Hola Alemania – Südeuropäer finden Jobs in Deutschland

Hola Alemania – Südeuropäer finden Jobs in Deutschland

Konzerne wie BMW oder BASF werben gezielt in Südeuropa für Fachkräfte, andere Unternehmen wie Henkel prüfen dies, wieder andere wie Volkswagen und die Konzerntochter Audi bilden Mitarbeiter abwechselnd vor Ort und in Deutschland aus.

Allzu schwierig dürfte die Suche nach qualifizierten Beschäftigten im Süden des Kontinents nicht sein, denn in Spanien, Griechenland oder Portugal ist die Arbeitslosigkeit in Folge der Dauerkrise hoch. Besonders betroffen sind junge Leute. Deutschland und Frankreich wollen dies ändern, unter anderem mit Finanzhilfen für Firmen.

Rund sechs Millionen junge Menschen unter 25 Jahren sind laut Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen in Europa ohne Ausbildung, ohne Arbeit - und ohne Perspektive. Besonders dramatisch ist die Lage in den Euro-Krisenstaaten: In Griechenland ist die Jugendarbeitslosigkeit auf 64 Prozent gestiegen, in Spanien liegt sie bei 56 Prozent, in Portugal bei 38 Prozent. Auch in Italien (38 Prozent) und Frankreich (26,5 Prozent) finden viele junge Menschen keinen Job. Deutschland und Österreich stehen mit knapp acht Prozent am besten da.

Die Arbeitsministerin will deshalb 5000 junge Leute aus Spanien als Auszubildende nach Deutschland holen - angesichts von 3,5 Millionen jungen Arbeitslosen dort ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mit dabei ist der Münchner Autobauer BMW, der ab September 25 Spanier zwischen 18 und 25 Jahren ausbilden will, die dann in der Entwicklung, im Vertrieb oder im Marketing bei dem Oberklasse-Hersteller arbeiten sollen. Europas größter Autobauer VW startete bereits im vergangenen Jahr ein Trainee-Programm für spanische und portugiesische Hochschulabsolventen. Personalchef Horst Neumann berichtete damals in einem Interview von gewaltigem Andrang: "Auf 104 Stellen hatten wir 3600 Bewerber."

Von den 24 Monaten, in denen das Programm läuft, verbringen die Nachwuchskräfte drei bis sechs in ihren Heimatländern und den Rest in Deutschland. Pro Teilnehmer gibt VW für die Weiterbildung, die auch Sprachunterricht und interkulturelles Training umfasst, nach eigenen Angaben 145.000 Euro aus. Bei der Konzerntochter Audi arbeiten derzeit 41 junge spanische Ingenieure in Ingolstadt und Neckarsulm. Außerdem wird einer Sprecherin zufolge geprüft, spanischen Jugendlichen eine dreieinhalbjährige Ausbildung bei Audi anzubieten.

Der Chemieriese BASF bildet derzeit nach Angaben einer Konzernsprecherin 20 junge Leute in Spanien aus, die später in der Zentrale in Ludwigshafen arbeiten sollen. Der Software-Konzern SAP will ebenfalls mehr qualifizierte junge Leute aus Südeuropa nach Deutschland lotsen. Bei Henkel gibt es laut einer Sprecherin Überlegungen "in dieser Richtung", aber noch nichts Konkretes. Beim Auto- und Industriezulieferer Leoni gingen zuletzt auch ohne entsprechende Programme mehr Bewerbungen aus Spanien ein. Vor allem Leute mit kaufmännischer Ausbildung oder Studium suchten einen Job in Verwaltung oder Vertrieb in Deutschland, sagt Robert Manger, der in dem Nürnberger Konzern für Personalmarketing zuständig ist.

BMW erwägt Projekte auch für Italiener und Griechen

Bei BMW heißt es, wenn das Projekt mit den spanischen Azubis erfolgreich ist, könnte es auch Italienern oder Griechen angeboten werden. "Wir möchten diesen Ländern, in denen wir ja auch unsere Autos verkaufen, etwas zurückgeben", sagte Personalchefin Milagros Caina-Andree, die selbst als Vierjährige von Spanien nach Deutschland gekommen ist, der "FAZ". Die Pkw-Hersteller dürften bei ihren Aktionen auch im Blick haben, dass in vielen Ländern in Südeuropa so wenige Neuwagen verkauft werden wie seit Jahren, teils Jahrzehnten nicht mehr. Und nur Leute mit gut bezahltem Job und guten Aussichten leisten sich solch teure Neuanschaffungen. Anwerbeaktionen in Krisenstaaten tun darüberhinaus dem Image der Konzerne gut, und nebenbei bekämpfen sie ein Problem, über das deutsche Firmen lange laut geklagt haben: den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. "Deutschland braucht Fachkräfte, schon heute gibt es Mangelqualifikationen", sagte die BMW-Personalchefin. Experten zufolge sinkt allein durch die Überalterung der Gesellschaft das Potenzial an Erwerbspersonen bis 2025 um fast sechs Millionen Menschen. Zuwanderung könnte diesen Trend zumindest verlangsamen.

Auch der Staat als Arbeitgeber sucht Mitarbeiter in Spanien - so wirbt die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt Mainz in ihrer Partnerstadt Valencia Erzieherinnen und Erzieher an für die Mainzer Kindergärten. Vertreter der Stadt haben in einem ersten Schritt bereits etliche Arbeitsverträge mit nach Spanien genommen - und loben die Motivation der jungen Spanier.

Wegen der anhaltenden Krise in Europa ist Deutschland für Einwanderer so attraktiv wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Im vergangenen Jahr zogen 369.000 Menschen mehr in die Bundesrepublik als fortgingen. Vor allem Griechen, Italiener, Portugiesen und Spanier kommen vermehrt nach Deutschland. Aus diesen Krisen-Ländern stammten dem Statistischen Bundesamt zufolge unter dem Strich 68.300 nichtdeutsche Zuwanderer oder über 80 Prozent mehr als 2011. Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass auch die Beschäftigung von Arbeitnehmern aus diesen Ländern deutlich gestiegen ist. Dass im krisengeschüttelten Süden des Kontinents großes Interesse an Jobs in Deutschland herrscht, stellten im vergangenen Jahr Schwäbisch Hall fest: Nachdem Vertreter von Stadt und Unternehmen von ihren vielen freien Stellen berichtet hatten, wurden sie von tausenden Bewerbungen aus Portugal, Spanien, Italien und Griechenland überrollt.

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