Italien oder Spanien – Wer bewegt sich zuerst?

Italien oder Spanien – Wer bewegt sich zuerst?

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy verzögert einen Antrag auf ein Rettungspaket für sein Land möglicherweise aus der Überlegung heraus, dass neuerliche Probleme am Markt auch Italien dazu zwingen, Hilfe zu beantragen. Das würde seine Verhandlungsposition stärken und ihm politischen Rückhalt verschaffen.

Wenn es Spanien gelingt, einen Antrag hinauszuzögern bis Italien ebenfalls die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) benötigt, wird es ein stärkeres Druckmittel in der Hand haben, sagte Raphael Gallardo, Leiter Makroökonomie bei Rothschild Asset Management in Paris. Spanien “wäre in besserer Gesellschaft und würde ein geringeres Stigma erleiden, wenn es zur selben Zeit wie Italien um Hilfe bitten würde”, fügte er hinzu.

Damit sein Kalkül aufgeht, muss Rajoy den Abstand zwischen spanischen und italienischen Kreditkosten verringern und den Trend, der spanische Renditen seit März über italienische getrieben hat, umkehren. Als Rajoy am 30. Dezember vergangenen Jahres sein erstes Maßnahmenpaket verkündete, stand die Rendite auf italienische zehnjährige Bonds 202 Basispunkte höher als die Rendite auf spanische Papiere. Im März überholten die spanischen Renditen die italienischen, im Juli erreichte der Abstand mit 116 Basispunkten seinen Höchststand.

Seit EZB-Präsident Mario Draghi verkündet hat, die Staatspapiere von Ländern, die ein ESM-Rettungspaket erhalten, aufzukaufen, ist der Abstand um 22 Basispunkte geringer geworden. Die Lücke könnte angesichts des Kapitalvolumens, das Italien dieses Jahr noch aufnehmen muss, noch weiter schrumpfen, schrieb Peter Schaffrik, Leiter Zinsenstrategie Europa bei RBC Capital Markets in New York in einer Analyse. Spanien hat bereits 83 Prozent des für dieses Jahr vorgesehenen Emissionsvolumens platziert.

Rajoy spielt auf Zeit

Rajoy verschließt sich dem Druck der Investoren, die auf seinen Hilfsantrag warten, und er ignoriert das Drängen Frankreichs, zu handeln, bevor die von Draghi angestoßene Rally verpufft. Der italienische Ministerpräsident Mario Monti hingegen versucht sich wohl so zu positionieren, dass sein Land von einer Rettung Spaniens profitieren würde, ohne sich den Bedingungen eines Pakets unterwerfen zu müssen.

“Die Anwendung der neuen Fazilität durch Spanien würde den Märkten zeigen, dass die Europäische Union nun die Instrumente besitzt, um dieses systemische Problem hinsichtlich der Transmission der Geldpolitik anzugehen”, erklärte Fabrizio Saccomanni, Generaldirektor der italienischen Zentralbank, in einem Interview am 24. September. Das könne sich günstig auf alle strukturellen Zinssätze im Markt auswirken.

Monti und Rajoy sind mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Während das italienische Haushaltsdefizit 2011 3,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachte, weist das Land vor der Zahlung von Schuldenzinsen einen Überschuss auf. Die Staatsschulden betragen 120 Prozent des BIP, nach Griechenland die höchste Verschuldung in der Eurozone. Spanien bemüht sich, ein Haushaltsdefizit abzubauen, das sich 2011 auf neun Prozent des BIP belief. Die 735 Mrd. Euro Schulden stellen allerdings nur 69 Prozent des BIP dar, der niedrigste Wert unter den vier größten Länder der Eurozone.

Die italienische Wirtschaft ist im zweiten Quartal um 0,8 Prozent geschrumpft, doppelt so stark wie die von Spanien, obwohl die spanische Arbeitslosigkeit mit 25 Prozent doppelt so hoch ist wie die Italiens.

Rajoys Hinhaltetaktik ruft in Deutschland - dessen Parlament einem Rettungspaket zustimmen müsste - gemischte Reaktionen hervor. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat signalisiert, dass er ein Hilfegesuch Spaniens für abwegig hielte. Michael Meister, der finanzpolitische Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, kritisierte Rajoys Haltung hingegen. “Er muss darlegen, wie die Lage ist”, sagte er in einem Interview am 24. September. Die Tatsache, dass Rajoy dies nicht tue, zeige, dass Rajoy ein Kommunikationsproblem habe. Wenn der spanische Regierungschef Hilfe brauche, müsse er es sagen, fügte Meister hinzu.

Die Bedingungen, die mit einem Rettungspaket verbunden wären, bleiben ein Stolperstein für Rajoy. Der spanische Regierungschef sagte im September, er werde es den EU-Beamten nicht erlauben, ihm politische Maßnahmen im Austausch für Finanzhilfe zu diktieren.

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