Konklave: Wer bei der Papstwahl die Fäden zieht

Konklave: Wer bei der Papstwahl die Fäden zieht

Dem am Dienstag beginnenden Konklave zur Wahl des neuen katholischen Kirchenoberhauptes könnten, wie die italienische Presse spekulierte, Absprachen und Übereinkünfte zwischen verschiedenen "Papstmachern" in den Generalkongregationen vorausgegangen sein.

Die Erwartungen einflussreicher "Pressure Groups" dürften innerhalb des Kardinalskollegiums eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Hier die wichtigsten "Lobbys" bei der Papst-Wahl.

Opus Dei
Die vom verstorbenen Papst Johannes Paul II. besonders geförderte Organisation stellt in der Person des 69-jährigen peruanischen Kardinals Juan Luis Cipriani Thorne, des Erzbischofs von Lima, einen einflussreichen Papst-Wähler. Das "Werk Gottes", das über viel Geld und Macht verfügt und in Spanien, Italien und Lateinamerika einen starken Einfluss ausübt, soll in erster Linie den Mailänder Erzbischof Angelo Scola sowie den Kanadier Marc Ouellet favorisieren. Laut Informationen aus informierten Kreisen unterstützt die Organisation auch den ungarischen Primas Peter Erdö. Opus-Dei-Mitglied ist der spanische Kardinal Julian Herranz, Mitglied der dreiköpfigen Kardinalskommission, die von Benedikt XVI. zur Klärung des "Vatileaks"-Skandals eingesetzt wurde. Als Schwergewicht unter den Opus-Dei-Sympathisanten zählt der Kardinaldekan Angelo Sodano.

"Comunione e Liberazione"
Die in über 40 Ländern vertretene Erneuerungsbewegung, die in Italien auch politisch mitmischt, steht hinter dem Mailänder Erzbischof Angelo Scola, einem der führenden italienischen Theologen. Die Organisation hegt laut Indiskretionen auch Sympathien für den Kanadier Ouellet. Die von Luigi Giussani gegründete Bewegung ist in mehr als 40 Ländern vertreten. Die meisten Mitglieder wirken als Laien in der Welt, vor allem in Politik, Kultur und Medien; aus der Mitte von "Comunione e Liberazione" ist aber auch die Priesterbruderschaft der Missionare vom Heiligen Karl Borromäus entstanden.

Gemeinschaft "Sant'Egidio"
Die mit einer Reihe von Friedensinitiativen hervorgetretene Organisation, zu deren profiliertesten Kontaktmännern der belgische Kardinal Godfried Danneels gehört, hat beste Kontakte zum Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI., Bischof Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses. Zu den einflussreichen Mitgliedern der Gemeinschaft zählt der vatikanische Familienminister, Erzbischof Vincenzo Paglia, der zu den Gründern der Gemeinschaft gehört. Die 1968 gegründete "Sant'Egidio"-Gemeinschaft hat mehr als 60.000 Mitglieder in 73 Ländern. Die Gruppierung ist vor allem im sozial-karitativen Bereich tätig. Die römische Zentrale sowie ihr Gründer Andrea Riccardi, zuletzt italienischer Integrationsminister, nutzen ihre internationalen Verbindungen jedoch auch immer wieder zu diplomatischen Vermittlungsinitiativen.

"Regnum Christi" (oder Legionäre Christi)
Wichtigstes Ziel dieser Gruppierung - unter Johannes Paul II. hoch angesehen - ist die Evangelisierung von kirchenfernen Gläubigen. In den 1990er-Jahren tauchten Gerüchte über moralische Verfehlungen ihres Gründers Marcial Maciel Degollado (1920-2008) auf. 2009 ordnete Benedikt XVI. eine kircheninterne Untersuchung an. Laut den Ermittlungen hatte Maciel minderjährige Seminaristen sexuell missbraucht und mit zwei Frauen mehrere Kinder gezeugt. Die "Legionäre" haben sich inzwischen von Maciel distanziert und sind mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit befasst. Dennoch verließen zahlreiche Mitglieder die Gemeinschaft. Die Ordensgruppe zählt nach eigenen Angaben mehr als 900 Priester, die in rund 20 Ländern der Erde tätig sind.

Die Fokolar-Bewegung (Focolarini)
Diese Bewegung propagiert einen neuen Typus von Politik und Wirtschaft. Mit der Unterstützung des vatikanischen Staatssekretärs Tarcisio Bertone sind mehrere Anhänger der Bewegung im Vatikan in Schlüsselpositionen aufgerückt. Zu den prominenten Mitgliedern gehört der eher konservative Kardinal Ennio Antonelli, emeritierter Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie. Die Fokolar-Bewegung zählt laut eigenen Angaben 100.000 Mitglieder in 182 Ländern und mehr als 4,5 Millionen Menschen, die weltweit mit ihr "in Verbindung stehen". In Österreich umfasst die 1962 unter Papst Johannes XXIII. von der katholischen Kirche approbierte Gemeinschaft rund 1.300 Mitglieder.

Kolumbus-Ritter (Knights of Columbus)
Die vom US-Priester Michael McGivney 1882 gegründete Vereinigung ist mit mehr als 1,7 Millionen Mitgliedern nach eigenen Angaben die größte Laienorganisation der katholischen Kirche. Der Vorsitzende der Kolumbusritter, Carl Anderson, sitzt im Board der Vatikanbank IOR. Die Vereinigung hat unter anderem die Restaurierung der Fassade der Peterskirche finanziert. Die Kolumbusritter unterstützen im Konklave den Erzbischof von New York, Timothy Dolan, sowie den Bostoner Kardinal Sean O'Malley.

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