"Ich glaube nicht, dass ich jemals in Rente gehen kann"

"Ich glaube nicht, dass ich jemals in Rente gehen kann"

US-Präsident Barack Obama und seinem republikanischen Herausforderer Mitt Romney fällt es allerdings schwer, diese unzufriedenen potenziellen Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Zu groß sind die Differenzen.

Zwischen 2007 und 2010 ist das Einkommen der Arbeiterklasse
- also jener Arbeitnehmer ohne Hochschulabschluss - im Median um
4,6 Prozent gefallen, wie aus einer Studie hervorgeht, die für Bloomberg News von Sentier Research zusammengestellt wurde. Gleichzeitig legten die Gehälter der Mitarbeiter mit einem höherem Abschluss beziehungsweise in einer Managementfunktion um 1,9 Prozent zu. Besonders stark betroffen waren dabei männliche Arbeiter, deren Jahreseinkommen um 6,6 Prozent schrumpfte - dreimal mehr als die 1,9 Prozent, die es für alle Arbeitnehmer insgesamt abwärts ging, wie die Untersuchung belegt.

Es stellt sich die Frage, welchen Einfluss dies auf die in diesem Jahr anstehenden US-Präsidentschaftswahlen haben wird. Im Jahr 2008 hatte mit einem Verhältnis von 58 Prozent zu 40 Prozent die klare Mehrheit der weißen Arbeiter für den Republikaner John McCain gestimmt. Diesmal dürften beide Kandidaten allerdings ihre Schwierigkeiten haben, einen Bezug zu dieser Wählergruppe herzustellen.

Sowohl Mitt Romney als auch Barack Obama haben an der Elite-Universität Harvard studiert. Das Vermögen des Republikaners wird auf bis zu 250 Mill. Dollar (198 Mill. Euro) geschätzt und er hat sich auch nicht viele Freunde durch seine Äußerung gemacht, dass er es mag, “Leute zu feuern”. Obama wird von einer 2008 gemachten Aussage verfolgt, als er sagte, dass sich “verbitterte” Wähler der Arbeiterklasse an “Waffen und Religion klammern”.

“Keiner von beiden wird bei der Arbeiterklasse gut ankommen”, erwartet der Autor Sean Trende, der das Buch “The Lost Majority” über die Wahlherausforderungen beider Parteien geschrieben hat.

Laut der Sentier-Analyse stieg das Median-Einkommen von Männern mit höherem Abschluss von 68.558 Dollar 2007 bis 2010 auf 68.820 Dollar. Gleichzeitig ging es für die männlichen Arbeiter von 34.981 Dollar auf 32.677 Dollar abwärts. Die Rückgänge waren bei Arbeitern aller Hautfarben zu verzeichnen, es wird jedoch damit gerechnet, dass sich Obama bei den Minderheiten einen Großteil der Stimmen sichern wird. Die politischen Geplänkel konzentrieren sich deswegen auf die Weißen.

China als Feindbild

Romney will diese Wählergruppe gewinnen, indem er gegen China als Währungsmanipulator herzieht und härter gegen illegale Einwanderer vorgehen will. Obama hingegen erinnert daran, dass die Regierung den notleidenden Autobauern General Motors und Chrysler Finanzhilfe hat zukommen lassen und dadurch Tausende von US-Jobs gerettet hat. Gleichzeitig dürfte er Romney als Chef der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital angreifen und ihn als Job-Vernichter kritisieren.

Haushalte der Arbeiterklasse verfügen über kein finanzielles Polster und sind deswegen auf einen stabilen Arbeitsplatz angewiesen, sagt Henry Olsen, ein politischer Analyst des Republikaner-nahen American Enterprise Institute in Washington. “Obama wird sich genau diese Angst zunutze machen und sagen, dass sie einen Job zum Überleben brauchen, Romney dies aber egal ist”, erklärt Olsen.

Im Mai waren 3,9 Prozent der Arbeitnehmer mit Hochschulabschluss ohne Arbeit, verglichen mit 8,1 Prozent derer, die nur einen Highschool-Abschluss haben, wie aus Daten des Bureau of Labor Statistics hervorgeht. Diese Bevölkerungsgruppe leidet besonders stark darunter, dass immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland verlagert wurden. Sie müssen mit Arbeitern in Niedriglohnländern konkurrieren, während Arbeitgeber gleichzeitig dazu bereit sind, einen Aufpreis für Mitarbeiter mit höherer Ausbildung zu zahlen - selbst wenn es nur um Stellen in Fabriken geht.

US-Konzerne schaffen nur im Ausland stellen

Im Zeitraum von 2007 bis 2010 haben die größten US- Arbeitgeber im Ausland dreimal so viele Stellen geschaffen wie zuhause, hat das beim US-Wirtschaftsministerium angesiedelte Bureau of Economic Analysis errechnet. Multinationale Konzerne aus den USA haben bei ihren Tochtergesellschaften in anderen Ländern 600.000 neue Stellen geschaffen, während in den USA lediglich 200.000 dazukamen.

In Gainesville, im US-Bundesstaat Virginia hat Tim Kirk seinen Job als Installateur von Audio-Video-Anlagen behalten können, auch wenn zwei Drittel seiner Mitarbeiter 2007 gehen mussten, als die Immobilienblase platzte. Richtig gut geht es ihm dabei allerdings auch nicht: “Ich hatte in fast fünf Jahren keine Gehaltserhöhung mehr”, sagt er. Seine Rücklagen für den Ruhestand seien mit den Verlusten am Aktienmarkt auch dahingeschmolzen. “Ich glaube nicht, dass ich jemals in Rente gehen kann”, erklärt Kirk. “Es ist einfach unmöglich; die Lebenshaltungskosten sind zu hoch.”

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