Jim Rogers: "Wir werden den Preis dafür bezahlen"

Jim Rogers: "Wir werden den Preis dafür bezahlen"

Der Starinvestor Jim Rogers tanzt aus der Reihe. Im Gespräch mit Reuters erklärt er, warum China trotz Wirtschaftsflaute nicht wie von anderen Ökonomen gefordert, die Geldpolitik weiter lockern sollte. Den Bullenmarkt bei den Rohstoffen sieht er nicht gefährdet.

Chinas Wirtschaft verliert zunehmend an Schwung. Das BIP-Wachstum hat sich in sieben Quartalen hintereinander immer weiter abgeschwächt. Die Börse vegetiert mittlerweile auf dem tiefsten Stand seit über drei Jahren vor sich hin.

Bereits im Juni und Juli hat Peking die Geldpolitik gelockert, um die merkliche Konjunkturabkühlung zu bremsen. Fachleute gehen davon aus, dass es weiterer geldpolitischer Schritte bedarf, um die Wirtschaft zu stützen. "Peking muss die Lockerung verstärken, um das Wachstum zu stabilisieren und die Lage am Arbeitsmarkt zu verbessern", sagte HSBC-Experte Qu.

Jim Rogers ist diesbezüglich gänzlich anderer Meinung, wie er im Gespräch mit Reuters klarmacht. Der Starinvestor würde die Geldpolitik nicht lockern - zumindest noch nicht: "Die Chinesen haben immer noch Inflation und immer noch die Überbleibsel der Immobilienblase. Von Anfang an war das einzige Ziel der straffen Geldpolitik, gegen die Inflation und die Immobilienblase vorzugehen - beides haben sie nach wie vor. Wenn ich China wäre, würde ich warten, bis beides ausgemerzt ist und dann würde ich mit der Lockerung der Geldpolitik beginnen."

"Letzten Endes würde es viel, viel schlimmer kommen"

Entsprechend teilt er die Angst vor einer sogenannten harten Landung der chinesischen Wirtschaft und den Folgen für den Rest der Welt nur begrenzt: "China wächst nach wie vor. China wird nicht vom Erdboden verschluckt, wie so manch westliches Land", ist Rogers überzeugt. Die chinesische Wirtschaft sei immer noch robust. Und, so der Investor: "Natürlich spüren einige Menschen die Auswirkungen des schwächeren Wachstums, aber letzten Endes, wenn man nicht gegen Inflation und gegen die Immobilienblase vorgeht, wird es viel viel schlimmer - und dann leidet jeder nur noch mehr."

Selbst wenn das Wachstum unter die Zielmarke der Regierung von 7,5 Prozent fallen würde, wäre das laut Rogers kein Beinbruch - der Grund dafür ist simpel: "Ich achte nicht auf Wachstumszahlen von Regierungen, denn die sind in den meisten Fällen sowieso erfunden. Egal, ob es die Daten von Deutschland, den USA, Australien oder China sind - ich beachte sie gar nicht." Wie weit sich das Wachstum abschwächen könnte, kann Rogers nicht sagen - aber: "Warum könnte China nicht auch eine Rezession haben? Die USA hatten 15 Depressionen bevor sie im 20. Jahrhundert dennoch die stärkste Wirtschaftsnation wurden."

Der Starinvestor sieht die Lage nüchtern: "Einige Teile der chinesischen Wirtschaft werden sich abschwächen - jeder der mit dem Westen zu tun hat, wird wissen, dass etwas schief läuft. Aber andere Teile der Wirtschaft werden sich weiter gut halten, egal was passiert - etwa alles, was mit Wasserversorgung oder Umweltverschmutzung zu tun hat. Einige Wirtschaftssegmente werden weiter boomen, selbst wenn der Westen vom Erdboden verschluckt wird."

Den von ihm immer wieder prophezeiten Bullenmarkt bei den Rohstoffen sieht Rogers selbst durch die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft nicht gefährdet: "Natürlich, wann immer es zu einem Nachfragerückgang kommt, wird es die Rohstoffpreise beeinflussen. Jedes Mal, wenn sich das Wachstum von China oder den USA oder sonst eines Landes abschwächt, wird irgendjemand es zu spüren bekommen. Aber der Bullenmarkt bei den Rohstoffen ist nicht vorbei." Auch die Aktienmärkte hatten, so Rogers, im Laufe des Bullenmarktes zwischen 1982 und 2000 immer wieder einmal ordentliche Einbrüche: "Doch das war nicht das Ende des Bullenmarktes, sondern bloß eine Korrektur. Das ist genau, was aktuell bei einigen Rohstoffen passiert."

"Denn sie wissen nicht, was sie tun"

Angst davor, dass er mit seiner bullishen Einstellung zu Rohstoffen falsch liegen könnte, hat der Börse-Guru also nicht. Auch die Lage Chinas macht ihm keine Sorgen - es sind die Notenbanken, die ihn nachts nicht schlafen lassen: "Die größten Sorgen bereitet mir die Zentralbank der USA bzw. die Zentralbanken überall auf der Welt - aber vor allem die der USA. Sie scheinen einfach nicht zu verstehen, was aktuell passiert, und drucken einfach weiter viel, viel Geld. Das wird letzten Endes riesige Probleme verursachen - für jeden von uns. Ich wünschte, sie wüssten, was sie tun, aber sie wissen es nicht. Wir werden den Preis dafür bezahlen."

Er stellt sich in diesem Punkt auf die Seite Pekings: "Die Chinesen versuchen längste Zeit, den Amerikanern zu erklären, 'Schaut her, ihr druckt Geld, das ist nicht gut. Wir sind ein Gläubiger von Euch, wir sind Euer größter Gläubiger - wir wollen nicht, dass Ihr Eure Währung entwertet'. Ich bin ein Steuerzahler und ein Wähler in den USA - ich will auch nicht, dass die Fed Geld druckt und den Dollar entwertet. Das ist für niemanden gut."

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa