Jagd auf Piraten vor Somalia wirkt: Aus Seeräubern werden Fischer

Jagd auf Piraten vor Somalia wirkt: Aus Seeräubern werden Fischer

Die Angriffe somalischer Piraten auf Handels- und Tankschiffe sind als Folge der EU-Anti-Piraten-Mission "Atalanta", einem Amnestie-Angebot und einer intensiven Jagd auf die Seeräuber stark zurückgegangen. Auch russische Touristen sollen bereits als Piratenjäger unterwegs gewesen sein.

Im April 2005 geriet Somalia ins Zentrum der Weltöffentlichkeit, als eine Gruppe moderner Piraten vor der Küste des ostafrikanischen Krisenlandes ein Schiff kaperte. Seitdem entführten die Piraten nach Angaben von Somalias Innenminister Abdullahi Godah Barre insgesamt 194 Schiffe, mehr als 3.700 Seeleute befanden sich zeitweise in ihren Händen. Auf dem Höhepunkt der Pirateriewelle 2011 gab es 243 Kaperversuche.

Die Reeder reagierten auf die Angriffe mit einer intensiven Bewachung der Schiffe und die EU startete ihre Anti-Piraten-Mission "Atalanta". Piraten zu jagen soll in gewissen Kreisen sogar zu einem Sport geworden sein. Russische Unternehmer haben Medienberichten zufolge Piratenjagden gegen Bargeld angeboten. Knapp 6000 Dollar mussten die Jäger dafür pro Tag bezahlen, um mit Granatwerfern und Kalaschnikows auf Seeräuber zielen zu können.


Bild: © Ho New / Reuters

Doch die Zeiten haben sich geändert. Piraten können nicht mehr einfach jeden vorbeifahrenden Öltanker in ihre Gewalt bringen. Die Regierung bot Piraten eine Amnestie an, viele akzeptierten. 2013 gab es weniger als zehn Angriffe, Tendenz fallend. In diesem Jahr meldete das Internationale Maritime Büro bisher nur fünf versuchte Angriffe. Dennoch befinden sich derzeit noch einige Dutzend Seeleute in Geiselhaft.

Schätzungen der Hafenbehörde zufolge sind nur noch etwa 30 Prozent der Piraten in ihrem angestammten Gewerbe tätig. Die meisten von ihnen stammen aus den teilautonomen Gebieten Himan und Heeb sowie aus Puntland, historischen Zentren der Piraterie in der Region.

Piraten werden Fischer

Somalias Küste ist etwa 3.300 Kilometer lang, eine der längsten auf dem afrikanischen Kontinent. Doch die Somalier essen nur wenig Fisch, etwa 3,3 Kilogramm im Jahr. Es gibt im Land keine Fischerkultur. Die Fischerei war nie ein wichtiger Wirtschaftszweig in Somalia. Doch das änderte sich, als sich Somalias Piraten plötzlich nach anderen Einnahmequellen umsehen mussten. Viele motteten ihre Kalaschnikow ein und packten die Netze aus.

Aber die Fischer sind nicht zufrieden. Internationale Fangflotten fischen mit ihren Schleppnetzen die Fischereigründe leer. Schiffe aus Korea und China fischten illegal in somalischen Gewässern, klagen Fischer, "Ihre Schiffe sind so groß, sie sehen aus wie riesige Städte."

Kaum jemand will aussprechen, was viele denken: Wenn sich die wirtschaftliche Lage der Fischer nicht bessert, könnten viele wieder zur Piraterie zurückkehren. Somalias Fischer könnten daher bald wieder Schiffe entführen und Lösegeld verlangen.

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