Kulturwandel bei den Banken - und weniger Gehalt gibt's auch

Kulturwandel bei den Banken - und weniger Gehalt gibt's auch

"Es wäre angemessen, das übertrieben hohe Gehaltsniveau wieder dem der Industrie anzunähern", forderte Commerzbank-Chef Martin Blessing am Mittwoch auf einer Konferenz in Frankfurt. Die Institute wollen damit auch das schlechte Image der Branche verbessern.

"Es geht so weit, dass eine ganze Generation von Bankern unter Generalverdacht steht", sagte der Chef der HypoVereinsbank, Theodor Weimer. Blessing hofft, dass mit niedrigeren Verdiensten auch die Forderungen nach einer schärferen Regulierung der Branche abebben werden.

Die Deutsche Bank hatte kürzlich als eines der ersten Geldhäuser einen Mentalitätswandel propagiert, mit dem die Banken sich wieder auf ihre Funktion als Dienstleister von Privatkunden und Industrie besinnen sollen. Millionenboni und der teure Wettlauf um Investmentbanker sollen der Vergangenheit angehören. Blessing sieht die Institute dabei freilich in einem Dilemma: "Wer sich beim Thema Vergütung zuerst bewegt und zu stark bewegt, wird verlieren - und zwar die talentiertesten Mitarbeiter."

Blessing selbst stand in den vergangenen Jahren am unteren Ende der Gehaltsskala unter den größten börsennotierten Banken in Deutschland, weil Commerzbank-Vorstandsmitglieder wegen der Milliardenhilfen des Staates nur 500.000 Euro verdienen durften. Auch sein erwartetes Millionengehalt in diesem Jahr ist in der Branche unterdurchschnittlich. Der neue Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain hatte 2011 9,8 Millionen Euro erhalten, einige Investmentbanker des Branchenprimus verdienen noch mehr.

DZ Bank: Auch Durchschnittsgehälter zu hoch

Auch das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank und die staatliche Förderbank KfW wollen gegensteuern. "Die Gehälter müssen und werden herunterkommen", sagte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch der Nachrichtenagentur Reuters. "Das gilt nicht nur für Spitzen-Jobs, sondern auf breiter Front." Die Durchschnittsgehälter müssten sinken, vor allem die außertariflichen Zulagen sind ihm ein Dorn im Auge.

Bei der KfW würden inzwischen 68 Prozent der Angestellten außerhalb der Tarifstrukturen entlohnt. "Das muss sich ändern", sagte Vorstandschef Ulrich Schröder. Ansetzen werde die Bank aber nur bei Neueinstellungen. "Daher werden wir künftig bei Neubesetzungen die entsprechenden Jobs je nach Bedeutung unterschiedlich bezahlen", sagte er. Beim Personalaufbau in den nächsten Jahren will die KfW ohne Kostensteigerungen auskommen. Schröder: "Wir wollen die Kostenbasis bei etwa einer Milliarde Euro konstant halten." Entlassungen oder Gehaltskürzungen werde es nicht geben.

Spitzengehälter zahle die KfW ohnehin nicht: Vorstandsmitglieder verdienen 500.000 bis 600.000 Euro. Die Bank wolle Personal mit anderen Werten locken, sagte Schröder. "Unser Kapitalmarktchef könnte bei jeder Geschäftsbank leicht das Dreifache verdienen." Für ihn zähle aber auch gesellschaftliche Verantwortung. "Früher haben viele Betriebswirtschaftslehre studiert, um zu einer Bank zu gehen und viel Geld zu verdienen. Diese rein gehaltsmotivierten Entscheidungen gibt es heute nicht mehr", sagte er Reuters. "Heute spielt Sicherheit eine viel größere Rolle."

Investmentbanker: Boni federn Schwankungen ab

Die britische Finanzaufsicht FSA sieht in der Gier nach Boni auch einen Grund dafür, dass nach ihrer Beobachtung immer mehr Kunden falsch beraten werden. Geschäftsführer Martin Wheatley sagte auf einer Reuters-Veranstaltung, das Selbstverständnis der Geldhäuser habe sich gewandelt. Der Kunde sei "nun jemand, dem man etwas verkauft, und nicht mehr jemand, dem man dient", sagte Wheatley. Sollte es nicht zu einem grundlegenden Kulturwandel kommen, müssten Banken dazu gezwungen werden. "Die Einführung neuer Vorschriften wird ebenfalls erwogen." Bestätigt sieht sich die FSA von einer Auswertung der Anreiz-Modelle von 22 Banken. "Die meisten Anreiz-Programme, die wir uns angesehen haben, begünstigten eine fehlerhafte Beratung, um bestimmte Ziele zu erreichen und einen Bonus zu erhalten."

Auch die EU und die Bundesregierung wollen die Boni von Bankern begrenzen. Investmentbanker Klaus Diederichs von der US-Bank JP Morgan warnt aber vor unerwünschten Folgen. Mit sinkenden Boni stiegen die Festgehälter, die ohnehin der größte Kostenblock einer Investmentbank seien. "Dann können sie die Schwankungen im Geschäft nicht mehr abfedern - nur noch durch Entlassungen."

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