Kambodscha: Behörden räumen gewaltsam Protestlager

Kambodscha: Behörden räumen gewaltsam Protestlager

Nach tödlichen Zusammenstößen zwischen streikenden Textilarbeitern und der Polizei in Kambodscha haben die Behörden ein Protestlager geräumt. Wachleute sowie Angestellte der Hauptstadt Phnom Penh setzten dabei am Samstag auch Eisenstangen und Äxte ein, um Zelte und eine Bühne einzureißen. Die Bereitschaftspolizei überwachte die Räumung, hielt sich aber zurück.

Phnom Penh. Am Freitag hatten tausende Textilarbeiter in einem Industriegebiet Flaschen, Steine und Brandsätze geworfen. Polizisten eröffneten das Feuer und töteten vier von ihnen. In dem Komplex wird auch Bekleidung für Firmen wie Adidas oder Puma hergestellt. Die Textilarbeiter verlangen höhere Löhne und haben sich mit Oppositionellen verbündet, die der Regierung Wahlbetrug vorwerfen.

Der Chef des Oppositionsbündnisses CNRP, Sam Rainsy, verurteilte die Gewalt und verlangte gründliche Ermittlungen. Auch aus dem Ausland kommt Kritik am Vorgehen der Sicherheitskräfte. "Es ist eine Tragödie, wenn streikende Arbeiter beim Eintreten für ihre Rechte geschlagen und getötet werden", sagte Außenminister Frank-Walther Steinmeier. In Kambodscha hergestellte Produkte werden auch in der Bundesrepublik gekauft und täglich genutzt. Phnom Penhs Gouverneur Pa Socheatvong erklärte, der oppositionellen Partei CNRP würden erst dann wieder neue Demonstrationen und Protestmärsche erlaubt, "wenn die nationale Sicherheitssituation und öffentliche Ordnung wieder normal hergestellt ist". Oppositionssprecher Yim Sovann verurteilte dies als "Akt der kommunistischen Diktatur". Ursprünglich hatte die Partei ab Sonntag dreitägige Proteste geplant.

Krise in Kambodscha

Die Textilarbeiter fordern eine Verdopplung des Mindestlohns von derzeit 80 Dollar (etwa 57 Euro). Eine von der Regierung zugesagte Erhöhung auf 95 Dollar ab April lehnen die Gewerkschaften als unzureichend ab. In der Textilindustrie sind rund 650.000 Menschen tätig. 400.000 von ihnen nähen für internationale Modemarken.

Der Sektor ist eine wichtige Devisenquelle für das südostasiatische Königreich, das zu den ärmsten Ländern Asiens zählt. In jüngster Zeit häuften sich Proteste gegen die Arbeitsbedingungen und Löhne. Für den seit bald drei Jahrzehnten regierenden Ministerpräsidenten Hun Sen sind die Streiks eine ernste Herausforderung. Hinzu kommen die Proteste der Opposition, die ihm Fälschung der Wahlen im Juli vorwirft und seinen Rücktritt fordert.

Adidas und Puma betroffen

Adidas erklärte, das Unternehmen verfolge die Ereignisse mit Besorgnis. "Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Zulieferern in Kambodscha und hoffen auf eine friedliche Lösung der Situation." Eine Puma-Sprecherin äußerte sich nicht zu den Arbeitskämpfen. Nach Angaben des Konzernes ruht zurzeit der Betrieb in einigen Werken in der Region Phnom Penh.

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