Islamisten setzen Vormarsch im Irak ungehindert fort

Islamisten setzen Vormarsch im Irak ungehindert fort

Mit der Geiselnahme Dutzender türkischer Staatsbürger verschärften sich auch die Spannungen mit dem Nachbarland erheblich. Das Erstarken der sunnitischen Organisation Islamischer Staat im Irak und in der Levante (Isil) bringt damit die ohnehin bröckelnde Stabilität der gesamten Region in Gefahr.

Nachdem die sunnitischen Extremisten am Vortag mit Mossul die zweitgrößte Stadt erobert hatten, rückten sie am Mittwoch auf die wichtigste Ölraffinerie des Landes in Baidschi vor. Die Rebellen erstürmten auch Teile Tikrits und näherten sich weiter der Hauptstadt Bagdad. Dort starben bei einem Selbstmordanschlag mindestens 16 Menschen. Außenminister Hoschjar Sebari sprach von einer "ernsten und tödlichen" Bedrohung für das Land.

In Mossul verschleppten Aufständische 48 Türken und halten nun insgesamt 76 Staatsbürger des Nachbarlandes gefangen. Die türkische Regierung bezifferte die Zahl der türkischen Geiseln auf 80. Außenminister Ahmet Davutoglu drohte mit "härtester Vergeltung", sollte einer der Geiseln etwas geschehen. Im Augenblick sind wir beim ruhigen Krisenmanagement, aber das sollte nicht missverstanden werden", sagte er in New York.

Isil-Rebellen hatten vier Tage um die überwiegend von Sunniten bewohnte Zwei-Millionen-Stadt Mossul gekämpft. Nach der Eroberung brachten sie türkischen Regierungskreisen zufolge 48 Türken im dortigen Konsulat in ihre Gewalt, darunter drei Kinder. Sie seien unverletzt und vom Konsulat auf einen Stützpunkt der Rebellen gebracht worden. Bereits am Dienstag hatten Aufständische 28 türkische Lkw-Fahrer verschleppt.

Die Isil, die auch im westlichen Nachbarland Syrien gegen die Regierung kämpft, will die kontrollierten Gebiete verbinden und über die Grenzen hinweg einen Kalifat-Staat errichten. Der Vormarsch der Islamisten auf Baidschi, das nur 200 Kilometer nördlich von Bagdad liegt, verunsicherte auch die Anleger an den Finanzmärkten. Der Ölpreis zog an. "Es wird eine engere Kooperation zwischen Bagdad und der Regionalregierung in Kurdistan geben, um gemeinsam die ausländischen Kämpfer zu verjagen", sagte Außenminister Sebari. Details nannte er aber nicht. Alle Anführer im Irak müssten sich gemeinsam gegen die Aufständischen stellen, forderte er. "Die Antwort auf das, was geschehen ist, muss rasch kommen."

"Wir kommen, um Baidschi zu kontrollieren oder zu sterben"

In der Nacht rückten die Islamisten auf Baidschi vor. Die dortige Ölraffinerie versorgt die meisten Provinzen des Landes, auch Bagdad. Die Extremisten hätten Gefangene befreit und das Gerichts- und das Polizeigebäude in Brand gesteckt, hieß es in Sicherheitskreisen. Ein Anwohner berichtete, die Kämpfer hätten ihren Vorstoß bei den wichtigsten Stammesfürsten angekündigt. "Sie haben gesagt: 'Wir kommen nach Baidschi, um die Kontrolle zu gewinnen oder um zu sterben. Also raten wir euch, sagt Euren Söhnen in der Polizei und der Armee, sie sollen ihre Waffen niederlegen und abziehen.'"

Den Sicherheitskreisen zufolge zogen sich rund 250 Wachmänner der Ölraffinerie zurück, nachdem ihnen sicheres Geleit versprochen worden war. Die Raffinerie kann bis zu 300.000 Barrel Öl (knapp 48 Millionen Liter) pro Tag produzieren.

Zehntausende fliehen in Kurdengebiete

Aus Mossul und Umgebung floh rund eine halbe Million Menschen. Viele suchten Schutz in der nördlich gelegenen autonomen Region Kurdistan. Ob von dort, wie von der Regierung in Bagdad erhofft, Unterstützung im Kampf gegen Isil kommt, ist fraglich.

Regierungschef Nuri al-Maliki hatte nach dem Fall Mossuls das Parlament aufgefordert, den Ausnahmezustand auszurufen. Der Isil-Vormarsch ist ein schwerer Rückschlag in seinem Bemühen, militante Sunniten zu bezwingen. Diese haben 2013 an Macht gewonnen und Anfang des Jahres Falludscha und zum Teil auch Ramadi unter ihre Kontrolle gebracht. Die Städte liegen im Sunnitischen Dreieck, das sich westlich von Bagdad erstreckt. Dort liegt auch Tikrit, die Heimatstadt des früheren Diktators Saddam Hussein. Viele Angehörige der sunnitischen Minderheit, die unter Saddam das Sagen hatte, fühlen sich von der Regierung des Schiiten Maliki benachteiligt.

Isil rief die Sunniten auf, sich ihrem Kampf gegen Maliki anzuschließen. Isil-Chef Abu Bakr al-Bagdadi hat sich vom Al-Kaida-Anführer Aiman al-Sawahiri losgesagt. Auch mit den Al-Kaida-Kämpfern, die wie Isil in Syrien gegen Präsident Baschar al-Assad kämpfen, steht Bagdadi auf Kriegsfuß. Wiederholt lieferten sich im syrischen Bürgerkrieg Rebellen der Al-Kaida und der Isil Gefechte.

Nato hält Dringlichkeitssitzung ab

Die Nato hat einem Insider zufolge eine Dringlichkeitssitzung abgehalten. Die Türkei habe das Treffen beantragt, verlautete am Mittwoch aus Kreisen des Militärbündnisses. Die Regierung in Ankara habe die Verbündeten über die Entwicklung in der von Islamisten überrannten Stadt Mossul informiert sowie über die Geiselnahme von türkischen Staatsbürgern. Es habe sich ausdrücklich nicht um ein Treffen nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrags gehandelt, der eine Bedrohung der Sicherheit eines Bündnismitglieds regelt. Auch Vertreter des türkischen Außenministeriums sprachen von dem Treffen.

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