Zentrale der Bank in Hamburg erklommen. Über dem Eingang des Gebäudes spannten sie ein rotes Plakat auf, auf das sie mit weißer Farbe eine klare Botschaft gepinselt hatten: "Es reicht!"

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