"Made in Japan" vs. "Made in Germany": Kampf zwischen den Export-Giganten

"Made in Japan" vs. "Made in Germany": Kampf zwischen den Export-Giganten

Denn die enorme Abwertung der japanischen Währung hilft den Unternehmen aus dem asiatischen Land. Der Yen ist seit Sommer 2012 um mehr als 30 Prozent zum Euro abgerutscht, was Waren "made in Japan" im Ausland deutlich billiger macht. Nutznießer sind Sony, Toyota und viele andere Konzerne, die ihre Produkte auf den Weltmärkten absetzen.

Das heizt den Wettbewerb der beiden Export-Nationen vor allem in den großen Schwellenländern an, wo die Geschäfte am schnellsten wachsen. "Es geht nicht darum, was mit dem japanischen Umsatz in Deutschland oder den deutschen Verkäufen in Japan passiert", sagt Artemis-Fondsmanager Simon Edelsten. "Es geht darum, wer welchen Marktanteil in den Schwellenländern abbekommt."

Deutschland ist nach China der zweitgrößte Waren-Exporteur der Welt, vor den USA und Japan. 41,5 Prozent trugen die Exporte im vergangenen Jahr zum Bruttoinlandsprodukt bei - 1992 waren es erst knapp 21 Prozent. Die 30 im Aktienindex Dax gelisteten Konzerne erlösten 2012 rund drei Viertel ihres Umsatzes im Ausland, so die Wirtschaftsberater von Ernst & Young. Ein wachsender Teil wird dabei außerhalb des rezessionsgeplagten Europas gemacht: Der Umsatz in Übersee wuchs 2012 um 15 Prozent, in Europa dagegen nur um sechs Prozent.

"Das macht einen riesigen Unterschied"

Besonders gut laufen die Geschäfte in großen Schwellenländern wie China, Brasilien und Russland. Doch genau dort ringen die deutschen Unternehmen mit ihren japanischen Konkurrenten um Marktanteile. Und die haben angesichts der Yen-Abwertung, welche die Notenbank mit einer wahren Geldschwemme ausgelöst hat, bessere Karten als zuvor. "Diese Wechselkursbewegung macht einen riesigen Unterschied beim Kampf, wie viel vom Kuchen man abbekommt", sagt Fondsmanager Edelsten.

Deutsche und japanische Unternehmen konkurrieren in vielen Feldern um Kunden. Ob VW, BMW und Daimler gegen Toyota, Mazda und Suzuki oder Adidas und Puma gegen Asics und Mizuno. Die Verkaufsschlager sind auf beiden Seiten oft Maschinen, Fahrzeuge und entsprechendes Zubehör: Fast die Hälfte der deutschen Exporte werden mit Maschinen und Transportausrüstungen gemacht, in Japan sind es sogar 58 Prozent.

Marktanteile ausbauen und Gewinnmarge erhöhen?

Allerdings gibt es auch einige Unterschiede. Deutsche und Japaner konkurrieren vor allem in Nordamerika miteinander. In Europa erlösen die Dax-Konzerne aber ein Drittel ihres Umsatzes, während die japanischen Unternehmen in Ostasien aktiv sind und dort besonders mit Südkorea um Marktanteile ringen. Hinzu kommt, dass bei High-Tech-Produkten aus beiden Ländern nicht so sehr der Preis im Fokus steht, sondern vor allem die Qualität. Wechselkursschwankungen sind damit nicht das einzige Kaufargument für oder gegen ein Produkt.

Dennoch: Der Preis spielt natürlich eine wichtige Rolle. "Japanische Unternehmen können entscheiden, ob sie den Vorteil zum Ausbau der Marktanteile oder zur Steigerung der Gewinnmarge nutzen", erklärt Fondsmanager Didier Saint-Georges von Carmignac Gestion. Je nachdem, wie sie sich entscheiden, könnten Firmen aus Europa Probleme bekommen. Sollten sich die japanischen Unternehmen dafür entscheiden, ihre Gewinne zu steigern und einen Teil an ihre Aktionäre auszuschütten, könnte das auch die Binnennachfrage stützen - wovon wiederum auch die Konkurrenz aus Deutschland etwas hätte.

Erst hoch, dann runter

Die Geschichte lehrt, dass Investoren vorsichtig sein sollten, bei Wechselkursänderungen ihre Strategie anzupassen. Vor etwa zehn Jahren hat Japan schon einmal versucht, seine Liquidität im Bankensystem zu steigern, um die hartnäckige Deflation in den Griff zu bekommen. Das hat nach Berechnungen des Analysten Dan Morris von JPMorgan Investment Management die Geldmenge in Japan zwischen 2001 und 2005 um das 1,7-Fache aufgebläht; die Notenbank könnte sie mit ihren aktuellen Plänen verdoppeln. "Und was passierte damals? Erst ging es mit dem Yen bergab, dann hat er sich wieder erholt. Und Aktien liefen erst gut, dann schlecht", sagt Morris. Sein Fazit: "Vermögenswerte langfristig umzuschichten auf Grundlage dieser Notenbankpläne ist verfrüht."

Und Investoren haben Zeit für eine Entscheidung. Denn bis sich Wechselkurseffekte in der Handelsbilanz niederschlagen, vergehen erfahrungsgemäß sechs bis neun Monate. Und die japanische Notenbank hat ihre Entscheidung, die gigantische Summe von 1,4 Billionen Dollar in das Bankensystem zu pumpen, erst am 4. April getroffen.

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