Proteste in der Türkei – Demonstranten solidarisieren sich mit Kurden

Proteste in der Türkei – Demonstranten solidarisieren sich mit Kurden

Regierungsgegner solidarisierten sich am Wochenende spontan mit der kurdischen Bevölkerungsminderheit, nachdem Sicherheitskräfte am Freitag einen Kurden auf einer Demonstration in der südöstlichen Provinz Diyarbakir erschossen hatten.

So wandelte sich ein Aufmarsch der Erdogan-Gegner in Istanbul am Samstag zu einem Protest gegen den Umgang des Staats mit den Kurden. Die Kurdenpartei BDP kündigte für Sonntag weitere Kundgebungen im ganzen Land an, mit denen sie "einen Sommer der Proteste" einläuten wollte. Es wurden Unruhen befürchtet.

"Mordende Polizei, raus aus Kurdistan", riefen einige der Demonstranten in Istanbul. Viele saßen auf den Straßen, die zum Taksim-Platz führten, wo es vor einigen Wochen zu den ersten größeren Anti-Erdogan-Protesten kam. Die Polizei hinderte sie diesmal daran, auf den Platz zu gelangen. Bei der Beerdigung des Mannes am Samstag hatten zuvor Hunderte Parolen gegen die Regierung skandiert. Der Kurde war erschossen worden, als er mit etwa 200 anderen Demonstranten gegen den Bau einer Polizeistation protestiert hatte. Es waren die gewaltsamsten Auseinandersetzungen, seit der inhaftierte Chef der verbotenen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, im März einseitig einen Waffenstillstand verkündet hatte.

Schon wenige Stunden vor dem Tod des Demonstranten hatte die pro-kurdische Partei für Frieden und Demokratie (BDP) für Sonntag Demonstrationen in mehreren türkischen Städten angekündigt, um Reformen für die Minderheit einzufordern. Die Organisatoren betonten, die Kundgebungen würden friedlich bleiben.

Wegen der jüngsten Proteste gegen die konservative Regierung Erdogans in mehreren türkischen Großstädten geriet der Konflikt, in dem 40.000 Menschen getötet wurden, in den Hintergrund. Die PKK, die auch von der EU als Terrorgruppe eingestuft wird, hatte ihren bewaffneten Kampf 1984 begonnen. Zunächst verlangte sie einen Kurdenstaat, inzwischen geht es ihr um Autonomie. Etwa 20 Prozent der türkischen Bevölkerung sind Kurden.

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