Irland: Kommen die Banken erneut ins Wanken?

Irland: Kommen die Banken erneut ins Wanken?

Hypothekenkredite mit einem an den Benchmarksatz der Europäischen Zentralbank gekoppelten variablen Zins, die während des bis 2008 anhaltenden Immobilienbooms herausgereicht wurden, sorgen nun bei den Instituten für drebe Verluste.

Die EZB hat ihren Leitzinssatz auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt, um die schwächelnde Konjunktur anzukurbeln. Das bringt den irischen Banken bei ihren an den EZB-Satz gekoppelten sogenannten "Tracker"-Hypotheken Verluste von rund 750 Mio. Euro jährlich, schätzen Analysten von Merrion Capital in Dublin.

"Das ist ein ziemlich massives Problem für die Banken, vor allem, da die EZB in letzter Zeit signalisiert hat, dass die Leitzinsen so schnell nicht steigen werden", erklärt Conall Mac Coille, Chefvolkswirt bei dem Aktienmakler Davy in Dublin. “Es wird 2015 werden, bevor die Leitzinsen wieder steigen, daher werden die Verluste aus den Tracker-Hypotheken ein Problem bleiben.”

Vor drei Jahren musste Irland wegen seiner Banken ein Rettungspaket beantragen. Inzwischen bereitet sich das Land darauf vor, Ende dieses Jahres das Rettungsprogramm abzuschließen und sich wieder ausschließlich am internationalen Kapitalmarkt zu finanzieren. Allerdings hat der Renditeaufschlag für zehnjährige irische Bonds gegenüber deutschen Bundesanleihen in den vergangenen zwei Monaten um 23 Basispunkte zugelegt.

“Eine Lösung für das Problem der Tracker-Hypotheken ist nicht in Sicht”, sagt Ciaran Callaghan, Analyst bei Merrion Capital. “Im Gegensatz zu Tracker-Hypotheken in Großbritannien gibt es bei den irischen offenbar keine Klausel im Vertrag, die den Banken eine Veränderung oder Neuverhandlung der Bedingungen erlaubt.”

In den nächsten zwei Tagen werden Investoren Neues zu den verlustbringenden Krediten erfahren, wenn Bank of Ireland und Allied Irish Banks ihre Halbjahreszahlen vorlegen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen dabei zwar die Zahlungsrückstände bei Hypotheken, aber die Kosten aus den Trackern werden die Gewinne der Banken wohl länger belasten.

Riesiger Hypothekenmarkt

Die an den Benchmarksatz gekoppelten Hypotheken wurden in Irland 1999 eingeführt und machen inzwischen mehr als die Hälfte des 140 Mrd. Euro schweren Hauskreditmarktes auf der Insel aus, wie Daten der EZB belegen. Nachdem die Notenbank ihren Leitzins von 4,5 Prozent im Jahr 2008 deutlich gesenkt hat, machen die Banken mit den Hypotheken Verluste, auch wenn sie sich ebenfalls günstiger refinanzieren können.

Die Rendite der 2015 fälligen Anleihe der Bank of Ireland ist von 18,6 Prozent im Juli 2011 auf inzwischen 2,19 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum fiel die Rendite der 2015 fälligen Anleihe von Allied Irish Banks von 19,4 Prozent auf 2,20 Prozent.

Die irischen Behörden beraten mit Internationalem Währungsfond, EZB und Europäischer Union darüber, wie der Rettungsfonds Europäischer Stabilitätsmechanismus, der Staat und die Märkte zu einer günstigeren Finanzierung der Banken für die Tracker-Hypotheken beitragen können, berichtete ein EU-Vertreter am 18. Juli.

ESM-Chef Klaus Regling erklärte in einem Interview mit der Irish Times am 26. Juli, der Rettungsfonds könne die Tracker- Hypotheken nicht aus den Bilanzen der Banken entfernen. Zudem sehe er keinen Wunsch der Euro-Länder, ein neues Instrument zu schaffen. Nach Einschätzung von Craig Beaumont, dem Leiter der IWF-Mission in Irland, gibt es noch andere Möglichkeiten, die Kosten für die Banken zu senken. In einer Telefonkonferenz mit Journalisten am 18. Juli nannte er Verbriefungen, Garantien und finanztechnische Maßnahmen als Optionen.

“Die aktuelle Hoffnung auf eine Lösung dürfte sich als Wunschdenken erweisen”, sagt Colm Foley, Analyst bei Goodbody Stockbrokers in Dublin. “In den vergangenen Jahren haben wir das schon ein paarmal gehabt, und ich sehe nicht, wie sie jetzt eine gangbare Alternative finden wollen.”

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