Nahost-Krise spitzt sich immer weiter zu

Nahost-Krise spitzt sich immer weiter zu

Ein Ende der Krise war nicht in Sicht. Militante Palästinenser feuerten am Samstag Raketen auf Tel Aviv und Aschdot ab, wobei fünf Menschen verletzt wurden. Die israelische Luftwaffe bombardierte zahlreiche Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen und legte den Amtssitz von Ministerpräsident Ismail Hanijeh in Schutt und Asche.

Zugleich traf der jüdische Staat Vorkehrungen für eine Bodenoffensive und beschloss die Einberufung von bis zu 75.000 Reservisten. Ein Ende der Feindseligkeiten ist nicht in Sicht. Israel droht mit einer Bodenoffensive: "Sie wird solange wie notwendig dauern. Wir haben uns bei Mitteln und der Dauer keine Grenzen gesetzt", sagte Außenminister Awigdor Lieberman im israelischen Fernsehen.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi wollte noch im Laufe des Tages nach Angaben aus seiner Umgebung mit ausländischen Politikern über Wege zur Lösung der Krise beraten. Mursi habe den Emir von Katar, den türkischen Regierungschef Tayyip Erdogan und Hamas-Chef Chaled Maschaal nach Kairo eingeladen, hieß es.

US-Präsident Barack Obama setzte sich in Telefonaten mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Ägyptens Präsident Mursi für eine Deeskalation in der Krise ein. Obama bekräftigte nach Angaben des Präsidialamtes zugleich das Recht Israels auf Selbstverteidigung.

"Eiserner Dorn"

Die israelische Flugabwehr schoss am Nachmittag eine auf Tel Aviv abgefeuerte Rakete ab. Verletzt wurde niemand, wie die Polizei mitteilte. Der Flugkörper wurde vom Abwehrsystem "Eiserner Dom" abgefangen, das die Israelis als Konsequenz zweier vorangegangener Angriffe in die Wirtschafts- und Kulturmetropole verlegt hatten. In der Hafenstadt Aschdot wurden beim Einschlag einer Rakete in einem Wohnhaus laut Polizei fünf Menschen verletzt.

Die Luftwaffe habe seit Mitternacht 180 Ziele im Gazastreifen bombardiert, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Darunter seien neben dem Amtssitz Hanijehs das Innenministerium, ein Polizeihauptquartier, weitere Regierungsgebäude, Raketenstellungen und ein Ausbildungszentrum der Hamas gewesen.

Zerstört wurde in den frühen Morgenstunden auch das dreistöckige Haus eines Hamas-Funktionärs. Rettungskräften zufolge wurden mindestens 30 Menschen aus den Trümmern gezogen.

Der tunesische Außenminister Rafik Abdesslem verurteilte bei einem Besuch in Gaza die Angriffe auf das Palästinenser-Gebiet als völkerrechtswidrig. "Was Israel tut, ist illegitim und überhaupt nicht hinnehmbar", sagte Abdesslem auf den Trümmern von Hanijehs Amtssitz. Israel genieße keine totale Immunität und stehe nicht über dem Völkerrecht.

Abdesslem ist nach dem ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil der zweite arabische Spitzenpolitiker, der den Gazastreifen seit Beginn der israelischen Luftangriffe am Mittwoch besuchte. Nach Hamas-Angaben wurden seit Beginn der israelischen Luftattacken 41 Palästinenser getötet, die Hälfte davon Zivilisten, darunter acht Kinder und eine Schwangere. Auf israelischer Seite starben am Donnerstag drei Zivilisten durch eine Rakete.

Schock nach Raketenangriffen auf Jerusalem und Tel Aviv

Nach israelischer Darstellung schlugen seit dem Wiederaufflackern der Feindseligkeiten rund 370 Raketen ein. Mindestens 222 seien vom Flugabwehrsystem "Eiserner Dom" abgefangen worden. Auch in den Ballungsräumen Jerusalem und Tel Aviv Raketen gingen Raketen nieder. Sie richteten zwar keine Personen- oder Sachschäden an, schockierten aber die Bevölkerung und erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Bodenoffensive.

Der im Wahlkampf stehende Ministerpräsident Netanjahu beriet am späten Freitagabend mit den zuständigen Ministern und Spitzenmilitärs über eine Ausweitung des Militäreinsatzes. Beschlossen wurde unter anderem, bis zu 75.000 statt der zunächst geplanten 16.000 Reservisten zu den Waffen zu rufen. Nahe der Grenze zum Gazastreifen waren am Freitag Panzer aufgefahren. Die israelische Armee sperrte drei Straßen für den zivilen Verkehr, die zu dem Küstenstreifen führen oder an ihn grenzen.

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