"In den kommenden zehn Jahren droht ein Kaufkraftverlust von 30 Prozent"

"In den kommenden zehn Jahren droht ein Kaufkraftverlust von 30 Prozent"

Er setzt deshalb auf einen neuen Kern-Euro für die starken Volkswirtschaften der Euro-Zone. "Ein Kern-Euro aus den ökonomisch weitgehend homogenen und kulturell sehr ähnlichen Volkswirtschaften Mitteleuropas sowie nationale Währungen in vielen heutigen Euro-Zonen-Ländern am Mittelmeer - das ist für uns das wahrscheinlichste Szenario für die nächsten fünf Jahre", sagte Vorndran in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Flossbach von Storch gehört mit sieben Milliarden Euro verwalteten Kundengeldern zu den großen unabhängigen Vermögensverwaltern in Deutschland.

Dieser Kern-Euro könnte für die wiedereingeführten nationalen Währungen dann eine Funktion übernehmen, die vor der Währungsunion der ECU innehatte, führt Vorndran aus. Der ECU war seit 1979 eine Referenzgröße für die Währungen der Europäischen Gemeinschaft. Diese durften nur in einer vorgegebenen Bandbreite zum ECU schwanken. Wenn sich die Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Länder zu weit auseinanderentwickelt hatte, waren Änderungen der Leitkurse vorgesehen. Dieses System war allerdings anfällig für Spekulationen.

Zur nachhaltigen Überwindung der europäischen Schuldenkrise muss die Politik nach Meinung von Vorndran neben einem Konzept für den Euro drei weitere Kernprobleme adressieren: eine neue Strategie zum Abbau der Schulden, eine ehrliche Bewertung von Risiken und höhere moralische Standards. Seien diese Hausaufgaben gemacht, hänge der Erfolg vom Willen der betroffenen Länder und Bürger ab.

Schuldenabbau durch negative Realzinsen

Für den Abbau der hohen Staatsschulden sieht Vorndran nur noch den Weg über negative Realzinsen, ergänzt um weitere Instrumente der sogenannten "financial repression". Die finanzielle Repression dient in der Regel Regierungen dazu, ihre Staatsverschuldung zu reduzieren. Dabei wird darauf abgezielt, Zinsniveaus unterhalb der Inflationsrate zu etablieren.

Für die betroffenen Bürger könnte das einen Kaufkraftverlust von 30 Prozent in den nächsten zehn Jahren bedeuten, sagt er. "Das ist hart aber kein Weltuntergang."

Über "financial repression" haben in den 40er Jahren zum Beispiel die USA ihre durch den Zweiten Weltkrieg angehäuften Schulden abgebaut. In einem von hoher Inflation getriebenen Umfeld hatten sie Zinsobergrenzen von 2,5 Prozent auf lang laufende Staatsanleihen und Bankeinlagen festgelegt. Für die US-Sparer war das eine enorme Belastung, das Staatsdefizit konnte aber effektiv abgetragen werden.

Marode Banken sollen nach den Vorstellungen Vorndrans entweder abgewickelt oder - wenn nötig - über eine Zwangsverstaatlichung wieder fitgemacht werden. Von stillen Einlagen des Staates - wie bei der Rettung der Commerzbank - hält er nichts, da der Steuerzahler keine angemessene Entschädigung für das eingegangene Risiko erhalte. Vorndran schlägt stattdessen einen Rekapitalisierungs-Fonds als alleinigen Aktionär vor. "Wenn die Aktien der Bank dann wieder steigen, profitiert der Steuerzahler direkt." Nachdem die Institute wieder fit seien, sollten sie an den Kapitalmarkt zurückkehren.

Re-Definition von Risiko

Vom Bürger verlangt Vorndran eine höhere Verantwortung für sein Handeln. "Wir müssen uns endlich von der Versicherungsmentalität lösen", appelliert der Stratege. Bürger könnten nicht mehr auf versprochene Zinsen schauen und hoffen, dass der Staat im Notfall hafte. "Es gibt keinen risikofreien Zinssatz. Schon die Fugger haben höhere Zinsen vom Staat verlangt, weil sie wussten, dass der einseitig die Regeln ändern kann." Eine Einlagengarantie des Staates macht seiner Meinung nach bis 100.000 Euro Sinn. "Aber wenn ich über ein Vermögen von Millionen von Euro verfüge, dann sollte ich mir auch Gedanken über das Risiko machen."

Manager und Politiker sollen für ihre Entscheidungen haften, fordert der Stratege weiter. "Nicht nur Manager sondern auch Politiker sollten für ihre Taten vollumfänglich in die Haftung genommen werden können. Heute wissen sie, das Schlimmste, was ihnen passieren kann, ist nicht wiedergewählt zu werden. Es kann nicht sein, dass der Steuerzahler für Fehler und Wahlgeschenke der Politik geradestehen muss. Verantwortung und Haftung muss wieder zusammengeführt werden."

Eine große Gefahr sieht Vorndran darin, dass die Politik in ihren Rettungsbemühungen die Bürger nicht mitnimmt. "Aktuell agieren Politiker ohne direktes Mandat der Bevölkerung. In einer Demokratie muss man aber abfragen, was will mein Volk. Das wird in vielen Ländern der Euro-Zone konsequent ignoriert." Kaum eine Partei zeige politische Alternativen auf oder wage überhaupt eine Diskussion darüber, ob der Euro gut oder schlecht ist. "Die hiesige Schuldenkrise kann nur gelöst werden, wenn die Bevölkerung wahrheitsgemäß und vollumfänglich über die Probleme informiert wird, und sie dann bereit ist, für deren Lösung Opfer zu bringen. Die momentan diskutierte Volksabstimmung wäre dafür sicher ein wichtiger erster Schritt."

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