Inside Fast Food – Die McJobber begehren auf

Inside Fast Food – Die McJobber begehren auf

Proteste der Angestellten der großen Fast Food-Ketten wie McDonald's und Burger King gab es kurzzeitig in New York, Chicago, St. Louis, Detroit, Milwaukee, Kansas City und Flint. Sie fordern eine Gehaltserhöhung auf 15 Dollar pro Stunde. Zum Vergleich: Das aktuelle Durchschnittsgehalt in der Industrie liegt laut "Businessweek" deutlich näher an dem Mindestlohn von 7,25 Dollar.

Präsident Barack Obama hat unterdessen vorgeschlagen, die niedrigsten Gehälter auf neun Dollar pro Stunde anzuheben, was einer Erhöhung von 24 Prozent relativ zum Mindestgehalt entsprechen würde.

Die Angestellten der Fast Food-Restaurantketten zählen zu den am niedrigsten bezahlten Mitarbeitern in den USA. Daten von Payscale.com, basierend auf einer Umfrage unter 3000 Angestellten, zeigen wie viel die Angestellten der zehn größten US-Fast Food-Ketten im Vergleich zu anderen Industrien verdienen.

Um wieviel könnten die Restaurantketten also die Gehälter der Angestellten erhöhen, bevor ihre Gewinne ausradiert würden? Einige Ökonomen sprechen sich für ein Mindestgehalt von 10,50 Dollar aus, welches die Kosten für das Unternehmen demnach nur minimal erhöhen würde. Die Unternehmen könnten die höheren Kosten durch eine Kombination aus Preiserhöhungen, Produktivitätssteigerungen und womöglich eine etwas bessere Verteilung der Gehälter ausgleichen – anders formuliert: Das Gehalt der Bestverdiener unter den Angestellten der Fast Food-Restaurants könnte möglicherweise etwas langsamer steigen als zuvor, erklärt Jeannette Wicks-Lim, Ökonomin an der University of Massachusetts Amherst.

Wie arbeiten Fast Food-Ketten und wie setzen sich ihre Finanzen zusammen?

Es gibt zwei Arten von Restaurants: Jene, die von dem Unternehmen selbst und jene, die von unabhängigen Franchisenehmern geführt werden, die wiederum ihre eigenen Gehälter zahlen und eine Franchisegebühr an die Kette entrichten. In Summe tragen bei McDonald's die unternehmenseigenen und die Franchise-Betriebe 3,9 Milliarden Dollar zur Wertschöpfung bei – den sogenannten "Economic Value Added" (EVA), der Gewinn nach Steuern und nach Abzug der Kapitalkosten für das eingesetzte Gesamtkapital – berechnet Craig Sterling, Leiter des globalen Aktien-Research bei evaDimensions. Der EVA von Burger King liegt demnach bei 61 Millionen Dollar.

Folgend eine Grafik zu den Personalkosten und den Gewinn-Margen von zwei Fast Food-Ketten, basierend auf den unternehmenseigenen Restaurants wie im Geschäftsbericht veröffentlicht.

Würden die Löhne und Gehälter nun auf 15 Dollar je Stunde angehoben – was ungefähr ein Drittel mehr wäre, als der durchschnittliche McDonald's und Burger King-Angestellte aktuell verdient – , dürfte das aller Voraussicht nach die Gewinne dieser unternehmenseigenen Restaurants ausradieren. "Wenn die Löhne und Gehälter den Großteil der Personalkosten ausmachen und diese sich auf mehr als die Hälfte der Einnahmen verdoppeln, würde das mit Sicherheit einen operativen Verlust für die Restaurantbetriebe bedeuten – unter der Annahme die Preise für Burger und Co. blieben unverändert", erläutert Sharon Zackfia, Analyst bei William Blair & Co. Angenommen sämtliche Gehälter verdoppeln sich und andere Kosten werden nicht abgebaut, dann müsste McDonald's die Preise um ungefähr 25 Prozent anheben – was einen extra Dollar für den Big Mac bedeutet und ein '1,25 Dollar Menu' statt des '1 Dollar Menus', schätzt die "Columbia Journalism Review". Für die Konsumenten wäre das jedenfalls ein deutlicher Mehraufwand.

Löhne und Gehälter bei den Franchisenehmern sind freilich wieder ein anderes Thema. Die Margen sind mit großer Wahrscheinlichkeit niedriger als jene der unternehemenseigenen Betriebe, da letztere keine Franchise-Gebühren berappen müssen. Bevor also die Franchise-Betriebe die Gehälter anheben werden, dürften es zu einer Neuverhandlung des Vertrages mit dem Franchise-Geber kommen. Franchise-Betriebe steuern aktuell rund ein Drittel zum Umsatz von McDonald's bei, bei Burger King sind es etwa 40 Prozent – geringere Franchise-Gebühren würden also definitiv ihre Bücher belasten. Sterling winkt aber ab: "Der Punkt ist, dass diese Konzerne ausreichend Gewinne erwirtschaften, die man antasten kann, bevor irgendeiner von denen schließen müsste." Andererseits würde jede Änderung, die die Gewinne beeinträchtigt, mit Sicherheit eine deutliche Antwort von der Wall Street provozieren: "Glauben Sie nur nicht, die Investoren würde es nicht kümmern oder sie würden nicht reagieren", resümiert Sterling.

Natürlich sind die oben angeführten Annahmen rein hypothetischer Natur. Warum schließlich sollte die Fast Food-Industrie wegen ein paar Protesten plötzlich auf ihre Gewinne verzichten? Sollte es zu Gehaltsanpassungen nach oben kommen, dürfte der leichteste Weg für die Konzerne über Preiserhöhungen führen. "Wir gehen davon aus, dass die meisten Restaurants die Gehaltserhöhungen über teurere Produkte an die Konsumenten weitergeben werden – das scheint unvermeidbar", schreiben die Experten von William Blair & Co. in einer Analyse. Sollten die Angestellten ihre Gehaltsforderungen also durchsetzen, wird der Big Mac wohl deutlich teurer werden.

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