"Reiche Staaten ziehen Schwellenländer in den Abgrund"

"Reiche Staaten ziehen Schwellenländer in den Abgrund"

Mantega forderte daher in einem Namensbericht im "Handelsblatt" vom Dienstag, "dass die entwickelten Länder Anreize zur Konjunkturbelebung geben, antizyklische Fiskalpolitik betreiben und an der Überwindung der politischen Schwierigkeiten arbeiten, die derzeit ein schnelles Ende der Krise verhindern".

Auf der anderen Seite müssten die wichtigsten Schwellenländer enger zusammenarbeiten, um die globalen Ungleichgewichte zu mindern. Mantega beklagte auch Benachteiligungen für Schwellenländer im Machtgefüge internationaler Institutionen, wie des IWF.

Mantega argumentierte, es seien insbesondere die sogenannten BRICS-Länder - Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika - gewesen, die sich in den letzten Jahren als Wachstumsträger der Weltwirtschaft erwiesen und diese vor einem stärkeren Abrutschen bewahrt hätten. "Alles deutet darauf hin, dass die BRICS ihre Position unter den zehn größten Volkswirtschaften weltweit in den kommenden Jahren weiter stärken werden", schrieb er. So sei ihr Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung von etwa zehn Prozent zu Beginn des vergangenen Jahrzehnts auf derzeit rund 20 Prozent gestiegen.

Ansteckungsgefahr

Inzwischen beginne sich erstmals seit langem die wirtschaftliche Stagnation der entwickelten Volkswirtschaften auf die Dynamik der Schwellenländer auszuwirken. So werde es in Brasilien, China, Indien und anderen Ländern 2012 zu einer Verlangsamung des Wachstums kommen. "Die Auswirkungen der Krise der reichen Länder werden durch finanzielle Kanäle und den Handel zunehmend auf die aufstrebenden Volkswirtschaften übertragen", beklagte der brasilianische Minister. Für viele verschlechterten sich die Bedingungen zur Finanzierung ihrer Leistungsbilanzen, Währungen gerieten unter Druck, stellenweise komme es zur Kapitalflucht und zu weiteren Beeinträchtigungen. "Die BRICS können jedoch nicht für längere Zeit allein verantwortlich dafür sein, die Expansion in der Weltwirtschaft anzuführen", unterstrich er. Daher müssten die Industrieländer ihre Krise beheben und stärker in die Verantwortung gehen.

Neben einer stärkeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit sollten die BRICS-Staaten nach Mantegas Worten vor allem ihre Kooperation im Finanzbereich, die noch sehr am Anfang stehe, intensivieren. Ein Schritt auf diesem Wege stelle die Gründung einer Süd-Süd-Entwicklungsbank und die Schaffung eines gemeinsamen Devisenfonds dar.

Bei der Herbsttagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Oktober in Tokio wird erwartet, dass es zu heftigen Diskussionen zwischen Industrie- und Schwellenländern über die Bekämpfung der Krise in der Euro-Zone und darüber hinaus kommt.

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