Die Inspektoren der IAEA schreiben an Geschichte mit

IAEA - Die Inspektoren der IAEA schreiben an Geschichte mit

Das Reich der Zentrifugen, Kaskaden und des Urangemischs "Yellow Cake" ist ihre Welt: Den 240 Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien sind die Details der weltweit rund 1200 von ihnen inspizierten Nuklear-Anlagen vertraut.

Spaltbares Material darf laut Vertrag nicht weiterverbreitet werden. Deshalb sind die Kontrollen streng. Aus der bewährten Routine wird nun im Fall des Irans ein Beitrag zur Geschichte. "Die Inspektionen im Iran sind mit Sicherheit die wichtigste Herausforderung, der sich die IAEA stellt", sagt der Rüstungskontrollexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Oliver Meier. Am Montag beginnt die mit den Großmächten vereinbarte Sechs-Monatsfrist, in der Kontrollen erweitert, das Atomprogramm zurückgefahren und Sanktionen gelockert werden sollen. Die Inspektionsergebnisse der müssen mittel- und langfristig zeigen, ob Teherans Atomprogramm tatsächlich friedlich ist. Und ob das Tauwetter anhält.

Im Minenfeld der Weltpolitik reicht technisches Know-how nicht aus. Auch eine gehörige Prise diplomatische Umsicht gehört dazu. Viermal im Jahr veröffentlicht die Organisation ihren Bericht über Auffälligkeiten in den Nuklearanlagen. Mit Argusaugen studieren Regierungen und Experten die Zeilen zum Iran. "Es ist ein Bericht, dessen Formulierungen sehr präzise durchdacht sind", heißt es in IAEA-Kreisen. Die Details über die Zahl der Zentrifugen, die zur Uran-Anreicherung gebraucht werden, und andere Angaben gelten als höchst verlässliche Quelle. "Die Berichte liefern sehr viele objektive und belastbare Fakten", sagt Meier.

Das bedeutet viel Verantwortung für die Inspektoren aus vielen Staaten, meist Chemiker, Physiker und Kraftwerksingenieure. Bevor ein Land von den Fachleuten besucht wird, legt die Organisation eine Liste mit den Namen möglicher Inspektoren vor. Es komme vor, dass einzelne IAEA-Kontrolleure aufgrund ihrer Nationalität abgelehnt werden, sagt ein Insider. Grund könne sein, dass ein Land nichts mit Kontrolleuren aus Atomwaffen-Staaten zu tun haben will. Vorsorglich ist die Liste lang genug, sodass kein Besuch verhindert werden kann.

Die Arbeit der Inspekteure ist heikel. Sie erhalten Zutritt zu High-Tech-Anlagen und kein Atomkraftwerksbetreiber möchte, dass Wissen über technische Spezifika weiterverbreitet wird. "Das wäre dann ein Fall von Industriespionage", sagt ein Kenner. Daher würden die Bestimmungen zur Vertraulichkeit ständig überprüft und überarbeitet. Die Sorge vor einer "undichten Stelle" ist so groß, dass die IAEA zwar Kameras zur Fernüberwachung aufstellen darf - momentan etwa 1250 in 250 Anlagen - aber die Daten oft auf dem Chip gespeichert und abgeholt werden, statt sie zu übertragen. "Das ist die Angst vor Hackern", heißt es.

Eine der Ausnahmen ist das deutsche Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus. Dort würden die Bilder aus der Lagerhalle mit nur einem Tag Verzögerung zur IAEA übermittelt, sagt der Sprecher der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), Burghard Rosen. Die Frist sei gut begründbar. "Wir müssen auch noch Gelegenheit haben, ein etwaiges meldepflichtiges Ereignis unseren Aufsichtsbehörden selbst mitzuteilen und zu bewerten", sagt Rosen. Doch auch in Ahaus, wo derzeit nukleares Material in sechs großen Castoren, 305 mittleren und 18 kleineren Behältern zwischengelagert ist, kommen die Prüfer mindestens einmal im Jahr persönlich vorbei. Das gilt auch für die deutschen Atomkraftwerke.

Alltag im Vergleich zum Job im Iran. Ein wenig darf sich die IAEA auch in der Erkenntnis sonnen, dass der Dauerstreit zwischen dem Iran und den USA nur mit ihrer Expertise vielleicht entschärft werden kann. "Ohne die IAEA wären wir hilflos", sagt Meier.

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

Politik

Österreich beteiligt sich an Allianz gegen Terrormiliz IS

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

International

EU buttert 26 Milliarden in Verkehrs-Infrastruktur

der polnische Finanzminister Mateusz Szczurek will 700 Milliarden für Investitionen in Europa. Alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sollen einzahlen
 

International

Polen will 700-Milliarden-Investitionsfonds für Europa