"Mist, das ist wirklich großer Mist"

"Mist, das ist wirklich großer Mist"

Vielsagendes Schweigen nennt man das. "Kein Kommentar", wurden Anfragen im Finanzministerium von Wolfgang Schäuble beschieden. Auch Kanzlerin Angela Merkel hielt sich aufs Erste bedeckt. Bei einem anderen Regierungsmitglied wurden Frager zunächst beschieden: "Mal schauen." Man wisse noch nicht, was man "intonieren" solle.

Immerhin ein hoher Mandatsträger ging hinter vorgehaltener Hand etwas aus sich raus. "Mist, das ist wirklich großer Mist", gestand er. Ganz unerwartet kam für ihn das Ergebnis nach eigenem Bekunden nicht. Das änderte nichts an seiner Ratlosigkeit. Neuwahlen? Unerwartete neue Bündnisse? Ein Aufbrechen der parteipolitischen Lager? Nicht nur er konnte diese Fragen nicht beantworten. Ein anderer Akteur in der deutschen Regierung gestanden ein: "Das war ein großer Schock." Die meisten hätten sich bis zuletzt in der Gewissheit gewogen, dass die Linksallianz das Rennen schon machen werde und es keine unberechenbare Lage in Italien gebe. Diese Gelassenheit ist nun dahin. "Natürlich hätten sich alle etwas anderes gewünscht", hört man in der Regierung.

Als erster aus der obersten Etage fand Wirtschaftsminister Philipp Rösler seine Sprache wieder. "Ich hätte mir ein besseres Anschneiden der Reformkräfte in Italien vorstellen können", sagte er und appellierte an alle Parteien in dem Gründerland der EU, an die Stabilität des Landes zu denken. Auch Merkel wurde am Nachmittag in der CDU/CSU-Fraktionssitzung etwas redseliger. Von richtigen Entscheidungen, die nun nötig seien, von Verantwortung und davon, das Beste aus dem Ergebnis zu machen, war Teilnehmern zufolge die Rede. Auch Außenminister Guido Westerwelle entschied sich für Mahnungen. "Die politischen Verantwortungsträger in Rom wissen, dass Italien weiter eine Politik der Reformen braucht, eine Politik der Konsolidierung, eine Politik, die das Vertrauen der Bürger und der Märkte festigt."

Die große Angst, die nicht nur in Berlin umgeht, ist, dass es nach einer Phase der relativen Ruhe an den Märkten nun wieder zu Unsicherheiten mit auseinanderlaufenden Zinsen für Staatspapiere von Euro-Ländern kommt. Die Rückgewinnung des Vertrauens - so hatte es nicht nur Schäuble immer wieder formuliert - ist zur Überwindung der Schuldenkrise entscheidend. In den vergangenen Wochen glaubte man, dem Ziel nach der Entschärfung von Krisenfällen wie Griechenland nähergekommen zu sein.

Krisenmonster könnte auferstehen

Doch nun droht die Wiederauferstehung des Krisenmonsters in Europa. Wenn das Land mit der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in Unwägbarkeiten steuert, wenn das Defizit in Frankreich aus dem Ruder läuft, wenn sich die finanzielle Rettung Zyperns schwieriger als erwartet gestaltet und wenn mit Slowenien womöglich ein neuer Krisenfall aufschimmert - dann könnte es mit den Zeiten der Entspannung schnell vorbei sein.

Ein unberechenbares Italien jedenfalls ist alles andere, als sich die deutsche und europäische Politik gewünscht haben. Die absackenden Börsen, der auf ein Mehrwochentief nachlassende Euro und steigende Zinsen für Italien : Das sieht nach den Vorboten neuer Turbulenzen aus.

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