Le Pen: "Da machen wir das nächste Mal eine Ofenladung"

Le Pen: "Da machen wir das nächste Mal eine Ofenladung"

Am Sonntag distanzierten sich sogar Parteikollegen und seine Tochter, Parteichefin Marine Le Pen, von seinen Äußerungen über FN-Kritiker. Le Pen verteidigte sich und warf seinen parteiinternen Kritikern "politische Fehler" vor.

In einem Video, das vorübergehend auf der FN-Website veröffentlicht wurde, wurde der 85-Jährige von einer Gesprächspartnerin auf all diejenigen angesprochen, die für einen möglichen Wahlsieg der Front National Konsequenzen angekündigt hatten, etwa Frankreich zu verlassen oder nicht mehr in dem Land aufzutreten.

Dabei wurde er auch auf den Musiker Patrick Bruel angesprochen, der Jude ist. "Ja, das erstaunt mich nicht", sagte Le Pen darauf und fügte unter zufriedenem Lachen an: "Wissen Sie, da machen wir das nächste Mal eine Ofenladung" ("on fera une fournée la prochaine fois").

Dies wurde weithin als Anspielung auf die NS-Vernichtungslager verstanden. Le Pen sah das später freilich anders: Das Wort "Ofenladung" habe "natürlich keine antisemitische Bedeutung, außer für politische Feinde oder Dummköpfe", erklärte er. Das gelte auch für FN-Anhänger, die seine Aussage als antisemitisch verstünden.

Doch die Empörungswelle hatte Le Pen da bereits losgetreten. "Ekelhaft" sei seine Äußerung und auch kein "Ausrutscher", erklärte die Organisation SOS Racisme. Sie zeuge vielmehr von einem "vollkommen haarsträubenden antisemitischen Programm". Die Anti-Rassismusbewegung MRAP bezeichnete Le Pen als "echten Antisemiten" und kündigte gleichfalls eine Klage an. Mehrere Politiker forderten Le Pens Ausschluss aus der Partei. Der Musiker selbst zeigte sich gelassen. Dessen Provokationen träfen ihn schon lange nicht mehr, schrieb er auf seiner Facebook-Seite.

Le Pens Tochter Marine, die die Partei zu knapp 25 Prozent bei der Europawahl im Mai geführt hatte, sprach am Sonntagabend von einem "politischen Fehler" ihres Vaters. Zwar sei sie überzeugt, dass er "böswillig interpretiert" worden sei, sagte sie dem Nachrichtenportal lefigaro.fr. Ihr Vater habe aber sehr große politische Erfahrung und hätte eine solche Interpretation vorhersehen müssen. Die FN müsse die Folgen nun ausbaden. Marine Le Pens Lebensgefährte und FN-Vize-Präsident Louis Aliot bezeichnete die Entgleisungen als "politisch dumm und bestürzend".

Doch Le Pen, der auch Europaabgeordneter ist, drehte den Spieß am Montag wieder um und wehrte sich gegen das "Einheitsdenken". In der Partei gebe es einige, die versuchten, sich anderen Parteien anzunähern. "Sie sind es, die einen politischen Fehler begehen, nicht ich", sagte er. Eine antisemitische Tendenz seines Satzes wies er erneut zurück, schließlich sei Antisemitismus "das scheußlichste Verbrechen der Welt". Zudem will er nicht gewusst haben, dass Bruel überhaupt Jude ist.

Le Pen ist für seine Entgleisungen bekannt. Im Jahr 1993 war er zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er den früheren Minister Michel Durafour als "Durafour-Crématoire" bezeichnet hatte. "Four crématoire" heißt auf Französisch der Ofen im Krematorium. Die Gaskammern in den Konzentrationslagern des Zweiten Weltkriegs bezeichnete Le Pen zudem als "Detail der Geschichte".

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