Italien und Spanien – Das doppelte Euro-Endspiel

Italien und Spanien – Das doppelte Euro-Endspiel

Monti gab sich als doppelter Punktsieger und wirkte trotz der langen Nacht frisch. Immerhin hatte die italienische Nationalmannschaft am Vorabend Deutschland bei der Fußball-Europameisterschaft besiegt. Und er selbst jubilierte, in den nächtlichen Verhandlungen der Euro-Gruppe sei endlich der Einstieg in die von Deutschland abgelehnten Eurobonds gelungen.

Dem wurde am frühen Freitagmorgen zwar umgehend und etwas verschnupft von der Bundesregierung widersprochen. Aber tatsächlich hat es das Duo infernale der beiden angeschlagenen Euro-Staaten Italien und Spanien geschafft, gleich zwei Euro-Veranstaltungen gleichzeitig aufzumischen. In Brüssel blockierten beide Regierungen die Verhandlungen um den Wachstumspakt so vehement, dass einige Diplomaten von Erpressung sprachen. Und ausgerechnet die südlichen Euro-Staaten, die derzeit Rekordaufschläge für ihre Staatsanleihen zahlen müssen und panisch um Hilfen baten, bestreiten am Samstag das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft in Kiew.

In Brüssel brachten Monti und sein spanischer Kollege Mariano Rajoy die gesamte Gipfel-Dramaturgie von Bundeskanzlerin Angela Merkel, aber auch von Frankreichs Präsident Francois Hollande durcheinander. Eigentlich hatten beide den Donnerstag für die Verkündung eines EU-Wachstumspakts reserviert, der Investitionen von 120 Milliarden Euro mobilisieren soll. Hollande will sich den Wachstumspakt als erste Erfolgsgeschichte seiner Amtszeit anstecken. Merkel braucht den demonstrativen Beschluss wegen der Opposition in Berlin, die am Freitagabend dem Fiskalpakt und dem dauerhaften Rettungsschirm ESM zustimmen soll. Schon als die Kanzlerin am Donnerstagmittag zum Gipfel-Vortreffen der europäischen Konservativen in die Academie Royale kam, sagte sie deshalb ausschließlich ein paar Sätze zum Thema Wachstum und Beschäftigung. "Alles andere werde ich ihnen morgen erzählen", regierte sie auf Fragen zu Eurobonds und rauschte davon.

Aber aus den geplanten Pressekonferenzen der beiden zur fernsehtauglichen Zeit um 19 Uhr wurde nichts. Monti und Rajoy bestanden darauf, dass sie dem eigentlich unstrittigen Wachstumspakt erst zustimmen würden, wenn auch ihre Anliegen gehört würden. Die Panik in Rom und Madrid sitzt offenbar tief angesichts steigender Risikoaufschläge auf die Staatsanleihen beider Staaten. In dramatischen Worten hatte vor allem Monti davor gewarnt, dass sein Land die hohen Aufschläge auf neue Staatsschulden nicht lange bezahlen könne. Notfalls werde er bis Sonntagabend verhandeln, hatte er aus Furcht vor negativen Reaktionen der Märkte betont. Merkel hatte dagegen schon in ihrer Regierungserklärung am Mittwoch im Bundestag genervt darauf hingewiesen, sie sorge sich, dass in Brüssel nun wieder vor allem über kurzfristige, schnell verpuffende Rettungsmaßnahmen statt über die langfristige Stabilisierung der Eurozone geredet werde. Genau dies geschah.

Als Italien im Halbfinale am Donnerstagabend bereits mit 2:0 vorn lag, kam deshalb die endgültige Absage der geplanten deutschen Pressekonferenz, weil Monti und Rajoy weiter verhinderten, dass es etwas zu verkünden gab. Hollande trat erst um ein Uhr nachts vor die Presse. Zu dieser Zeit hatte als letzte Maßnahme zur Verhinderung eines Gipfel-Eklats dann auch schon eine Sondersitzung der 17 Länder der Eurozone begonnen - die bis zur Einigung und einem Entgegenkommen Richtung Italien und Spanien am frühen Morgen andauerte.

Nun wird am Freitag ein Kampf um die Meinungsführerschaft beginnen, wer sich durchgesetzt hat - die Endspielgegner Italien und Spanien, oder aber Deutschland und seine Partner. Nur eines ist sicher: Die deutsche Niederlage im Fußball erspart Merkel zumindest die heikle Frage, ob sie zum Endspiel nach Kiew fliegen sollte oder nicht.

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa