Lateinamerikaner fordern Europäer auf, die Austeritätspolitik zu beenden

Lateinamerikaner fordern Europäer auf, die Austeritätspolitik zu beenden

Die beiden EU-Sorgenländer Spanien und Portugal setzen bei ihren Versuchen, möglichst bald die tiefe Finanz- und Wirtschaftskrise zu überwinden, zukünftig verstärkt auf die wirtschaftlich boomenden Länder Zentral- und Lateinamerikas.

Am Samstag beschlossen die 21 Staats- und Regierungschefs aus Spanien, Portugal und Lateinamerika auf dem 22. Iberoamerikanischen Gipfeltreffen im südspanischen Cadiz den Ausbau ihrer Wirtschaft-und Handelsbeziehungen.

Neben einer engeren wirtschaftspolitischen Zusammenarbeit steht in der sogenannten „Erklärung von Cadiz“ vor allem die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen im Mittelpunkt, denen zukünftig eine größere Rolle bei der Überwindung der Wirtschaftskrise und dem Ausbau der gegenseitigen Beziehungen zukommen sollen. Mit Finanzierungsprojekten, neuen Berufsausbildungsprogrammen für Jugendliche, Investitionssicherheiten und dem Abbau bürokratischer Hürden sollen die kleinen und mittleren Unternehmen animiert werden, vermehrt auf der einen oder anderen Seite des Atlantiks zu investieren und zu expandieren. Auf der anderen Seite wurde von den iberoamerikanischen Außenministern die Errichtung einer Plattform in Spanien beschlossen, die lateinamerikanischen Unternehmen mit Geschäfts- und Investitionsinteressen in Nordafrika helfen soll.

Panamas Regierungschef Ricardo Martinelli erklärte, dass Europa und speziell Spanien und Portugal in der Krise große Märkte bräuchten, aber auch die wirtschaftlich expandierenden lateinamerikanischen Staaten. „Wir heißen die spanischen und portugiesischen Firmen willkommen, in Zentral- und Lateinamerika zu investieren, einem Markt mit 550 Millionen Konsumenten“, sagte Martinelli, in dessen Land 2013 der nächste Ibero-Gipfel stattfinden wird. „War früher Lateinamerika eine Chance für Spanien und Europa, ist heute Europa eine Chance für Lateinamerika und Spanien ist die Brücke“, unterstrich auch Spaniens konservativer Ministerpräsident Mariano Rajoy während des Gipfeltreffens. „Europa ist heute die weltweit einzige Region, die in der Rezession steckt und Lateinamerika ist bereit, uns zu helfen“, erklärte Rajoy am Samstag zum Abschluss des Gipfeltreffens.

Die Welt habe sich geändert und man müsse sich anpassen, so Rajoy, dessen Land den Gipfel ausnutzen wollte, in den Beziehungen zu den früheren lateinamerikanischen Kolonien eine neue Ära einzuleiten. Dass die wirtschaftlich boomenden Länder Lateinamerikas auch ein neues politisches Selbstvertrauen gegenüber Europa und Spanien haben, zeigte sich bereits auf dem Gipfeltreffen.

Erfahrung Lateinamerikas

So forderten auch verschiedene lateinamerikanische Regierungschefs Spanien, Portugal und andere EU-Staaten auf, die Austeritätspolitik zur Lösung der Finanzkrise zu verlassen. Es sei ein Fehler zu glauben, dass man nur mit Sparprogrammen das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte zurückgewinnen könne, erklärte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff. Sie forderte von Europa antizyklische Wirtschaftsmaßnahmen mit starken staatlichen Investitionen, die Verbesserungen für die Menschen versprächen und nicht noch mehr Jahre des Leides. Auch Ecuadors Präsident Rafael Correa versicherte, die Sparpolitik in vielen EU-Ländern werde nur dazu führen, die Wirtschaftskrise zu verlängern und zu vertiefen. Das habe man vor zehn Jahren sowohl in Ecuador als auch in anderen Ländern Lateinamerikas gelernt.

Unterdessen wurden durch die Abwesenheit zahlreicher lateinamerikanischer Staatschefs auf dem Gipfeltreffen in Cadiz aber auch die Konflikte unter den iberoamerikanischen Staaten deutlich. Venezuelas Hugo Chavez, den Spaniens König Juan Carlos auf dem Ibero-Gipfel 2007 wegen dessen Beleidigungen der spanischen Regierung doch bat, bitte „seinen Mund zu halten“, reiste nicht nach Cadiz. Auch Kubas Raul Castro nahm wie gewohnt nicht am Gipfeltreffen teil und Paraguays Präsident Federico Franco sagte ab, um einen Boykott anderer Länder zu verhindern, die gegen die undemokratische Absetzung seines Vorgängers Fernando Lugo protestieren.

Die Präsidenten von Nicaragua und Uruguays fehlten ebenso auf dem Treffen und auch Argentiniens Cristina Fernandez de Kirchner ließ sich offiziell aus gesundheitlichen Gründen in der südspanischen Küstenstadt durch ihren Vize-Regierungschef vertreten. Es wird aber vermutet, dass sie einen Streit mit Spanien wegen der jüngsten Zwangsverstaatlichung des spanischen Erdölförderers Repsol in Argentinien umgehen wollte.

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