"Nicht aus Lust. Aus Pflichtgefühl. Nur weil es um Frankreich geht"

"Nicht aus Lust. Aus Pflichtgefühl. Nur weil es um Frankreich geht"

Die französische Wochenzeitschrift "Valeurs actuelles" zitierte den 58-Jährigen Nicolas Sarkozy am Mittwoch mit den Worten: "Es wird unglücklicherweise der Moment kommen, wo die Frage nicht mehr sein wird 'Haben Sie Lust?', sondern Haben Sie eine Wahl?'"

In einer Reportage mit dem Titel "In Nicolas Sarkozys Kopf" lässt sich der konservative Ex-Staatschef mit den Worten zitieren, er habe eigentlich "keine Lust" auf ein politisches Comeback. Die Welt der Politik langweile ihn "tödlich". Zudem müsste er Frankreich dann in dem Zustand übernehmen, in dem es die regierenden Sozialisten hinterlassen.

Frankreich auf dem Weg in den Ruin

Von der Zukunft Frankreichs zeichnet Sarkozy in dem konservativen Magazin, das am Donnerstag in die Kioske kommt, ein düsteres Bild. Es stünden "schlimme Ereignisse" bevor: weitere wirtschaftliche Probleme, eine "soziale Krise", gefolgt von einer "Finanzkrise von seltener Wucht" und schließlich "politischer Unruhe". Frankreich werde dann von Links- und Rechtsextremisten "in die Zange" genommen, weder die gemäßigte Linke noch die Rechte könnten Lösungen anbieten.

"In diesem Fall werde ich mir nicht mehr sagen können: 'Ich bin glücklich, ich bringe meine Tochter zur Schule und halte überall auf der Welt Vorträge'", sagte Sarkozy laut "Valeurs actuelles". "In diesem Fall wäre ich gezwungen, anzutreten. Nicht aus Lust. Aus Pflichtgefühl. Nur weil es um Frankreich geht."

Seinem sozialistischen Nachfolger Francois Hollande wirft Sarkozy auch vor, dem deutsch-französischen Verhältnis massiv geschadet zu haben: "Nichts ist mehr möglich zwischen Frankreich und Deutschland. Hollande hat alles kaputt gemacht, was ich zusammen mit (Bundeskanzlerin) Angela Merkel aufgebaut habe."

Der Präsident des Herausgeberkomitees von "Valeurs actuelles", Francois d'Orcival, betonte im Sender "France Info", die Äußerungen des Staatschefs stammten allesamt "aus dessen Mund". Dass kein klassisches Frage-Antwort-Interview veröffentlicht worden sei, liege daran, dass Sarkozy sich nicht "wie andere Politiker" äußern wolle.

Seit seiner Abwahl im Mai vergangenen Jahres reißen die Spekulationen in Frankreich nicht ab, dass Sarkozy in die Politik zurückkehren könnte. In seiner konservativen Partei UMP gibt es viele, die sich den 58-Jährigen als ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Jahr 2017 wünschen. Sarkozy hielt sich seit seiner Niederlage gegen Hollande aus der Tagespolitik weitgehend heraus.

Ayrault klopft Sarkozy auf die Finger

Der sozialistische Regierungschef Jean-Marc Ayrault reagierte mit scharfer Kritik auf die Äußerungen Sarkozys: Dass Frankreich derzeit mit so vielen Problemen konfrontiert sei, sei kein "Zufall", sondern das Ergebnis der "Steuer- und Haushaltspolitik" während Sarkozys Präsidentschaft. Der Vize-Chef der rechtsextremen Front National, Florian Philippot, bezeichnete Sarkozys Äußerungen als "pathetisch" und "vulgär". Schließlich sei es Sarkozy, der Frankreich in einem "katastrophalen Zustand" hinterlassen habe.

Sarkozys Parteifreund und Ex-Regierungschef Francois Fillon warnte in den Sender BFMTV und RMC, es dürfe jetzt nicht um ein "Casting" für die Präsidentschaftswahl 2017 gehen. Zum derzeitigen Zeitpunkt müsse vielmehr ein neues "politisches Projekt" aufgebaut werden, sagte Fillon, der sich für die Präsidentschaftswahlen bereits selbst als Kandidat in Stellung gebracht hat.

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