Kirch gegen Deutsche Bank geht in die Zielgerade

Kirch gegen Deutsche Bank geht in die Zielgerade

Wen alles glatt läuft entscheidet sich noch im Herbst der nilliardenschwere Rechtsstreit rund um die Insolvenz des Medienkonzerns von Leo Kirch.

Der milliardenschwere Schadenersatzprozess der Erben von Leo Kirch gegen die Deutsche Bank kommt auf die Zielgerade. An diesem Montag (8. Oktober/14.00) geht die seit Mitte Mai unterbrochene Verhandlung weiter. Damit rückt zehn Jahre nach der Pleite des Kirch-Imperiums das Urteil in dem Mammutprozess näher. Doch wie das Oberlandesgericht München am Ende auch entscheidet, der milliardenschwere Streit dürfte weiter gehen, ein Zivilverfahren ist zudem ohnehin noch anhängig. Aber zunächst stehen unter dem nüchternen Aktenzeichen 5U 2472/09 weitere Aussagen auf dem Programm des Verfahrens. Ein Urteil könnte dann am 16. November fallen.

Das Gericht hat bereits angeordnet, dass an diesem Tag der neue Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen und der Geschäftsführer der Kläger persönlich im Gerichtssaal erscheinen müssen. Eine bereits unterschriftsreife Einigung der beiden Seiten war im März spektakulär gescheitert und damit auch eine Möglichkeit, den jahrelangen Streit ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen. Die Erben des im Juli 2011 verstorbenen Leo Kirch (Bild) werfen der Bank vor, den Münchner Film- und Fernsehkonzern 2002 in die Pleite getrieben zu haben. In diesem Prozess fordern sie mehr als 2 Mrd. Euro Schadenersatz - von der Bank, aber auch von ihrem früheren Chef Rolf Breuer.

Der hatte in einem Fernsehinterview Wochen vor der Pleite die Kreditwürdigkeit Kirchs öffentlich angezweifelt - und das obwohl Teile von Kirchs Firmengeflecht Kreditkunden bei der Bank waren. Kirch klagte danach jahrelang durch alle Instanzen, bisher ohne wirklichen Erfolg. Daneben ist noch ein weiteres Berufungsverfahren über 1,3 Mrd. Euro anhängig. Dass sich beide Seiten nach dem Urteil mit dem Spruch zufriedengeben werden, gilt zumindest als unwahrscheinlich. Gut möglich, dass sich der Bundesgerichtshof erneut mit der Milliardenforderung befassen muss.

Beeindruckend sind aber nicht nur die Dauer des komplexen Rechtsstreits oder die Summen, um die es dabei geht, auch die lange Liste prominenter Zeugen hielt das Interesse an dem schwierigen Verfahren aufrecht. Zuletzt sagte Mitte Mai die Verlegerin Friede Springer aus. Davor hatte das Gericht neben dem früheren Bank-Chef Josef Ackermann Unternehmer Thomas Middelhoff befragt, sogar Leo Kirch trat Wochen vor seinem Tod noch in den Zeugenstand. Auch wenn der schwer kranke Kirch nicht mehr viel zum Fortgang der Verhandlung beitragen konnte, allein der Auftritt war eine kleine Sensation.

Am Montag will der Senat die Münchner Anglistik-Professorin Angela Hahn und die Jenaer Professorin Sharon Byrd als Gutachterinnen zu einem in Englisch verfassten Vorstandsprotokoll der Deutschen Bank vom Jänner 2002 hören. Bisher ist strittig, ob die Bank drei Monate vor der Kirch-Pleite von Interessenten an dem Medienkonzern kontaktiert worden war. Am 12. Oktober soll der frühere Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn über einen Anfang 2002 geplanten Verkauf der ProSiebenSat.1 für 1,3 Mrd. Euro an Walt Disney aussagen, der wegen des legendären Interviews des damaligen Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer geplatzt sein soll.

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