Razzia bei Skandal-Bank Monte dei Paschi

Razzia bei Skandal-Bank Monte dei Paschi

Die älteste Bank der Welt kommt nicht aus den Negativschlagzeilen: Im Bilanz-Skandal um das italienische Geldhaus Monte dei Paschi kam es am Montag in mehreren Städten zu Durchsuchungen. Auch bei anderen italienischen Banken tun sich indes immer neue Finanzierungslücken auf.

Ein Betrügernetzwerk unter Beteiligung früherer Mitarbeiter soll die angeschlagene italienische Bank Monte dei Paschi di Siena (BMPS) um 47 Millionen Euro geschädigt haben. Italienischen Medienberichten zufolge durchsuchte die Finanzpolizei am Montag Gebäude in mehreren Regionen des Landes.

Die Ermittlungen richteten sich gegen elf Verdächtige, darunter frühere Mitarbeiter der Bank und mehrere Wertpapierhändler, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Mithilfe der Durchsuchungen wollen die Ermittler den Berichten zufolge Geldströme auf anonyme Treuhandkonten in Steuerparadiesen rekonstruieren. Die Verdächtigen würden "Fünf-Prozent-Gruppe" genannt - nach dem Anteil, den sie von ihren Kunden für ihre Dienste verlangt hätten. Unter denjenigen, gegen die ermittelt werde, seien ein früherer hochrangiger Mitarbeiter der Finanzsparte der BMPS und der einstige Leiter der Londoner Filiale der Bank.

Riskante Derviatgeschäfte

Die Ermittlungen kreisen um das ehemalige Management der Bank. Monte dei Paschi di Siena hat anscheinend Verluste in Millionenhöhe verschleiert, bevor sie milliardenschwere Staatshilfen in Anspruch nahm. Im Zentrum der Probleme stehen komplexe Derivategeschäfte, die zu einem Verlust von 730 Mio. Euro führten.

Monte Paschi ist unter Druck geraten, weil ein Großaktionär kürzlich eine Aufstockung des Kapitals um 3 Mrd. Euro abgelehnt und auf frühestens Mitte Mai verschoben hat. Die 1472 gegründete BMPS gilt als ältestes Geldinstitut der Welt und hat seit Jahren mit Skandalen zu kämpfen. Unter anderem soll die frühere Führungsspitze für den Kauf der Bank AntonVeneta vom spanischen Geldhaus Santander einen deutlich überhöhten Preis gezahlt haben. Um dies auszugleichen, soll das einstige BMPS-Management in hochspekulative Papiere investiert haben, was aber zu hohen Verlusten für die Bank führte. Der italienische Staat stützte die BMPS mit 4,1 Milliarden Euro.

Italiens Banken entdecken riesige Kapitallücken

Wie auch andere italienische Geldhäuser dürfte die skandalerschütterte Traditionsbank demnächst versuchen, frisches Kapital am Markt einzusammeln. Zuletzt wurde bekannt, dass Italiens Banken unter der Last fauler Kredite viel tiefer in Schwierigkeiten geraten sein könnten als bisher angenommen. Unter Hochdruck bringen die Institute derzeit ihre Bilanzen in Form, um heil durch den anstehenden Gesundheitscheck der europäischen Aufsichtsbehörden zu kommen.

Bei dieser Fitness-Kur könnten sich Experten zufolge Kapitallücken von insgesamt bis zu 20 Mrd. Euro auftun - fast drei Mal so viel wie zunächst erwartet. Denn bei den Aufräumarbeiten vor der Überprüfung durch die EZB kommt die ganze Misere der Problemkredite ans Licht, die die Institute aus Rücksicht auf ihre Ergebnisse bisher nicht richtig angegangen sind. Schließlich reißen Abschreibungen immer wieder tiefe Löcher in die Bilanz.

Aufräumarbeiten vor EZB-Stresstest bringen Altlasten zutage

Doch die Institute haben inzwischen mit einer solchen Flut von Pleiten ihrer Kreditnehmer zu kämpfen, dass sie unter dem Druck des branchenweiten Stresstests um die Wahrheit nicht mehr herumkommen. Die Wirtschaftskrise hat in Italien allein Tausende Mittelständler in den Ruin getrieben, die ihre Darlehen nun nicht mehr bedienen können. Das Volumen der Kredite, deren Rückzahlung besonders ungewiss ist, stieg bis Dezember auf den Rekordwert von 156 Milliarden Euro. Das ist im Vergleich zu 2010 eine Verdoppelung. Obwohl die italienische Wirtschaft langsam wieder auf die Füße kommt, rechnet das Forschungsinstitut Prometeia damit, dass die faulen Kredite bis 2016 noch zunehmen werden. Bisher haben fünf von 15 italienischen Geldhäusern auf der Prüfliste der EZB angekündigt, ihre Polster mit insgesamt sieben Milliarden Euro aufzufüllen. Die Nachzügler müssen nun Tempo machen, wollen sie Kapitalzusagen noch vor den im Oktober erwarteten Ergebnissen des Bilanz-TÜVs in trockenen Tüchern haben. Andernfalls dürften sie sich in einer Reihe mit mehreren Interessenten sehen, die um die Gunst der Investoren buhlen müssen. Und dies könnte ein harter Kampf werden.

Vor allem Genossenschaftsbanken steht nach Einschätzung des auf faule Kredite spezialisierten Finanzkonzerns Primus Partners das Wasser bis zum Hals. Entweder sie könnten ihre explosiven Portfolios noch verkaufen oder eine andere Lösung in Form einer gemeinsamen Bad Bank finden, sagt Vincenzo Macaione, Chef des Unternehmens. "Sonst können sie sich nicht retten."

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