"In der jetzigen Situation ist Zypern definitiv ein Systemrisiko"

"In der jetzigen Situation ist Zypern definitiv ein Systemrisiko"

Russland will seine Hilfe für das vom Staatsbankrott bedrohte Zypern vom weiteren Vorgehen der EU abhängig machen steht aber bereit, den Zyprioten Vermögenswerte abzukaufen.

"Das würde die Schuldentragfähigkeit nicht fördern", sagte der niederländische Finanzminister am Donnerstag bei seiner ersten Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments. Das Kreditvolumen müsse auf die bereits vereinbarten zehn Milliarden Euro begrenzt bleiben, damit die Staatsverschuldung wieder unter Kontrolle gebracht werden kann.

Russland habe ohnehin signalisiert, dass sie keine neuen Kredite an Zypern vergeben wollten. Im Gespräch sei nur die Verlängerung des bestehenden Kredits sowie niedrigere Zinsen.

Die Lage nach dem Scheitern des Rettungspakets bewertete Dijsselbloem als brenzlig für die gesamte Euro-Zone. "In der jetzigen Situation ist es definitiv ein Systemrisiko, die Unruhe der vergangenen Tage hat das bewiesen."

Die Eurogruppe hoffe, dass Zypern bald einen Vorschlag mache, das Rettungspaket anders zu strukturieren. Ein Beitrag über die Steuer auf Bankeinlagen sei unverzichtbar, um das Kreditvolumen der internationalen Helfer auf zehn Milliarden Euro zu begrenzen.

Der EZB-Rat hat unterdessen beschlossen, den Banken in Zypern noch maximal bis Montag Notfallliquidität (ELA) zur Verfügung zu stellen.

Zypern will Tafelsilber an Russland verkaufen

Russland will seine Hilfe für das vom Staatsbankrott bedrohte Zypern vom weiteren Vorgehen der EU abhängig machen. Zypern habe Russland mehrere Vermögenswerte zum Kauf angeboten, sagte der russische Regierungschef Dmitri Medwedew in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview. Zuerst aber müsse die EU neue Pläne zur Lösung der Krise in ihrem Mitgliedsland vorstellen. "Danach werden wir unsere Vorschläge machen", sagte Medwedew der Agentur Interfax sowie weiteren Medien.

"Wir sind bereit, verschiedene Varianten auszuloten", antwortete der frühere Kremlchef auf die Frage, ob Russland sich auch für eine Militärbasis auf der Insel im Mittelmeer interessiere. Indirekt bestätigte Medwedew zudem, dass es bei den Gesprächen um mögliche Lizenzen bei der Gasförderung vor der zypriotischen Küste gehe.

Zypern strebt bei den Verhandlungen mit Russland jedenfalls keinen neuen Kredit an, sondern bessere Konditionen für einen laufenden Vertrag über 2,5 Milliarden Euro sowie Investitionen. So solle nach den Vorstellungen Zyperns der bestehende Kredit aus Russland um fünf Jahre verlängert und die Zinsen auf 2,5 Prozent von 4,5 Prozent gesenkt werden, sagte der zyprische Finanzminister Michael Sarris am Donnerstag in Moskau. Zypern wünsche sich zudem Investitionen aus Russland in den Banken- sowie Erdgassektor des Landes. "Die Banken sind das absolute Ziel jeder Hilfe, die wir bekommen", stellte er klar. Diese könne in direkter Form oder indirekt über andere Sektoren gegeben werden, werde aber in jedem Fall an den Bankensektor umgeleitet.

Zypern versinkt im Chaos

In Zypern gibt es wegen der Schließung der Banken erste Lieferengpässen bei Medikamenten. Auch Treibstoff wird langsam knapp. Viele Tankstellen nahmen am Donnerstag nur noch Bargeld an. Auch einige Supermärkte akzeptierten keine Kreditkarten mehr. Die Geldinstitute sind wegen der schweren Finanzkrise seit sechs Tagen geschlossen. Nur Geldautomaten funktionieren.

Allerdings haben viele Menschen mittlerweile keinen Cent mehr auf ihrem Girokonto, weil das Online-Bankingsystem blockiert ist und damit Gehalts- und andere Zahlungen nicht möglich sind. "Wir haben das Sparschweinchen meines Sohnes zertrümmert, um Lebensmittel zu kaufen", sagte Mairi Stylianou, eine Hausfrau in Nikosia, der Nachrichtenagentur dpa.

Medikamente sind nach Angaben des Apothekerverbandes schon seit Tagen nicht mehr importiert worden. "Wenn die Banken bis kommenden Dienstag nicht aufmachen, dann werden wir Knappheiten haben", hieß es in einer Erklärung der Apotheker in Nikosia. Der Präsident der Tankwarte der Hafenstadt Larnaka, Andreas Ioannou, ging im Fernsehen davon aus, dass die meisten Tankstellen am Wochenende schließen könnten. Sie hätten kein Geld mehr, um Spritnachschub zu kaufen.

Die maroden Geldhäuser bleiben laut Zentralbank am Donnerstag und Freitag weiter geschlossen. Da am Montag Nationalfeiertag ist, werden die Institute nicht vor Dienstag wieder öffnen. Hintergrund ist die Angst vor einem Ansturm der Kunden auf die Bankschalter.

Deutsche Banken gerüstet für Zypern-Pleite

Eine Pleite Zyperns hätte für die deutschen Banken nach Verbandsangaben keine gravierenden Folgen. "Für deutsche Kreditinstitute wären die direkten Ausfallfolgen sicherlich verkraftbar", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon, den "Ruhr Nachrichten" laut Vorab-Meldung aus der Donnerstag-Ausgabe. Auf die Frage, ob die deutsche Politik schnell helfen müsste, um die hiesigen, mit sechs Milliarden Euro in Zypern engagierten Banken zu schützen, sagte er: "Der Ball liegt jetzt in der Hälfte der Zyprioten, die schnell deutlich machen müssen, wie sie die Hilfsmaßnahmen der EU durch eigene Anstrengungen unterstützen wollen."

Fahrenschon sagte zudem, eine Pleite Zyperns würde das Vertrauen in die Stärke und Leistungsfähigkeit der EU beeinflussen. Zypern selbst stelle aber kein systemisches Risiko dar. Es müssten aber Ansteckungsgefahren vermieden werden.

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