"Man hat den Eindruck, dass die Beteiligten überfordert sind"

"Man hat den Eindruck, dass die Beteiligten überfordert sind"

Die Euro-Retter haben im Fall Zypern einen Tabubruch begangen: In ihrem ersten Entwurf haben sie auch Kleinanleger nicht damit verschont, sich an der Staatshilfe zu beteiligen. Nicht nur in Zypern war der Aufschrei danach groß.

Ganz Europa stand kurz unter Schock. Dabei hatten sich viele Politiker und Ökonomen zuvor immer wieder dafür eingesetzt, Gläubiger an der Rettung von Staaten zu beteiligen. So auch der deutsche Ökonom Clemens Fuest, der seit kurzem das renommierte Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung leitet und das deutsche Finanzministerium berät. Allerdings, so der Ökonom, wurden in Zypern die falschen Gläubiger getroffen - die Kleinanleger. Ein Tabubruch.

FORMAT: Herr Fuest, das am Wochenende beschlossene Hilfspaket für Zypern sah eine Steuer auf zyprische Spareinlagen vor. Ein Freibetrag wurde nachträglich festgelegt, doch das Parlament stimmte dagegen. Welche Folgen hat das?

Clemens Fuest: Die wichtigste Folge ist eine Erschütterung der Glaubwürdigkeit des Krisenmanagements in der Eurozone. Privatsektorbeteiligung ist richtig, aber die Lastenverteilung wirkt willkürlich. Kleinsparer dürfen erst dann belastet werden, wenn sonstiges haftendes Kapital und Einlagensicherungsfonds verbraucht sind. Die normalen Haftungsregeln durch eine aus dem Hut gezauberte Steuer zu umgehen war ein schwerer Fehler.

Der Internationale Währungsfonds hatte vorgeschlagen, die extrem angeschlagenen zyprischen Banken abzuwickeln. Die Gläubiger der Banken hätten dabei bis zu 40 Prozent verloren. Wäre das eine Alternative gewesen?

Fuest: Das wäre viel besser gewesen, weil das die normale und rechtmäßige Vorgehensweise ist.

Die Situation der zyprischen Banken war lange bekannt, das Problem eines Offshore-Finanzplatzes in der Eurozone ebenfalls. Warum kam dieser Rettungsversuch nun so ungeschickt?

Fuest: Es ist schwer nachvollziehbar, warum das alles so dilettantisch ablief. Man hat den Eindruck, dass die Beteiligten überfordert sind. Das ist beunruhigend.

Ist mit dem Zypern-Problem die Eurokrise "zurück", und ist die Unsicherheit jetzt wieder größer als in den vergangenen Wochen?

Fuest: Ich rechne nicht mit einem sofortigen Bankenrun in anderen Ländern, aber in der nächsten Krisensituation wird man den Beteuerungen der europäischen Politik nicht mehr trauen.

Zur Person
Clemens Fuest ist Leiter des Zentrums für europäische Wirtschaftspolitik.

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