Lagarde: IWF-Chef muss kein Europäer sein

Lagarde: IWF-Chef muss kein Europäer sein

Seit der Gründung im Jahr 1944 stand stets ein Europäer an der Spitze des Internationalen Währungsfonds, die Weltbank wird immer von Amerikanern geleitet.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) muss seiner Chefin Christine Lagarde zufolge nicht unbedingt von einem Europäer geleitet werden und könnte eines Tages seinen Hauptsitz in Peking statt in Washington haben. Sie denke nicht, dass es das Schicksal des IWF sei, immer von einem Europäer geführt zu werden, sagte Lagarde am Freitag in einer im Internet übertragenen Rede in London. Seit seiner Gründung im Jahr 1944 sitzt beim IWF ein Europäer auf dem Chefsessel, während die Weltbank als Schwesterorganisation seitdem von einem Amerikaner geleitet wird.

Der IWF habe seinen Sitz in Washington, weil die USA der größte Beitragszahler seien, erklärte Lagarde. "Aber wie die Dinge derzeit laufen, wäre ich nicht überrascht, wenn der IWF eines Tages zum Beispiel in Peking sitzt." Lagarde übte scharfe Kritik an den USA, weil das Land IWF-Reformen aufhält, die Schwellenländern wie China oder Brasilien mehr Mitspracherecht einräumen sollen.

Helfer in der Not

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist seit sieben Jahrzehnten eine der wichtigsten Säulen der Weltwirtschaft. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen hatte zunächst zur Aufgabe, den 1944 in Bretton Woods beschlossenen internationalen Währungsrahmen und den globalen Zahlungsverkehr zu stützen.

Mit dem Zerfall des Systems in den 70er Jahre geriet der IWF zunehmend in die Rolle des Krisenhelfers für Staaten mit Finanzschwierigkeiten. Er hilft ihnen mit Krediten. Gerade in der Euro-Schuldenkrise war er stark gefordert.

Die Darlehen sind an wirtschaftspolitische Bedingungen geknüpft, etwa an die Sanierung des Staatshaushaltes. Darüber muss die betroffene Regierung mit dem IWF verhandeln und seinem Exekutivrat am Ende eine Erklärung vorlegen, dass sie gewillt ist, vereinbarte Reformen umzusetzen. Rund drei Dutzend Staaten haben derzeit Übereinkommen mit der Organisation - deren Kreditrahmen beträgt insgesamt 233 Mrd. Dollar (rund 172 Mrd. Euro). Zu den größten Schuldnern zählen Griechenland und Portugal.

Seit der weltweiten Finanzkrise 2007 hat der IWF neue Aufgaben hinzubekommen. Er soll sich intensiver um die Regelung der globalen Finanzmarktordnung kümmern. Die Überwachung volkswirtschaftlicher Daten mit gezieltem Blick auf Finanzmarktrisiken steht dabei im Mittelpunkt.

Die Organisation hat 188 Mitgliedsländer. Deren Kapitaleinlagen (Quoten) richten sich unter anderem nach der Stärke ihrer Volkswirtschaft und bestimmen auch das Mitspracherecht.

Vorwurf: Vergewaltigung

Lagardes Vorgänger, Dominique Strauss-Kahn, war im Mai 2011 als IWF-Chef zurückgetreten, nachdem er in New York wegen Vergewaltigungsvorwürfen festgenommen worden war. Ein Strafprozess wurde wegen mangelnder Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers, eines Hotel-Zimmermädchens, aber eingestellt. Später einigte sich Strauss-Kahn mit der Frau außergerichtlich auf die Zahlung einer finanziellen Entschädigung. In seiner Heimat wurde gegen den einstigen Hoffnungsträger der französischen Sozialisten in der Affäre um die Sex-Partys Ende März 2012 ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Kurzfristig flammten nach den EU-Wahlen Gerüchte auf, Angela Merkel wollen Christine Lagarde zur neuen Präsidentin der Europäischen Kommission machen - dies wurde vom Bundeskanzleramt jedoch umgehend dementiert.

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