Luis Maria Linde: "Spanische Banken benötigen keine neuen Kapitalspritzen"

Luis Maria Linde: "Spanische Banken benötigen keine neuen Kapitalspritzen"

Nach einem Immobiliencrash erhielt Spanien im vergangenen Jahr Zugang zu bis zu 100 Milliarden Euro an europäischen Geldern zur Stützung seiner Banken. Bisher wurden 41 Milliarden Euro aus der Fazilität in Anspruch genommen, wovon etwa die Hälfte an die Bankia – die veirtgrößte Bankengruppe des Landes – ging. Nun prescht der Gouverneur der spanischen Notenbank Luis Maria Linde vor und sagt, dass die spanischen Banken, insofern sich dessen Gewinne positiv entwickeln, keine weiteren Gelder benötigen.

“Wenn wir über möglichen Zusatzbedarf nachdenken, denken wir dabei an Banken, die unter der Kontrolle” des Bankenrettungsfonds des Landes standen, sagte Linde, der auch Mitglied im EZB-Rat ist, am Montag in einem Interview auf dem International Economic Forum of the Americas in Montreal. “Wir erwarten nicht, dass diese Banken irgendwelche neuen Kapitalspritzen benötigen, aber wir müssen bis September abwarten, um zu sehen, wie sich die Wirtschaft, die Gewinne dieser Banken entwickeln".

Umschuldungen und Rückstellungen

Die nun schon seit sechs Jahren anhaltende Konjunkturflaute in Spanien führt zu steigenden Zahlungsausfällen bei den Banken des Landes, die in einigen Fällen mehr Kredite refinanziert oder umgeschuldet haben, um Buchverluste zu vermeiden. Spanische Banken hatten Ende vergangenen Jahres Kredite im Volumen von 208,2 Milliarden Euro refinanziert oder umgeschuldet, teilte die spanische Notenbank am 7. Mai mit.

Weitere Rückstellungen, ‘‘die vielleicht notwendig sein würden, sind deutlich unter den Möglichkeiten dieser Banken’’, erklärte Linde und bezog sich auf gerettete Institute wie Bankia. ‘‘Wir können nicht sagen, dass keine weiteren Rückstellungen nötig sein würden. Vielleicht würden einige benötigt, aber wir glauben, dass diese zusätzlichen Rückstellungen in den Bilanzen der Banken ohne europäische Hilfe verkraftet werden können.’’

Jegliche neuen Rückstellungen würden hinter den 60 Milliarden Euro zurückbleiben, die die Kreditinstitute 2012 verbuchten, so Linde. ‘‘Vielleicht besteht ein gewisser zusätzlicher Bedarf, aber nicht vergleichbar mit den enormen Summen, die im vergangenen Jahr notwendig waren’’, erläuterte er.

Frist für weitere Gelder läuft noch bis zum 31. Dezember

Spanien und die europäischen Behörden dürften in etwa drei Monaten entscheiden, ob die am 31. Dezember endende Frist für das Land zum Anzapfen von weiteren Geldern für sein Hilfsprogramm verlängert wird, sagte Linde, der Mitglied im EZB- Rat ist. Die Zeitung El Pais berichtete am Montag, dass die EZB und der IWF der spanischen Regierung dieses Angebot gemacht haben.

Das Kreditwachstum in Spanien bleibe wegen der Konjunkturlage ‘‘sehr schwach’’, erwartet Linde. Das Bruttoinlandsprodukt ist in den ersten drei Monaten des Jahres das siebte Quartal in Folge geschrumpft, denn die strengen Sparmaßnahmen und eine Arbeitslosenquote von 27 Prozent drücken auf die Binnennachfrage.

‘‘Wir glauben nicht, dass niedriges oder negatives Kreditwachstum in Spanien hauptsächlich auf mangelndes Kapital zurückzuführen ist’’, sagte Linde. ‘‘Der Beweis dafür ist, das dieses negative Wachstum überall im Bankensystem zu verzeichnen ist, auch bei Banken, die keinerlei Kapitalprobleme haben.’’

‘‘Dieses schwache Kreditwachstum kann durch eine nicht sehr starke Nachfrage erklärt werden -- und wenn es Nachfrage gibt, dann eine nicht sehr solvente Nachfrage. Das ist vollkommen normal in einer Wirtschaft, die sich in der zweiten Rezession in vier Jahren befindet. Es wäre bei dieser Konjunktur ein Wunder, wenn es eine sehr starke Kreditnachfrage gäbe.’’

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