Immer mehr Menschen in Deutschland verlieren ihre Wohnung

Immer mehr Menschen in Deutschland verlieren ihre Wohnung

"Ein ganz wichtiger Faktor ist das Anziehen der Mietpreise in Ballungsgebieten", sagte der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W), Thomas Specht, zu den Ursachen. Er sprach von einer "Verarmung der unteren sozialen Schichten".

Als wohnungslos gelten Menschen, die nicht über einen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügen. Die meisten Wohnungslosen leben laut der Arbeitsgemeinschaft bei Bekannten und Verwandten oder in Hilfseinrichtungen.

Doch auch die Zahl der Menschen ohne Obdach ist den Angaben zufolge in den Jahren 2011 und 2012 um zehn Prozent auf rund 24.000 angewachsen. Die Wohnungslosenstatistik beruht auf eigenen Untersuchungen der BAG W. Die Schätzung sei "eher konservativ", sagte Specht. Er beklagte, dass außer Nordrhein-Westfalen kein Bundesland die Zahl der Wohnungslosen systematisch erfasse.

32.000 Minderjährige wohnungslos

Die Zahl der Kinder und minderjährigen Jugendlichen, die mit ihren Eltern nicht in einer eigenen Wohnung leben, schätzt die BAG W auf circa 32.000. Demnach haben zudem viele Hartz-IV-Empfänger unter 25 Jahren ihre Wohnung verloren, weil ihnen als Sanktionierungsmaßnahme die Kostenerstattung für ihre Wohnung gestrichen wurde. "Das halten wir für verfassungswidrig", sagte Specht. Bei den meisten Wohnungslosen handelt es sich um alleinstehende Männer.

Neben "sozialpolitischen Fehlentscheidungen" im Rahmen der Einführung des Arbeitslosengelds II nannte Specht die schlechte Bezahlung im Niedriglohnsektor, zu wenig sozialen Wohnungsbau und einen Mangel an Präventionsstellen in den Kommunen als Gründe für die hohe Zahl der Wohnungslosen. Bis zum Jahr 2016 könnte die Zahl der Betroffenen auf 380.000 steigen, befürchtet die BAG W. "Das hat mit dem Wohnungsmarkt zu tun. Und der Wohnungsmarkt kann jedenfalls nicht sehr schnell umgesteuert werden", sagte Specht.

Die BAG W forderte von der künftigen deutschen Bundesregierung, Wohnungspolitik auch auf Bundesebene zu betreiben und eine deutschlandweite Statistik einzuführen. Diese solle alle Menschen erfassen, die von Wohnungslosigkeit betroffen oder bedroht sind. Specht begrüßte zudem die Einführung einer Mietpreisbremse, wie sie etwa SPD und Grüne in ihr Wahlprogramm aufgenommen haben.

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