In der Schweiz ist die Welt noch in Ordnung

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs nach Angaben des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) überraschend stark um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Die am Donnerstag veröffentlichten zum Teil revidierten Seco-Berechnungen zeigen einen sich beschleunigenden Wachstumstrend. Im dritten Quartal 2011 betrug das BIP-Plus 0,3 Prozent und im Schlussquartal 2011 zog das Wachstum auf 0,5 Prozent an. Zuletzt war die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal 2010 ähnlich stark gewachsen.

Die Schweizer zogen sich am eigenen Schopf nach oben, obwohl die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit dem im September eingeführten Euro-Mindestkurs das ihre dazu tat. Wichtigste Wachstumstreiber waren der Konsum der privaten Haushalte und des Staates. Der Privatkonsum wuchs ebenso wie im Vorquartal um 0,6 Prozent und der Staatskonsum stieg um 2,0 Prozent.

Die vom starken Franken belasteten Exporte nahmen um 0,4 Prozent ab, wobei ein Rückgang der Warenexporte um 1,6 Prozent von einer Zunahme der Dienstleistungsexporte um 2,6 Prozent zum Teil ausgeglichen wurde. Die Warenexporte ohne Wertsachen gingen um 0,5 Prozent zurück.

Ein gemischtes Bild zeigten auch die Investitionen, die um 1,5 Prozent abnahmen. Das war aber hauptsächlich dem Bau zuzuschreiben, der unter der Kälte im Februar zu leiden hatte. Die Ausrüstungsinvestitionen erhöhten sich getrieben von Flugzeug- und Software-Importen um 1,5 Prozent.

Eine laut Seco "kontrastreiche Entwicklung" zeigte die Produktionsseite. Die Wertschöpfung in von der Industrie dominierten Sektoren und im Bau nahmen ab. Wachstumsimpulse kamen dagegen vom Kreditgewerbe, den Versicherungen und weiteren privaten und öffentlichen Dienstleistern. Das Kreditgewerbe verzeichnete die stärkste Quartalszunahme seit Anfang 2007.

Experten hatten Nullwachstum erwartet

Wirtschaftsexperten hatten mit einem Nullwachstum im Vergleich zum Vorquartal gerechnet. Janwillem Acket, der Chefvolkswirt der Bank Julius Bär, wollte nicht ausschliessen, dass die Seco-Berechnungen ein zu positives Bild der Schweizer Konjunktur zeichneten. Auf jeden Fall lasse die Entwicklung der Einkaufsmanager-Indices aus der Schweiz wie auch aus dem Hauptexportland Deutschland keine weiteren Wachstumsimpluse erwarten. Auch der Ifo-Geschäftsklima-Index für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland ist im Mai unerwartet stark gesunken. Das Wirtschaftsklima in der Euro-Zone ist dem entsprechenden Index zufolge so schlecht wie seit über zweieinhalb Jahren nicht mehr. "Ich gehe davon aus, dass die Rezession in der Eurozone bis zum Ende des Sommerhalbjahres andauert", sagte Acket. Ein positives Bild der kommenden Wirtschaftsentwicklung zeichnete zuletzt das KOF-Konjunkturbarometer. Die Schweizer Bauindustrie ist für das Sommerhalbjahr nach Angaben des Baumeisterverbandes zuversichtlich. Die Auftragsbücher seien nach wie vor gut gefüllt.

Für die SNB kann das kräftige Wachstum erst einmal ein Problem mit sich bringen. Der Aufwertungsdruck auf den Franken könnte zunehmen, da mehr Anleger in die Eidgenossenschaft drängen könnten.

Die SNB bleibt auch bei dieser Diagnose. "Es gibt keinen Zweifel daran, dass im gegenwärtigen Umfeld mit Anzeichen globaler Abwärtsrisiken für die Schweizer Wirtschaft das aktuelle Zinsniveau und der Mindestkurs unerlässlich sind", sagte SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine am Donnerstag in Genf.

Reuters

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