Irland: Banken machen Jagd auf säumige Schuldner

Irland: Banken machen Jagd auf säumige Schuldner

Strategisch motivierte, säumige Schuldner, also Eigenheimbesitzer, die zahlen können, aber nicht wollen, machen 20 Prozent der Eigenheim-Hypothekenrückstände von Allied Irish aus, berichtete die größte Hypothekenbank des Landes.

Die Bank schlägt nun zurück, nachdem die Regierung auf auf die steigenden überfälligen Kredite reagiert hat und Eigenheim-Zwangsenteignungen leichter macht. Irland verzeichnete den schlimmsten Immobilienkollaps in Westeuropa.

Der Vorstandsvorsitzende von Allied Irish Banks, David Duffy, nimmt Kreditnehmer ins Visier, die sich weigern, ihre Eigenheimdarlehen zurückzuzahlen. “Ich möchte diese Gruppe so schnell wie möglich abgehandelt haben, weil sie nicht die Leute sind, die nachts vor Sorgen nicht schlafen können”, sagte Duffy in einem Interview.

Die Entscheidung, zahlungsunwillige Schuldner zu verfolgen, führt zu Misstrauen in einem Land, in dem ein Viertel aller Hypotheken als problembehaftet gelten und Zwangsversteigerunen traditionell ein Tabu-Thema waren. Jack O’Connor, der Vorsitzende der irischen Gewerkschaft SIPTU, sagte in diesem Monat, dass Duffy die Basis für eine Welle von Hausenteignungen lege.

“Er hat es so arrangiert, dass die Leute, die ihr Haus verlassen müssen, allesamt strategisch motivierte säumige Schuldner sind”, sagte O’Connor bei der MacGill Summer School in Glenties im Nordwesten Irlands am 2. August. “Damit impft er unsere Gesellschaft gegen das Unrecht, dass schreckliche Unrecht, das damit verbunden ist.”

64 Milliarden für die Bankenrettung

Die irische Regierung hat für die Rettung der Banken des Landes 64 Mrd. Euro eingesetzt, nachdem diese in großem Stil Kredite vergeben haben, die den ein Jahrzehnt währenden Immobilienboom angeheizt haben, bis der Markt 2008 zusammenbrach. Fünf der sechs großen heimischen Banken wurden vom Staat übernommen.

Insgesamt waren 12,3 Prozent der privaten Hypotheken im ersten Quartal mehr als 90 Tage im Zahlungsverzug, wie aus Daten der irischen Notenbank hervorgeht. Fast 20 Prozent der Häuser, die erworben wurden, um sie zu vermieten, befinden sich im Zahlungsverzug, verglichen mit 18,9 Prozent zuvor. Gemessen am Wert waren 25 Prozent der Hypotheken im Zahlungsverzug oder verzeichneten eine Änderung der Konditionen.

Zwar haben auch andere Banker gesagt, dass mehr Leute bewusst Hypothekenzahlungen ausfallen lassen, um andere Kredite zu bedienen, jedoch ist Duffy der erste, der eine Zahl nennt.

Da Banken sich häufig scheuen, Eigenheime wieder in Besitz zu nehmen, bestärkt dies möglicherweise die Hypothekenschuldner, erst andere Verbindlichkeiten zu tilgen. Ende März hielten die Banken knapp 1400 zwangsenteignete Eigenheime, während es etwa 916.000 Hypotheken gab. Teilweise liegt das an einem gesetzlichen Schlupfloch, wonach Banken keine Objekte beschlagnahmen können, wenn nicht eine vollständige Rückzahlungsaufforderung vor Dezember 2009 erfolgt war.

Im vergangenen Monat hat die Regierung nun dieses Schlupfloch mit einem neuen Gesetz dicht gemacht. Außerdem wurde eine neue Vorschrift eingeführt, die den Banken erlaubt, säumige Kunden mehr als dreimal monatlich anszusprechen, womit eine frühere Beschränkung aufgehoben wurde. Die neuen Vorschriften haben auch ein früheres Moratorium aufgehoben, wonach Banken eine Rückinbesitznahme erst acht Monate nach Beginn der Zahlungsrückstände in Angriff nehmen können.

Auch dürften sich die Kreditnehmer zunehmend bewusst werden, dass eine Insolvenz nicht schmerzfrei ist. Schuldner mit Zahlungsproblemen könnten Urlaube untersagt werden oder ihnen könnten Obergrenzen auferlegt werden, wieviel sie für Lebensmittel ausgeben dürfen.

Der strengere Ansatz könnte sich auszahlen. Vor einem Jahr zahlten 60 Prozent der säumigen Kreditnehmer von Ulster Bank nichts, diese Zahl ist mittlerweile um knapp die Hälfte gesunken, so Bell. Konzernchef Duffy von Allied Irish hat Tausende an Briefen an säumige Kunden verschickt, die bisher die Korrespondenz der Bank ignoriert haben, und hat ihnen mit rechtlichen Schritten gedroht, die letztlich in eine Enteignung münden könnten.

“Es gibt jetzt keine mietfreie Option mehr”, sagte Duffy. “Und das muss verstanden werden.”

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