Kampf der Inflation: Jetzt ist Kreativität gefragt

Kampf der Inflation: Jetzt ist Kreativität gefragt

Angst vor Inflation treibt die Anleger in Europa in Sachwerte, aber auch in ausgefallene - und riskante - Projekte. Was meinen die Analysten dazu?

In den Köpfen der Anleger spukt es bereits herum: das Schreckgespenst der Inflation. Noch ist es nicht soweit, da sind sich die Analysten einig, aber die Furcht davor ist nicht zu leugnen. Die Angst vor der Geldentwertung dürfte die Nachfrage nach Sachwerten wie Immobilien und Rohstoffen weiter ankurbeln, sagen Experten. Aber auch exotischere Anlagen wie Schiffe, Flugzeuge und Infrastruktur könnten in Mode kommen.

"Es gibt bei institutionellen Investoren einen Trend zu Sachwerten", sagt Christoph von Reiche, Leiter des Asset Managements von Goldman Sachs in Deutschland und Österreich. "Sie werden als Inflationsschutz gekauft." Für die Analysten der Deutschen Bank sind es zwei Gründe, die diese Anlageklasse interessant machen. "Die hohe Volatilität auf den Finanzmärkten seit Beginn der weltweiten Finanzkrise und die Sorge vieler Anleger vor hohen Inflationsraten sind die wichtigsten Triebkräfte", schreiben sie in einer Studie. Der Trend zu Sachwerten war vor einigen Wochen auch auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart zu sehen. Dort wurden neben klassischen Finanzprodukten wie Fonds und Zertifikaten auch Oldtimer, Wald, Landflächen und Münzen feilgeboten.

Mit der Euro-Schuldenkrise und immer wieder neuen Hiobsbotschaften aus Griechenland und Spanien ist es für Anleger zuletzt immer schwieriger geworden, eine ordentliche und konstante Rendite zu erwirtschaften. Staatsanleihen der als solide geltenden Länder lohnen sich wegen ihrer niedrigen Rendite nicht, Aktien haben mit ihren teilweise großen Schwankungen den Anlegern das Leben zuletzt schwergemacht.

Dazu kommt die Angst vor einer hohen Teuerung. Noch ist die Inflation im Griff, derzeit beträgt sie in Deutschland 1,9 Prozent, in der Euro-Zone 2,4 Prozent. Bei einer Inflation von knapp zwei Prozent spricht die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen. Steigt aber die Inflation, verliert Geld an Wert und damit auch Anlagen wie Festgeld, Geldmarktpapiere und Anleihen. Helmut Kurz, Fondsmanager bei dem auf Immobilien spezialisierten Bankhaus Ellwanger & Geiger, sieht mittel- bis langfristig das Risiko einer höheren Inflation. Daher müssten Investoren ihr Portfolio breiter aufstellen. "Es ist im Moment für Anleger wichtiger als in normalen Zeiten, Sachwerte höher zu gewichten", rät er. Das gehe zulasten von Anleihen und Geldmarktpapieren.

Goldbarren, Flugzeuge, Schiffe

Die Auswahl an Sachwerten ist riesig. In der Regel zählen Experten Immobilien dazu sowie Rohstoffe und teilweise Aktien. Aber auch Investitionen in Flugzeuge, Schiffe, Infrastruktur, Agrarland und Wald gehören zu Sachwerten. Eher etwas für Liebhaber dürften Kunst, Wein, Oldtimer, alte Bücher oder Uhren sein.

Goldman-Experte von Reiche findet Immobilien, Wald und Investitionen in Infrastruktur interessant. Gold ist seiner Meinung nach für institutionelle Investoren weniger attraktiv. "Ein klassisches Privatanlegerthema wie Gold ist für die Institutionellen eher nicht geeignet, denn da sind die Schwankungen zu hoch und es gibt keine Verzinsung." Die eher klassischen Sachwerte bevorzugt Fondsmanager Kurz. Bei Immobilien rät er, außer bei Großvermögen, von Direktinvestitionen ab und zieht Immobilienaktien und börsennotierte Immobilienfonds (REITs) vor. Auch Aktien, die nichts mit Immobilien zu tun haben, seien als Sachwert interessant. "Sie sind langfristig die attraktivste Anlageklasse." Im Bereich der Rohstoffe setzt er vor allem auf Edelmetallaktien.

Auch die Exoten unter den Sachwerten böten gute Renditechancen, schreiben die Analysten der Deutschen Bank. Sie nennen als Beispiele Offshore-Windparks, Wasserkraftwerke und Agrarland. Für Investitionen in Schiffe und Flugzeuge spreche etwa, "dass beide Verkehrsträger auch in den kommenden Jahren mengenmäßig weiter expandieren werden".

Chancen, aber auch Risiken

Die enorme Bandbreite der Anlagemöglichkeiten macht die Fallstricke deutlich. Während sich die Anleger bei den an der Börse gehandelten Aktien oder Anlageprodukten mit Rohstoffen oder Immobilien noch gut selbst informieren können und sie auch leicht zu erwerben sind, wird es bei Themen wie Infrastruktur oder Schiffen schwierig. An Schiffen und Flugzeugen können Anleger meist über geschlossene Fonds teilhaben, Anlagen in Infrastruktur laufen über die Beteiligung an einzelnen Projekten.

Für den Normalanleger mit einem begrenzten Budget sind diese Anlagen eher nichts, denn er bewegt sich hier schnell auf unbekanntem Terrain. Die Analysten der Deutschen Bank weisen auf ein weiteres Risiko hin: "Sachinvestoren brauchen zudem einen eher langen Anlagehorizont, da Anlagen in Sachwerte in der Regel mit einer langen Kapitalbindung verbunden sind." Außerdem seien sie schwierig zu handeln und es müssten oft große Summen investiert werden. Die Anleger müssten oft unternehmerische Risiken eingehen. Und das habe einen entscheidenden Nachteil, warnen sie: "Dies kann auch den Totalverlust der Einlage zur Folge haben."

- Reuters

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