Mohammed-Karikaturen - Sturm im Wasserglas oder Bombe mit Zeitzünder?

Mohammed-Karikaturen - Sturm im Wasserglas oder Bombe mit Zeitzünder?

Trotzdem fliegen vor den französischen Botschaften in Sanaa und Kairo bisher keine Steine. Nur in der Islamischen Republik Iran, wo anti-westliche Propaganda zum Standardprogramm der Regierung gehört, wurde die französische Botschaft jetzt angegriffen.

Dass es in den arabischen Staaten bisher ruhig blieb, liegt auch daran, dass die überwiegende Mehrheit der arabischen Muslime die Zeichnungen, die ihren Propheten in erniedrigenden Posen zeigen, nicht gesehen hat. Denn die Karikaturen, die am Mittwoch in der gedruckten Ausgabe von "Charlie Hebdo" veröffentlicht wurden, sind im Internet bisher nicht so leicht zu finden wie zuvor das bei YouTube eingestellte Video "Unschuld der Muslime". Es löste in vielen Ländern blutige Massenproteste aus, etliche Menschen starben.

Außerdem hatte es nach den Krawallen in der vergangenen Woche auch viele negative Kommentare von Muslimen gegeben, die sowohl das Mohammed-Video als auch die extremen Reaktionen darauf kritisierten. Einige Muslime geben deshalb jetzt die Parole aus: "Wir lassen uns nicht provozieren!" So fordert beispielsweise das französische Nachrichtenportal für Muslime Oumma.com seine Leser auf: "Lasst uns diese neue Provokation von Charlie Hebdo doch einfach mit Missachtung strafen!"

Zwar kritisieren arabische Medien, dass die Herausgeber des französischen Magazins mit ihrer Aktion "Öl ins Feuer gießen". Den islamistischen Politikern der Region kommt diese neue "Provokation" aber ganz gelegen, um sich innenpolitisch als Verteidiger der Religion zu profilieren.

Entschiedene Maßnahmen gegen "Charlie Hebdo"

Die von den Muslimbrüdern gegründete ägyptische Partei für Freiheit und Gerechtigkeit fordert die französische Regierung auf, schnelle und entschiedene Maßnahmen gegen "Charlie Hebdo" zu ergreifen. Sie räsoniert: "Dies ist angemessen, vor allem wenn man bedenkt, dass die französische Justiz auch mit Entschlossenheit gegen eine Zeitschrift vorgegangen ist, die beleidigende Fotos von Kate, der Herzogin von Cambridge und Ehefrau von Prinz William, abgedruckt hatte, und gegen jeden, der den Holocaust der Nazis leugnet."

Doch es ist zu früh, um Entwarnung zu geben. Zu Protestkundgebungen vor der französischen Botschaft in Kairo an diesem Freitag haben zwar bisher nur einige radikale Islamistengruppen aufgerufen, unter ihnen eine Bewegung von Anhängern des disqualifizierten Präsidentschaftskandidaten Hasim Abu Ismail. Doch können auch zwei Dutzend Salafisten Unheil anrichten, wenn sich ihnen genügend jugendliche Randalierer anschließen - das haben die Ausschreitungen in Kairo in der vergangenen Woche gezeigt.

Auf Regierungsebene arbeiten die islamischen Staaten indes an einem Vorstoß für eine UNO-Resolution, die den Aufruf zu Hass oder Gewalt gegen eine bestimmte Religionsgemeinschaft sanktionieren soll. Ganz vorne dabei ist der türkische Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), Ekmeleddin Ihsanoglu, der schon seit Jahren gegen "Islamophobie" kämpft. In den vergangenen Jahren hatten die westlichen Staaten entsprechende Resolutionsentwürfe, die unter der Ägide der OIC von Pakistan lanciert worden waren, mehrfach abgeschmettert.

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