Konjunkturlokomotive Deutschland nimmt Fahrt auf

Konjunkturlokomotive Deutschland nimmt Fahrt auf

Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland dürfte mindestens so stark zugelegt haben wie Anfang 2012, als ein Plus von 0,6 Prozent heraussprang. Optimisten rechnen gar mit einer Eins vor dem Komma. Damit schickt sich die Konjunkturlokomotive Deutschland an, die Euro-Zone aus der Rezession zu ziehen.

Das Statistische Bundesamt wird erst am kommenden Mittwoch das Geheimnis lüften, wie stark die Konjunktur im Frühjahr tatsächlich in Fahrt gekommen ist. Doch eins ist schon jetzt klar: Nach dem extrem kalten Winter, durch den auf dem Bau viel Arbeit liegenblieb, staute sich enormer Nachholbedarf an. Doch offenbar steckt mehr als nur ein witterungsbedingter Aufholeffekt dahinter: "Der Aufschwung gewinnt zunehmend an Substanz", meint Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB. Die blendende Kauflaune der Verbraucher, die zuletzt kräftige Industrieproduktion und sich gut füllende Auftragsbücher sind ein gutes Omen. Auch die Exporteure, die im ersten Halbjahr Federn lassen mussten, blasen zur Aufholjagd.

Trotz eines Umsatzrückgangs in den ersten sechs Monaten hält der Außenhandel an seiner Prognose eines Umsatzwachstums von drei Prozent für 2013 fest: "Wir glauben, dass wir es noch schaffen können", betont Außenhandelspräsident Anton Börner im Gespräch mit Reuters. Insbesondere im vierten Quartal erwartet er einen Exportschub: "Darauf deuten auch die jüngsten Auftragseingänge hin." Großaufträge hatten der Industrie im Juni mit einem Zuwachs von 3,8 Prozent das stärkste Plus seit einem dreiviertel Jahr beschert. Das Auslandsgeschäft zog dabei sogar überdurchschnittlich an.

Wann springt der Investitionsmotor an?

Unter dem Strich werde der Außenhandel das Wachstum im Gesamtjahr dennoch bremsen, prophezeit Ökonom Marcel Fratzscher, dessen Berliner DIW zum erlauchten Kreis der Wirtschaftsinstitute gehört, die die Bundesregierung beraten. "Haupttreiber wird der private Konsum sein." Zudem gebe es die Hoffnung, dass sich nach der schwachen Entwicklung der vergangenen Jahre bei den Investitionen endlich etwas tue. "Die Bedingungen sind günstig. Wir haben einen starken Arbeitsmarkt und von der Fiskalpolitik gehen zurzeit keine Risiken aus." Bei den Investitionen gibt es laut Fratzscher ein "riesiges Potenzial, auch für nächstes Jahr".

Commerzbank-Analystin Ulrike Rondorf erwartet, dass in den kommenden Monaten auch die Produktion in der Tendenz zulegen wird. Das Plus bei den Investitionsgüteraufträgen und die Stimmungsindikatoren zeigten, dass die Unternehmer wieder Mut fassten. "So lässt der negative Einfluss der Staatsschuldenkrise nach und der massive geldpolitische Stimulus gewinnt an Bedeutung."

Die Konsumenten sind in Kauflaune

Die von der EZB betriebene Niedrigzinspolitik sorgt zugleich dafür, dass die deutschen Verbraucher ihr Geld lieber ausgeben, als es auf die hohe Kante zu legen. Beste Voraussetzungen also, dass der private Konsum zur festen Wachstumsstütze wird. Für August prognostizieren die Nürnberger GfK-Marktforscher einen Anstieg ihres Konsumbarometers auf den höchsten Stand seit September 2007. Die Bereitschaft zum Ankauf von Möbeln und anderer kostspieliger Güter liegt auf dem höchsten Stand seit anderthalb Jahren.

Trotz spendabler Verbraucher und anziehender Industrieproduktion dürfte die Wachstumszahl für das Gesamtjahr dennoch nicht berauschend ausfallen: Die Bundesregierung rechnet mit 0,5 Prozent. Carsten Brzeski von ING Global Economics erwartet im zweiten Quartal maximal 0,9 Prozent Wachstum. "Der große Treiber dürfte in der Tat der Bau gewesen sein." Dieser Sondereffekt werde jedoch im zweiten Halbjahr verpuffen. So dürfte das Wachstumstempo dann in den folgenden Vierteljahren auf 0,3 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent sinken.

Dennoch könnte die Stärke der hiesigen Wirtschaft im Frühjahr dem lahmenden Euro-Raum auf die Beine helfen. Analyst Mario Gruppe von der NordLB rechnet mit einem Anstieg der deutschen Wirtschaftsleistung im Frühjahr um rund ein Prozent: "Damit können wir auch die Rezession in der Euro-Zone für beendet erklären." Und die Brüsseler Statistiker von Eurostat dürften seiner Ansicht nach am kommenden Mittwoch endlich wieder ein positives BIP-Wachstum ausweisen - erstmals seit dem Sommer 2011.

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