Konklave: Schwarzer Rauch über der Sixtinischen Kapelle

Konklave: Schwarzer Rauch über der Sixtinischen Kapelle

Die Kardinäle im Vatikan haben sich auch am Vormittag des zweiten Wahltages nicht auf einen neuen Papst einigen können. Um zu zeigen, dass auch der zweite und dritte Wahlgang nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit brachte, stieg am Mittwoch um 11.39 Uhr - deutlich früher als erwartet - erneut schwarzer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle.

Zwei weitere Abstimmungen sind für den Nachmittag vorgesehen. 115 Purpurträger aus aller Welt sind seit Dienstagnachmittag im Vatikan im Konklave versammelt, um über die künftige Führung der katholischen Kirche zu entscheiden.

Der vatikanische Pressesprecher, Pater Federico Lombardi, dementierte Gerüchte über Spannungen zwischen den Kardinälen nachdem seit Beginn des Konklaves bereits zweimal schwarzer Rauch aufgestiegen war. "Zwei Mal schwarzer Rauch ist sehr normal. Das ist keineswegs ein Zeichen der Spaltung im Kardinalskollegium", betonte Lombardi bei einer Pressekonferenz im Vatikan.

Nach dem Mittagessen im Gästehaus Santa Maria werden die Kardinäle um 16 Uhr erneut in die Sixtinische Kapelle gebracht. Der nächste Wahlgang soll gegen 16.50 Uhr beginnen. Nach zwei weiteren Durchgängen ohne Entscheidung steigt um 19.00 Uhr wieder schwarzer Rauch auf. Sollte die Papst-Wahl im ersten Durchgang am Nachmittag erfolgen, kann der Rauch schon früher, gegen 17.30 Uhr, aufsteigen.

Kardinal Christoph Schönborn betonte in einem Kommentar für die am Donnerstag erscheinende Ausgabe des Magazins "News", dass ein Konklave nicht mit einer parlamentarischen Abstimmung vergleichbar sei. In der Sixtina werde "nicht geschwätzt oder diskutiert, sondern gebetet und abgestimmt", schrieb der 68-Jährige.

Nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" verliert einer der Favoriten, der Mailänder Erzbischof Angelo Scola an Boden. Der 71-jährige Lombarde kann zwar mit etwa 40 Stimmen rechnen, die notwendige Mehrheit von 77 zu erreichen könnte für Scola jedoch schwierig werden. In der US-Tageszeitung "Wall Street Journal" wirft ein europäischer Kardinal, der anonym bleiben wollte, Scola zu enge Verbindungen zur Politik vor. Auch die Chancen des Brasilianers Odilo Scherer sind laut italienischen Medien im Sinkflug. Der Erzbischof von Sao Paolo, der mit der Unterstützung mehrerer Kurienmitglieder rechnen könne, gelte bei vielen ausländischen Kardinälen als zu konservativ. Scherer habe gegenüber anderen Kandidaten aus Nordamerika, unter anderem dem Kanadier Marc Oullet und dem New Yorker Erzbischof Timothy Dolan, an Boden verloren.

Sollte sich auch in den nächsten Wahlgängen kein starker Kandidat profilieren, könnte es zur Wahl eines Außenseiters kommen, spekulierten Vatikan-Insider. Zu ihnen zählt der ungarische Primas Peter Erdö, Chef der europäischen Bischofskonferenz. Der 60-Jährige sei energisch und in der Lage, die Kirche zu reformieren. Zugleich habe er beste Beziehungen zum emeritierten Papst Benedikt XVI. und zu seinen Vertrauten, hieß es. Auch Schönborn werden Chancen eingeräumt.

Der zum erweiterten Kreis der Kandidaten zählende Ghanese Peter Turkson hat sich "in einem CNN-Interview zum Thema Homosexualität selbst verbrannt", sagte der Vatikan-Experte Andreas Englisch der Tageszeitung "Österreich" (Mittwochsausgabe). Turkson hatte erklärt, dass Homosexuelle Schuld daran seien, dass Kinder durch pädophile Priester missbraucht werden. Er fügte außerdem hinzu, dass es so etwas auf dem afrikanischen Kontinent nicht gebe.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. verfolge die Ereignisse im Vatikan mit "Aufmerksamkeit und spiritueller Beteiligung", wie Lombardi betonte. Im Fernsehen habe er die Messe "Pro Eligendo Pontifice" vor Beginn des Konklaves und den Einzug der Kardinäle in die Sixtinische Kapelle verfolgt. Benedikt werde höchstwahrscheinlich nicht an der Messe zum Amtsantritt des neuen Papstes teilnehmen, meinte der Sprecher. Auch Schönborn erklärte in einem vor Beginn des Konklaves durchgeführten Interview, er habe seit seiner Ankunft in Rom zwar keinen direkten Kontakt mit Benedikt gehabt, habe aber dessen "spirituelle Präsenz" gespürt, wie das Internetportal "Vatican Insider" berichtete.

Die Kameras vieler internationaler Nachrichtensender hielten den abseits gelegenen Rauchfang der Sixtinischen Kapelle ständig im Fokus und übertrugen die Live-Aufnahmen weltweit und auf vier Großleinwände vor dem Petersdom. Auf dem Petersplatz herrschte gedämpfte Stimmung. Starker Regen und Gerüchte, laut denen es nicht vor dem Abend zu einem Ergebnis der Papst-Wahl kommen werde, sorgten dafür, dass der erwartete Trubel auf dem Petersplatz zumindest am Vormittag ausfiel.

Kleinere Gruppen von Pilgern versammelten sich vor dem Eingang der Peterskirche und richteten ihre Blicke gebannt auf den Rauchfang der Sixtina. Pilger mussten Schlange stehen und vor dem Eingang zum Petersplatz Kontrollen über sich ergehen lassen. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden massiv verstärkt. Am Mittwoch waren etwa 1.000 Sicherheitskräfte auf dem Petersplatz und rund um den Vatikan im Einsatz.

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