"Mr. Euro" wird griechischer Finanzminister

"Mr. Euro" wird griechischer Finanzminister

Der Ex-Chefberater des einstigen Ministerpräsidenten Kostas Simitis gilt als Geburtshelfer der Euro-Mitgliedschaft Griechenland - Spitzname "Mr. Euro".

Der 55-jährige Wirtschaftsprofessor scheint geradezu prädestiniert, die in der Krise mächtig ins Wanken geratene Mitgliedschaft des Landes in der Währungsgemeinschaft zu festigen. Sein Vorgänger Vassilis Rapanos musste aus gesundheitlichen Gründen nach nur wenigen Tagen im Amt passen. Doch Stournaras gilt keineswegs als zweite Wahl.

Die Regierungskoalition einigte sich im Handumdrehen auf den Athener Ökonomen mit dem Bürstenhaarschnitt. Er gilt als liberaler Geist und glühender Verfechter von Reformen, die die international weit ins Hintertreffen geratene griechische Wirtschaft wieder flottmachen sollen. Doch das dürfte nicht ohne Reibungsverluste ablaufen: "Stournaras genießt Respekt und wird Vertrauen an den Märkten schaffen. Doch er tritt in eine schlechte Regierung ein, in der verschwenderische Politiker vom alten Schlag sitzen", so das harsche Urteil des unabhängigen politischen Beobachters John Loulis.

Drahtseilakt

Der Wirtschaftsprofessor konnte sich zuletzt nur kurz auf dem glatten politischen Parkett warmlaufen: In der Übergangsregierung vor der Neuwahl am 17. Juni hatte er den Posten des Ministers für Entwicklung inne. Als Finanzminister steht er nun vor einem Drahtseilakt: Er soll einerseits in den Gesprächen mit den internationalen Geldgebern mehr Zeit für die schmerzlichen Reformen herausschlagen, zugleich muss er zuhause die Strukturveränderungen gegen Widerstände in der eigenen Politikerkaste durchboxen. Dem neuen Minister stehe ein harter Kampf bevor, meint Loulis. "Er wird ihn nicht bestehen, wenn der Ministerpräsident ihn nicht kräftig unterstützt."

Griechenland ist seit 2001 in der Euro-Zone. Stournaras wirkte damals maßgeblich daran mit, dass das Land dem Währungsclub beitreten konnte. Nun muss er sich mächtig ins Zeug legen, damit das Projekt nicht nach elf Jahren Schiffbruch erleidet. Bereits im Juli droht dem klammen Staat das Geld auszugehen, wenn die Troika aus EU, EZB und IWF kein grünes Licht für weitere Hilfstranchen aus dem 130 Milliarden Euro schweren Rettungspaket gibt. Der Start gilt bereits als verpatzt: Die ursprünglich für Anfang der Woche geplante Anreise des Dreigespanns wurde zunächst vertagt - mangels Ansprechpartnern. Neben dem Ausfall von Rapanos hatte auch Ministerpräsident Antonis Samaras wegen einer Augen-Operation seine Termine absagen müssen. Auf dem EU-Gipfel am Donnerstag wird nun Staatspräsident Karolos Papoulias die griechische Fahne in Brüssel hochhalten. Ob der noch nicht in die schwierige Materie eingearbeitete Stournaras dort bereits ins kalte Wasser geworfen wird, ist fraglich. Rapanos Vorgänger Giorgos Zanias dürfte für "Mr. Euro" in Brüssel einspringen.

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