Kann China die Weltwirtschaft noch ankurbeln?

Kann China die Weltwirtschaft noch ankurbeln?

Die weitere Entwicklung von Chinas Wirtschaft ist entscheidung für die Weltkonjunktur – Europa und USA blicken gebannt auf die zweitgrößte Volkswirtschaft.

Sanfte Landung oder harter Fall - welche Entwicklung nimmt Chinas Wirtschaft? Kommt die Lokomotive der Weltkonjunktur wieder ausreichend in Fahrt, um den lahmenden USA auf die Sprünge zu helfen und das schuldengeplagte Europa aus der Krise zu ziehen? Seit Monaten quälen diese Fragen Unternehmenslenker und Finanzmarktakteure weltweit. Die Prognose-Profis sind ratlos. Wenn sich ihnen die Zukunft verhüllt, bemühen sie gerne Rückblicke in die Vergangenheit. Und wenigstens dieser Vergleich gibt den Optimisten Rückenwind. Denn mehreren Indikatoren zufolge befindet sich die zweitgrößte Volkswirtschaft in einer ähnlichen Lage wie im Frühjahr 2009, als sie sich sehr rasch von der internationalen Finanzkrise zu erholen begann.

Wachstum sehr schwach

Im laufenden Jahr war das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal so schwach wie seit dem Auftaktvierteljahr 2009 nicht mehr. Die Industrieproduktion stieg zuletzt so langsam wie im Jahr 2009. Und nicht zuletzt richtet sich der Blick auf die Börse in Shanghai: Sie liegt derzeit 18 Prozent unter ihrem Jahreshoch und damit in etwa auf dem Niveau von März 2009. Damals befand sich das Land ökonomisch vor der Kehrtwende. Nachdem sich das Wachstum über sieben Quartale kontinuierlich verringert hatte, ging es dann wieder rapide bergauf, wie Daten von Thomson Reuters zeigen. Würde sich dieses Muster wiederholen, bräuchten Firmen und Märkte nur noch ein wenig Geduld. Denn aktuell hat die chinesische Wirtschaft eine vergleichbare Durststrecke von sechs Quartalen hinter sich.

Licht am Ende des Tunnels ist jedoch für die meisten Volkswirte nicht auszumachen. Es gebe weiter keine Anzeichen dafür, dass der Trend des abnehmenden Wachstums zu Ende gehe, sagt etwa Wang Jun von der staatlichen Denkfabrik China Centre for International Economic Exchanges. Ironie des Schicksals dabei ist: Die Gründe für die kräftige Erholung 2009 könnten dazu beitragen, dass es dieses Mal genau dazu nicht kommt. Damals hatte die Führung in Peking umgerechnet 500 Milliarden Euro in die Hand genommen, um die Konjunktur in Schwung zu bringen. Damit trieb sie zugleich aber auch die Inflation hoch und heizte den Häusermarkt gewaltig an. Um diese unliebsamen Nebeneffekte in den Griff zu bekommen, beschloss die Regierung später Schritte zur Drosselung der Immobilienpreise. Mittlerweile lässt sie die Zügel wieder etwas lockerer, doch die Devise dabei lautet Vorsicht.

Zinssenkungen ohne Erfolg

Nach Ansicht von Analysten der ANZ Bank blieben die beiden Zinssenkungen der chinesischen Notenbank sowie deren Schritte zur Erleichterung der Kreditvergabe bislang ohne durchschlagenden Erfolg. "Viele Daten zeigen, dass die Dynamik von Chinas Wirtschaftswachstum deutlich abnimmt", urteilen sie. Spürbar aggressivere Schritte sind bislang nicht zu erwarten. Denn zum einen wäre ihre Wirkung begrenzt, da inzwischen mehr Kapital aus China abfließt - und damit zur Ankurbelung der heimischen Konjunktur nicht mehr zur Verfügung steht - und zudem die Nachfrage nach Bankdarlehen schwach ist. Und zum anderen steht die politische Führung längst nicht so stark unter Druck wie vor dreieinhalb Jahren. "Es gibt keine großen Entlassungen", erläutert Volkswirt Zhu Baoliang vom State Information Centre.

Im Winter 2008/2009 war es dagegen zu massiven Stellenstreichungen gekommen. Binnen Monaten verloren mindestens 20 Millionen Wanderarbeiter ihre Jobs. Sollte es erneut zu einem Kahlschlag dieses Ausmaßes kommen, würde die Regierung wohl entschlossen den Schalter umlegen. Denn die Kommunistische Partei bereitet gerade einen umfassenden Führungswechsel vor und dürfte mehr als ohnehin bereits darum bemüht sein, soziale Unruhen zu verhindern.

Parallelen zu 2008

Ökonomisch steht die Volksrepublik also an einem Punkt, der hoffnungsvoll stimmende Parallelen mit der Krise nach der Lehman-Pleite im September 2008 aufweist. Weil es zugleich allerdings maßgebliche Unterschiede gibt, gießen die Auguren Wasser in den Wein. "Ich gehe nicht davon aus, dass es viel schlimmer kommt", sagt Arthur Kroeber von GK Dragonomics in Peking. Seiner Einschätzung nach werde es jedoch ziemlich lange dauern, bis das Wachstum wieder kräftig anzieht.

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