In Slowenien geht es nur um "Pipifax-Beträge"

In Slowenien geht es nur um "Pipifax-Beträge"

"Österreich ist in Slowenien der mit Abstand größte Investor - mit 5,7 Mrd. Euro stellen wir knapp 50 Prozent der Auslandsinvestitionen", erklärt der Handelsdelegierte der Außenwirtschaftsorganisation der Wirtschaftskammer (WKÖ), Christian Miller.

Von einer Zahlungsunfähigkeit des gesamten Landes geht der Marktexperte allerdings nicht aus. Ein Antrag auf EU-Bankenhilfe ist seiner Einschätzung nach wahrscheinlicher - die slowenischen Banken könnten zwischen 2 und 5 Mrd. Euro benötigen.

Miller kann sich ein Szenario vorstellen, wonach Slowenien unter den Rettungsschirm der EU schlüpft und Kapital zur Erhöhung der Eigenkapitalquote der Banken benötigt. Die slowenischen Finanzinstitute gelten als der größte Problembrocken - sie könnten groben Schätzungen zufolge zwischen 2 und 5 Mrd. Euro auftreiben müssen. Dieses Volumen sprengt zwar die finanziellen Möglichkeiten Sloweniens, für die EU hingegen seien die genannten Milliarden "vergleichsweise Pipifax-Beträge".

Österreichs Banken sehr präsent

Alle österreichischen Banken sind dem Wirtschaftsdelegierten zufolge in Slowenien tätig, allerdings haben sie dort "nicht die Marktführerposition". Führend ist dort vielmehr die slowenische Großbank NLB (Nova Ljubljanska Banka). Die Verflechtung zwischen Wirtschaft und Politik ist sehr eng. Bei der staatlich kontrollierten Bank NLB ist die belgische Finanzgruppe KBC mit einem Anteil von 25 Prozent der zweitgrößte Aktionär, die ursprünglich angepeilte Mehrheit haben die Belgier nie erreicht. Die größte slowenische Bank sitzt auf einem Berg von notleidenden Krediten - angeblich insgesamt 1,5 Mrd. Euro.

"Das Problem wird sein, dass die ganzen Banken schlagend werden", so Miller. Dies sei das Kernthema der slowenischen Regierung. "Wenn Slowenien den Banken aushelfen muss, handelt es sich um einen großen Betrag, den das Land nicht finanzieren kann." Denn schon jetzt machen den dortigen Politikern die Mitte 2013 fällig werdenden Staatsverbindlichkeiten in Höhe von 2 Mrd. Euro zu schaffen.

Vergangenen Freitag hatte der konservative Ministerpräsident Jansa in einem Interview gesagt, Slowenien drohe die Zahlungsunfähigkeit, wenn es nicht gelinge, Anleihen zu verkaufen. Schon jetzt könne sich der frühere EU-Musterschüler auf dem Kapitalmarkt nicht mehr finanzieren - die Kreditaufnahme sei "praktisch unmöglich". Slowenien wird bereits seit Monaten als nächster Kandidat für den Euro-Rettungsschirm gehandelt. Da Slowenien derzeit keine Euros von Investoren bekommt, kündigte Jansa für Oktober oder November die Emission einer Anleihe in Höhe von 1,5 bis 2 Mrd. Dollar auf dem US-Markt an.

Österreich exportierte 2011 Waren im Wert von 2,3 Mrd. Euro nach Slowenien - fast so viel wie nach China (2,92 Mrd. Euro). Die Importe aus dem Land erreichten nur 1,6 Mrd. Euro. Folglich erzielte Österreich im bilateralen Warenaustausch einen Überschuss von 700 Mio. Euro. Das Aktivum könnte heuer aber etwas geringer ausfallen. Im ersten Quartal 2012 stagnierten die heimischen Ausfuhren in das südliche Nachbarland, die slowenischen Lieferungen hingegen erhöhten sich um 10 Prozent. Sloweniens wichtigster Handelspartner ist Deutschland - dahinter folgen Italien und Österreich.

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