Libyen gerät außer Kontrolle

Libyen gerät außer Kontrolle

Nach ihrer Vertreibung aus Mali haben islamistische Kämpfer im Süden Libyens eine neuen sicheren Hafen gefunden. Aus der gesetzlosen Region, die von Tripolis weit entfernt und daher nur schwer zu überwachen ist, brechen die Extremisten immer wieder zu Vorstößen in Nachbarländer wie Niger oder Algerien auf.

"Was früher der Norden Malis war ist heute der Süden Libyens", beschreibt ein Berater des malischen Übergangspräsidenten Diouncounda Traore die schwierige Sicherheitslage in der Region. Konsequenzen hat das nicht zuletzt für Frankreich. Anfang des Jahres gelang es den französischen Soldaten zwar, die Islamisten aus Mali zu verjagen. Doch das anvisierte schnelle Ende des Einsatzes ist mit der Verlagerung des Problems nach Libyen wohl in weite Ferne gerückt.

Die Entwicklung in Libyen scheint nahezu folgerichtig: Die nur mäßig kontrollierte Südgrenze des Landes ist seit jeher ein Paradies für Schmuggler, ganz gleich ob ihre Konterbande Zigaretten, Drogen oder Menschen sind. Doch der Sturz des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi 2011 veränderte die Situation schlagartig. Plötzlich strömten Waffen und Munition in unvorstellbarer Menge in die Gegend. Tuareg-Separatisten bemächtigten sich ihrer, um sich im Norden Malis an die Macht zu putschen. Sie wurden allerdings selbst bald von besser ausgebildeten und bewaffneten Islamisten vertrieben, die ein autoritäres Herrschaftssystem errichteten, bis sie von den Franzosen verjagt wurden.

Weil es keine funktionierende libysche Armee gibt, obliegt die Kontrolle der riesigen Südgrenze regionalen Milizen. Doch die sind mehr mit konkurrierenden Brigaden als mit Schmugglern oder Islamisten beschäftigt. Sicherheitsexperten sind daher überzeugt, dass die fehlende Staatsautorität in Libyen islamistische Kräfte begünstigt.

Frankreich, das allein aus Niger ein Fünftel seines Uranbedarfs für die vielen Atomkraftwerke bezieht, dringt deshalb auf eine grenzüberschreitende Sicherheitskooperation. "Wir sind äußerst besorgt, dass der Süden Libyens eine Neuauflage der Ereignisse im Norden Malis erlebt", warnt ein französischer Sicherheitsexperte. "Das Problem muss schnell angepackt werden", mahnt er zur Eile.

Holland muss länger bleiben

In Frankreich wächst die Erkenntnis, dass es sein militärisches Engagement in der Gegend nicht vorgesehen rasch zurückschrauben kann: So räumte Präsident Francois Hollande vorige Woche ein, dass die Soldaten aus der Grande Nation auch anderswo in der Sahelzone gebraucht würden. "Der Westen kann die Afrikaner nicht mit ihren Problemen allein lassen", mahnt auch die frühere US-Botschafterin in Mali, Vicki Huddleston. "Islamisten geben erst auf, wenn die Regierungen in Region zusammenarbeiten und mit westlicher Hilfe niedergerungen haben."

US-Vertretern zufolge verhindern alte Rivalitäten etwa zwischen Algerien und Marokko eine wirkungsvolle Terrorabwehr. So wurden Pläne für die Einrichtung eines Anti-Terror-Kommandozentrums im Süden Algeriens nie verwirklicht. Algerien als größte Militärmacht im Sahel hat sich lange auch gegen eine ausländische Intervention gesträubt. Das Nein aus Algier galt besonders der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich. Nur zähneknirschend räumte das Land der französischen Luftwaffe für den Mali-Einsatz Überflugrechte ein. Die malische Regierung fand jedoch, Algerien hätte etwa durch die Gefangennahme von Extremisten wirkungsvoller in die Kämpfe eingreifen müssen. Auch im Verhältnis zwischen Mali und Mauretanien steht es nicht zum Besten.

Der Konfliktexperte Ismael Diallo sieht Frankreich denn auch immer stärker in die Rolle des Schutzmanns in der Sahelzone verstrickt. Denn die Zusammenarbeit der Ländern wird sich aus seiner Sicht nicht schneller und wirksamer realisieren lassen. "Frankreich hat keine Wahl."

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