Italien: Papst Franziskus I. inspiriert die Politik

Italien: Papst Franziskus I. inspiriert die Politik

Die Schlichtheit von Papst Franziskus I., der Verzicht auf prunkvolle Gewänder, sowie seine Sorge um die Bedürftigen signalisieren, dass für die Weltkirche eine neue Ära angebrochen ist. Der frische Wind aus dem Vatikan hat unerwartete Auswirkungen auch auf die italienischen Institutionen und Parteien.

Die Politiker, die bisher dank fürstlicher Gehälter, Zulagen und Tagesgelder zu den bestbezahlten Parlamentariern der Welt zählten und sich verbissen gegen Kürzungen ihrer Diäten sträubten, zeigen sich jetzt bereit, auf einen Teil ihrer Privilegien zu verzichten. Sparsamkeit ist wieder hoch im Kurs. Die schräge Bunga Bunga-Ära von Ex-Premier Silvio Berlusconi scheint in Italien Jahrhunderte zurück zu liegen.

Den Ton geben die neu gewählten Parlamentspräsidenten an. Die neue Präsidentin der Abgeordnetenkammer - die Menschenrechtlerin Laura Boldrini - verzichtete auf das Dienstauto und wanderte zur Vorstellung bei Staatschef Giorgio Napolitano zu Fuß vom Parlament bis zum Quirinal. Ohne Polizeischutz nahm sie dann an der Zeremonie anlässlich des 35. Jahrestags der Entführung des Parteichefs der Democrazia Cristiana (DC), Aldo Moro, durch die linksextremistische Terrorgruppe "Rote Brigaden" teil. Das wäre bis vor wenigen Monaten in Rom noch undenkbar gewesen.

In dunklen Jeans und sportlichen Schuhen zeigte sich der zum Senatspräsidenten gewählte Mafiajäger Piero Grasso bei einer Konferenz zum Thema Organisierte Kriminalität in Rom. Der in den Reihen der "Demokratischen Partei" zum Senator gewählte sizilianische Staatsanwalt wird weiterhin in seiner römischen Wohnung bleiben und nicht in den Palazzo Giustiniani ziehen, wo Senatspräsidenten traditionsgemäß wohnen.

Franziskanischer Stil in der Politik?

Politische Beobachter feiern die neue Schlichtheit in den Machtzentralen am Tiber. Die römische Tageszeitung "La Repubblica" spricht offen von einem neuen "franziskanischen Stil", der vom Heiligen Stuhl in die römischen Institutionen eingedrungen sei und eine kleine Revolution in die Wege geleitet habe. In einem Bericht hob sie hervor, dass zwei Drittel der neu gewählten Parlamentarier bereit seien, ihre Gehälter zu kürzen und auf öffentliche Parteienfinanzierungen zu verzichten.

Die Welle der Austerität ist nicht nur dem neuen Papst, sondern auch dem überwältigenden Erfolg der Protestbewegung "Fünf Sterne" um den Starkomiker Beppe Grillo zu verdanken, die sich den Kampf gegen die "Kaste" der Berufspolitiker und die Verschwendung von Steuergeldern auf die Fahne geschrieben hat. In seinem 2009 erschienen Pamphlet "Il grillo canta sempre al tramonto" (Die Grille singt immer in der Abenddämmerung) signalisiert Grillo seine Verbundenheit zum Heiligen Franz von Assisi, von dem sich der neue Papst bei der Namenswahl inspirieren ließ. "Wir haben für die Gründung unserer Bewegung den Tag des Heiligen Franz von Assisi (4. Oktober 2009, Anm.) gewählt. Politik ohne Geld, Respekt für Tiere und Umwelt. Wir sind die Verrückten der Demokratie", schrieb Grillo.

Mit ihrer unermüdlichen Kampagne gegen die Privilegien der politischen Klasse ist die Bewegung des Erfolgsbloggers mit dem Wuschelkopf auf Anhieb zur drittstärksten Kraft im italienischen Parlament aufgerückt. Grillos Positionen sind einfach und populistisch. Seine "Fünf Sterne"-Bewegung fordert niedrigere Gehälter für Politiker, weniger Geld für die Parteien und die öffentlich-rechtlichen Medien. Die RAI-Sender lehnt Grillo ab, weil sie für die Öffentlichkeit zu teuer seien und nur Propaganda für die etablierten Parteien betreiben würden.

Sparsamkeit und bescheidenes Auftreten sind auch die positiven Folgen der schweren Rezession, die Italien seit eineinhalb Jahren im Würgegriff hält und Millionen von Italienern den Job gekostet hat. Mit Reichtum zu prahlen, ist endgültig out. Die protzige Ära Berlusconis, der mit Luxusvillen, blutjungen Schönheiten und zur Schau gestelltem Prunk seinen politischen Erfolg aufgebaut hatte, ist endgültig passé. Auch der exzentrische Medienzar hat sich nun anzupassen. Seine Partei muss aus Spargründen auf ihr Hauptquartier in einem eleganten Palazzo unweit des Trevi-Brunnens im Herzen der Ewigen Stadt verzichten und in eine bescheidenere Umgebung ziehen. Auch für Berlusconi hat wohl oder übel eine neue Ära begonnen.

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