Mensch, Carsten!

Mensch, Carsten!

„Ich bin für Gesetze, die regeln, dass die Provision nur einmal gezahlt wird und nicht mehrfach“, sagte Carsten Maschmeyer dem "Handelsblatt". 2007 hat er AWD an Swiss Life verkauft, wo er bis 2011 im Verwaltungsrat saß.

Der Markt für Versicherungsprodukte stagniere, trotzdem gebe es ständig Neuabschlüsse. Das sei ein Beleg für Umdeckungen. „Davor muss der Verbraucher geschützt werden“, sagt Maschmeyer jetzt. Die Finanzbranche spricht von Umdeckungen, wenn Kunden in niedriger verzinste Verträge gelockt werden. Davon profitieren nicht zuletzt die Vermittler wie zum Beispiel der AWD. Denn sie kassieren für jeden umgedeckten Vertrag Provisionen – egal, ob der Kunde damit besser oder schlechter gestellt wird. Das sorgt für Unmut bei Verbrauchern und Politikern.

Der AWD ist in der Vergangenheit mehrfach wegen seiner Provisionen im Kreuzfeuer der Kritik gestanden. In Österreich etwa werfen Konsumentenschützer dem AWD vor, Kleinanlegern respektive klassischen Sparbuchsparern im großen Stil Immobilienaktien angedreht zu haben, ohne sie über die Risiken aufgeklärt zu haben. Dies, weil Immo-Papiere deutlich mehr Provision abgeworfen hätten als Bausparverträge oder ähnliches. Den Vorwurf der systematischen Fehlberatung hat AWD stets vehement zurückgewiesen. Tausende Anleger, die mit Immofinanz bzw. Immoeast Geld verloren haben, sind gegen den AWD vor Gericht gezogen, der Rechtsstreit mit dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) zieht sich seit Jahren. Neben Sammelklagen hat der VKI auch eine Strafanzeige gegen den schillernden Geschäftsmann Maschmeyer eingebracht.

Dieser hat mit dem 1988 gegründeten AWD mittlerweile nichts mehr zu tun. Maschmeyer, mit Schauspielerin Veronica Ferres liiert und zahlreichen deutschen (Ex-)Politikern befreundet, hat den Finanzvertrieb im Jahr 2007 für 1,9 Mrd. Franken (1,5 Mrd. Euro) an die Swiss Life abgegeben und sich damit beim Schweizer Lebensversicherungskonzern eingekauft. Von 2009 bis 2011 saß Maschmeyer auch im Verwaltungsrat der Swiss Life, vor einem Jahr reduzierte er dann seinen Aktienanteil. Für die Schweizer erwies sich das Abenteuer AWD als glücklos, die neue Vertriebstochter blieb - vor allem in Österreich und Osteuropa - weit hinter den Erwartungen zurück. Ende November kam schließlich die letzte Hiobsbotschaft: Swiss Life muss im vierten Quartal 2012 auf den Markenwert von AWD 576 Mio. Franken (478 Mio. Euro) abschreiben. Nun greifen die Schweizer hart durch: Hunderte Jobs werden gestrichen, ebenso der Name AWD. Künftig heißt der Finanzvertrieb "Swiss Life Select".

Umdeckungen in der Kritik

In Deutschland stehen momentan Umdeckungen in Kritik. "Von den rund 18.000 Beschwerden, die jedes Jahr in der Ombudsstelle eingehen, betreffen nicht wenige das Thema Umdeckungen", sagte der Ombudsmann Günter Hirsch der Zeitung. Teilweise gehen die Anbieter geradezu trickreich vor. Laut Rüdiger Stumpf, Finanzexperte bei der Stiftung Warentest, verschickt zum Beispiel die Aachener Bausparkasse Briefe, in denen sie ihre Kunden fragt, ob sie das Darlehen für ihren Bausparvertrag benötigen - und das auch bei Verträgen, die noch Jahre laufen.

Die deutsche Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) erwartet, "dass Vertragspartner fair miteinander umgehen", wird sie zitiert. Und die Fairness werde verletzt, wenn ein Vertragspartner das Vertrauen des anderen ausnutzen, um diesen zu finanziell nachteiligen Entscheidungen zu bewegen, die dem eigenen Vorteil dienten.

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